Lada 4×4 Urban

Fahrbericht.
Lada 4×4 Urban

Einer der letzten wirklichen Geländegänger:
In Freizeitkleidung statt Blaumann

Von Petra Grünendahl

Der Lada 4x4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada 4×4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada Niva ist ein Begriff auf dem deutschen Markt. Nach einem Joint Venture mit General Motors darf das Wolga-Automobilwerk (AvtoVAZ, größter Pkw-Hersteller in Russland, der die Marke „Lada“ produziert) den Markennamen „Niva“ zur Zeit nicht nutzen. Auch wenn die Namensrechte noch bis 2018 bei GM liegen, die damit den „Chevrolet Niva“ vermarkten (allerdings nicht in Europa), so gibt den russischen Geländewagen (Werksbezeichnung 21214) aber nach wie vor auf dem deutschen Markt, allerdings aus genannten Gründen aktuell unter anderem Namen: Lada 4×4, Lada 4×4 Taiga und – jetzt neu: als Lada 4×4 Urban. Nicht ganz so kantig und archaisch wie die Modelle 4×4 oder 4×4 Taiga ist der 4×4 Urban gestaltet. Gefälliger, runder, für eine urbane Klientel, die bislang SUV fuhr: Blender, die optisch eine Geländegängigkeit versprechen, die sie aber nicht liefern können. Denn auch wenn der 4×4 Urban optisch ein wenig in die modischere Ecke gerückt ist, mehr als nur Arbeitsgerät sein will: Er ist und bleibt ein Geländewagen, der kann, wenn er muss. Einer der letzten einer aussterbenden Art!

Der Lada 4x4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada 4×4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Im Jahr 1976 kam der Niva auf den Markt. Nahezu unverändert wird die Karosserie heute noch gebaut. Unterm Blechkleid jedoch ist der Allradler schon mit der Zeit gegangen und erfüllt bis heute die technischen Standards, die durch technische Innovationen ebenso wie durch EU-Gesetzgebung kontinuierlich anspruchsvoller wurden. Diese Ansprüche musste Lada auch für seinen Geländewagen erfüllen, um ihn hier weiter vermarkten zu können. Auch als „4×4“ in seinen Modellvarianten ist und bleibt der Niva der Bestseller im Programm des russischen Herstellers für den deutschen Markt. Lada verfügt in Deutschland über ein Händlernetz mit 240 Partnern, das gesamte Servicenetz inklusive Werkstätten umfasst 320 Partnerbetriebe.

Fahrzeug und Ausstattung

Lada 4x4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Lada 4×4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Lada 4x4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Lada 4×4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Der Urban wirkt zwar massiver als der normale Lada 4×4, ist auch einen Zentimeter breiter, aber doch auch acht Zentimeter kürzer. Der Grund: Die mächtiger wirkenden Stoßfänger liegen enger an der Karosserie an als die filigraneren beim Lada 4×4. Guten Zugang zum Innenraum des 3,64 Meter langen Dreitürers haben vor allem dir Frontpassagiere. Die 22 Zentimeter Bodenfreiheit machen sich allerdings schon bemerkbar, vor allem beim Einstieg in den Fond, wo zwei „Hinterbänkler“ Platz finden. Die Übersicht über die Karosserie ist recht ordentlich, auch dank der hohen Sitzposition, die vor allem der hohen Bodenfreiheit geschuldet ist. Das Platzangebot geht in beiden Reihen für normal gewachsene Personen in Ordnung. Der Laderaum fasst 263 Liter hinter der Rücksitzbank unter der Laderaumabdeckung. Mit umgeklappter Rückbanklehne passen bis zur Fensterunterkante 504 Liter und dachhoch bis 982 Liter hinein. Mit einer erlaubten Zulandung von maximal 325 Kilogramm (zusätzlich zum Fahrer) erreicht er ein zulässiges Gesamtgewicht von knapp 1,6 Tonnen. Der Innenraum wirkt rustikal und robust. Hier scheint dann doch das Arbeitstier durch, das eine wenig pflegliche Behandlung nicht übel nimmt. Raus ins Gelände bei Regen und Matsch: Kein Problem! An der Verarbeitung ist nichts auszusetzen, die Materialqualität ist solide. Übersichtlich ist das Cockpit gestaltet, das vereinfacht die Bedienung.

Lada 4x4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Lada 4×4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Die Serienausstattung umfasst elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber und Sitzheizung vorne sowie 16-Zoll-Stahlfelgen. Lenkrad und Mittelkonsole wurden gegenüber dem Lada 4×4 neu gestaltet. Serienmäßig kommt der Lada 4×4 mit einer Drei-Schlüssel-Variante: Tür, Wegfahrsperre und Anlasser. Gegen Aufpreis gibt es eine Zentralverriegelung – und wer noch ein paar Euros mehr drauflegt, bekommt sogar eine funkfernbediente Zentralverriegelung. Optional gibt es im Karosserie- und Lackschutzpaket Hohlraumversiegelung, Unterbodenschutz, Schutzleisten, Innenkotflügel, Schweller-/Steinschlagschutz Waxoyl, Trittschutzfolie am Einstieg sowie die Lackversiegelung 100 Plus (einzeln bestellbar). An Sonderausstattung sind darüber hinaus unter anderem Dachgepäckträger (wahlweise groß oder klein), ein elektrisches Faltschiebedach, Flankenschutzrohre in Chromoptik, Trittbretter in Chromoptik oder Schwarz, 15-Zoll-Stahlfelgen (für breiter dimensionierte Reifen), Laderaumtrenngitter, Gewehrhalter, Fußraumschalen und Wildwannen (groß oder klein), ein CD-Radio oder auch nur die einfache Radiovorbereitung mit Türlautsprechnern und Antenne verfügbar.

Motor und Antrieb

Lada 4x4 Urban. Foto: Lada Automobile.

Lada 4×4 Urban. Foto: Lada Automobile.

Einziger Antrieb ist ein 1,7-Liter-Ottomotor mit Multipoint-Einspritzung und 83 PS. Mit dem nur 1,3 Tonnen schweren Fahrzeug hat der Vierzylinder-Zweiventiler im Antritt leichtes Spiel. Recht flott ist man damit im Stadtverkehr unterwegs. Zieht es einen jedoch mehr auf die Landstraße, wird der Vortrieb schon zäher. Er braucht Drehzahl, denn sein maximales Drehmoment von 129 Newtonmetern liegt erst bei 4.000 U/min. an. Für die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 braucht der russische Geländegänger 19 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 137 km/h. Das reicht auf der Autobahn immerhin, um einen Lkw zu überholen. Für Fernfahrten ist der Lada 4×4 definitiv nicht gemacht. Der Motor ist kernig und man spürt ihn im Lenkrad: Zu den ruhigen Vertretern seiner Art zählt er nicht. Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe verlangt nach einer kräftigen Hand, lässt sich dafür aber präzise schalten.

Lada 4x4 Urban. Foto: Lada Automobile.

Lada 4×4 Urban. Foto: Lada Automobile.

Der Lada 4x4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada 4×4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Motor würde sich vermutlich sogar mit Normalbenzin begnügen, so es das noch gäbe. Allerdings ist er kein Sparfuchs: Sein Verbrauch liegt bei 12,2 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern innerorts, 8 Litern außerorts und 9,5 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Die Werte lassