Jaguar XE 20d R-Sport

Fahrbericht.
Jaguar XE 20d R-Sport

Sportlich-elegante Premium-Mittelklasse,
aber von der sparsamen Sorte

Von Petra Grünendahl

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.


Zeitlos elegant und mit hoher Aerodynamik glänzt der Jaguar XE. Mit seiner coupéhafte Silhouette und einem cW-Wert (Luftwiderstandsbeiwert) von 0,26 zählt er zu den windschnittigsten seiner Klasse. Die Sportlimousine XE ist das Einstiegsmodell der englischen Marke und zählt mit seinen 4,67 Metern Karosserielänge zur Mittelklasse. Ein XE mit Zweiliter-Turbodiesel und 180 PS in der Ausstattungsoption R-Sport vermittelte erste fahrerische Eindrücke.
 

Seit Juni 2015 ist der Jaguar XE als Nachfolger des X-Type auf dem deutschen Markt. Jüngst ergänzte ein neu entwickelter Zweiliter-Common-Rail-Diesel die Modellpalette. Der englische Automobilhersteller Jaguar wurde 1922 gegründet, produziert seit 1927 sportlich-elegante Auto-Karosserien und ist seit 1928 in Coventry ansässig. Heute verfügt Jaguar neben einem Entwicklungszentrum in Coventry über zwei Werke in der Nähe von Birmingham und Liverpool. Von 1989 bis 2008 gehörte Jaguar zur Premium Automotive Group der Ford Motor Company. Danach übernahm Tata Motors (Indien) Jaguar und Land Rover, die 2011 zur Jaguar Land Rover Limited verschmolzen.

Fahrzeug und Ausstattung

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Vier Türen bieten guten Zugang zum Innenraum. Recht ordentlich ist die Übersicht über die Karosserie, nach hinten verbessert eine optionale Rückfahrkamera die Sicht. Einparkhilfen für vorne und hinten sind in diesem Optionspaket ebenfalls enthalten. In beiden Sitzreihen finden die Passagiere großzügige Platzverhältnisse vor. Die sportlich konturierten Sitze in der ersten Reihe bieten guten Seitenhalt. Der Kofferraum fasst maximal 455 Liter. Die Rückbanklehne ist gegen Aufpreis zweifach geteilt (40:20:40) verfügbar, so dass schmale Gegenstände über die Kapazitätsgrenze hinaus bis auf die Rücksitzbank durchgeladen werden können. Mit Reifen-Repair-System fasst das Gepäckabteil 450 Liter, ein Platz sparendes Reserverad (gegen Aufpreis) reduziert das Gepäckabteil auf 415 Liter. Verzurrösen im Kofferraum erleichtern das Sichern der Ladung.

Materialqualität und Verarbeitung sind hochwertig, wie sich das für den Premium-Anspruch der Marke gehört. Trotz vieler Funktionen gewinnt man schnell den Überblick über das Armaturenbrett. Eine intuitive Anordnung von Schaltern und Anzeigen erleichtert die Bedienung.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Die Basisversion des Jaguar XE heißt Pure. Serienmäßig fährt sie vor mit Jaguar Smart Key System mit Keyless Start, elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterheber rundum, Wärmeschutzverglasung, Multifunktions-Lederlenkrad, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Radio mit USB-/iPod-/Aux-Konnektivität, 80-Watt-Klangsystem und Lautsprechern, Bluetooth-fähigem Telefonsystem, Infotainment-System mit Touchscreen-Farbdisplay, Geschwindigkeitsregelung mit Geschwindigkeitsbegrenzer sowie 17-Zoll-Leichtmetallrädern. Unsere Variante R-Sport ist die untere sportliche Linie. Ab Werk zusätzlich an Bord sind zum Beispiel ein Multifunktions-Sportlederlenkrad mit „R-Sport“-Emblem oder Fußmatten. Anstelle der serienmäßigen 18-Zoll-Leichtmetallräder „Star“ hat unser Testwagen optionale Leichtmetaller im Design „Matrix“ montiert. Optional verfügt er über ein Licht-Paket (Bi-Xenon-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, adaptives Kurvenlicht, Abbiegelicht und intelligentes Fernlicht) plus Regensensor und Sensorgesteuertes Fahrlicht, ein Navigationssystem, eine Adaptive Geschwindigkeitsregelung, beheizbare Vordersitze sowie ein Parkhilfe-Paket. Gegen Aufpreis verfügbar ist zudem eine beheizbare Frontscheibe.

Motor und Antrieb

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Ein Zweiliter-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung treibt in der stärkeren 180-PS-Variante unseren Testwagen an. Eine schwächere, 163 PS starke Version ist für das Modell ebenfalls verfügbar. Zwei direkteinspritzende Ottomotoren (2,0- und 2,4-Liter) in drei Leistungsstufen zwischen 200 und 340 PS komplettieren die Motorenpalette. Frühere Dieselmotoren (ab 2004 auch bei Jaguar) stammten aus einer Kooperation von Jaguar-Mutter Ford mit PSA (Citroen-Peugeot). Die neue Generation der Ingenium-Zweiliter-Dieselmotoren wurde komplett bei Jaguar entwickelt und läuft auch im eigenen Motorenwerk in Wolverhampton vom Band. Der neue Selbstzünder ist gleich ein Volltreffer: Sparsam ist er ebenso wie kraftvoll und kultiviert! Gleich auf Anhieb lieferten die englischen Entwickler ein Meisterwerk der Klasse A+ (Effizienz siehe unten) ab.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Laufruhig und geschmeidig geht der Reihenvierzylinder zu Werke, als Selbstzünder fällt er kaum auf. Er hängt gut am Gas und dreht freudig hoch. Spontan und zügig im Antritt, guter Durchzug und angemessene Leistungsentfaltung über das ganze relevante Drehzahlband erfüllt er die Anforderungen, die man an ein Triebwerk in dieser Klasse stellt. Sein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern liegt zwischen 1.750 und 2.600 U/min. an. Souverän ist Katze aus Coventry auf Landstraßen wie Autobahnen unterwegs. Variable Steuerzeiten für Einlass- und Auslassventile optimieren den Kraftstoffverbrauch. Die serienmäßige Acht-Stufen-Getriebeautomatik von ZF kann man über Wippen am Lenkrad auch selber schalten (Jaguar Sequential Shift™), muss man aber wirklich nicht: Das Programm Drive ist völlig ausreichend, weil es ordentlichen Vortrieb mit angemessenem Verbrauch bietet. Wer gerne den Gasfuß spielen lässt, bekommt aber mit den Programmen „Sport Auto“ und „Sport Manuell“ auch auf seinen Geschmack. Ein intelligentes Stop-/Start-System schaltet den Motor beim Anhalten ab, im Eco-Modus gibt Jaguar Drive Control Schaltempfehlungen für eine effizientere Fahrweise. Alternativ stehen statt Eco auch Dynamic, Winter und Normal zur Wahl.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Nur 7,8 Sekunden braucht er für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 228 km/h. Je 100 Kilometer innerstädtisch konsumiert er 5,1 Liter Dieselkraftstoff, 4,2 Liter außerorts und 3,7 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro 6, der CO2-Ausstoß beträgt 109 g pro km. In der Relation von Größe/Gewicht zum Verbrauch reicht das für die Effizienzklasse A+. Ein Hintergrundpapier zur Pkw-Verbrauchskennzeichnung finden Sie im Internet unter: Faktenpapier Effizienzlabel.

Fahrwerk, Handling und Sicherheit

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Jaguar XE. Foto: Jaguar Land Rover.

Die Leichtbaukarosserie besteht zu 75 Prozent aus Aluminium, ist aber dennoch höchst verwindungssteif, was sich durch eine sichere Straßenlage bemerkbar macht. Das Fahrwerk wurde komplett neu entwickelt. Neu konstruierte Radaufhängungen bieten hohe Stabilität auf engem Bauraum. Unser Modell verfügte über Heckantrieb, seit dem aktuelle 2017-er Modelljahr gibt es den 180-PS-Diesel auch mit Allradantrieb. Über ein Sportfahrwerk verfügen die Modellvarianten R-Sport und „S“ serienmäßig. Es bietet in seiner Abstimmung ein sehr ausgewogenes Verhältnis von sicherer Sportlichkeit und einem Abrollkomfort, die dem Jaguar XE als Premium-Limousine gut ansteht. Die direkt ausgelegt elektromechanische Servolenkung (EPAS) vermittelt dem Fahrer ein gutes Gefühl für den Untergrund. Der XE glänzt mit tadellosem Geradeauslauf, sehr gutem Abrollkomfort und hoher Fahrdynamik.

Der Jaguar XE glänzt mit sicherem, dynamischem Fahrverhalten und einem präzisen Handling. Sicher liegt er in flotter gefahrenen Kurven auf dem Asphalt. Spurtreu und agil meistert er plötzlichen Ausweichmanöver und das Einfädeln zurück auf die alte Spur. Das serienmäßige Torque Vectoring (Drehmomentverteilung durch das Abbremsen einzelner Räder) unterstützt das DSC beim Unterdrücken von Unter- oder Übersteuerungstendenzen. Letztere kommen gerade schon mal bei Hecktrieblern vor, sind aber in zügig angegangenen Kurven nicht zu spüren.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

An aktiven Fahrassistenzsystemen sind serienmäßig an Bord: ABS und ESP (heißt hier DSC), eine Berganfahrhilfe, All Surface Progress Control (ASPC), Drehmomentverteilung (Torque Vectoring by braking-Funktion), ein Spurverlassenswarner und ein Autonomer Notfall-Bremsassistent. Optional verfügbar sind zum Beispiel ein Spurhalteassistent mit Aufmerksamkeitsassistent, eine Verkehrszeichenerkennung mit adaptivem Geschwindigkeitsbegrenzer und ein „Toter Winkel“-Warnsystem. Die „R-Sport“-Version steht serienmäßig auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern, unserer Testwagen dank aufpreispflichtiger Felgen mit Reifen im Format 225/45 auf beiden Achsen. Die Bremsanlage mit groß dimensionierte Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verzögert standfest und sicher.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Die hochstabile Aluminium-Leichtbau-Karosserie ist kombiniert mit hochfesten Stählen und Magnesium, die höchsten Crashtest-Anforderungen genügt. Im Innenraum schützen Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Plätzen, mit Schleudertrauma-Reduktionssystem ausgestattete Vordersitze, Front- und Seitenairbags vorne, Fensterairbags für beide Sitzreihen sowie Isofix-Kindersitzvorrüstungen hinten. Eine „aktive“ Motorhaube sichert bestmöglichen Fußgängerschutz. Im EuroNCAP erreichte der Jaguar XE im Jahr 2015 fünf Sterne für seine Sicherheit. Das Bewertungssystem berücksichtigt neben Insassen- und Kindersicherheit sowie Fußgängerschutz auch die serienmäßige Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs mit Fahrassistenzsystemen. Im Laufe der Jahre seit Einführung der aktuellen Regelung haben sich allerdings die Anforderungen erhöht, so dass heutzutage kaum noch ein Fahrzeug auf fünf Sterne kommt. Der Jaguar XE hat es trotzdem geschafft.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Jaguar XE 20d R-Sport. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 36.450 Euro steht der Jaguar XE in den Preislisten der Händler: Mit Zweiliter-Turbobenziner, 200 PS in der Basisausstattung Pure. Der Zweiliter-Turbodiesel mit manuellem Schaltgetriebe ist ab 36.800 Euro zu haben. Unsere „R-Sport“-Variante mit Selbstzünder, 180 PS und Automatikgetriebe steht ab 43.200 Euro zum Kauf. Die Uni-Lackierungen Schwarz und Weiß gibt es ohne Aufpreis, alle anderen Farben – Metallic oder Premium-Metallic-Lackierungen – kosten ebenso extra wie diverse Sonderausstattungen und Ausstattungspakete. Auf den Neuwagen gibt Jaguar eine dreijährige Herstellergarantie ohne Kilometerbegrenzung inklusive Inspektionen. Garantien. Service. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 18 / 25 / 25 (KH / VK / TK) ein.

© Juni 2016 Petra Grünendahl, Auto-Redaktion ISSN 2198-5014 Impressum
Fotos: Petra Grünendahl (8), Jaguar (4)

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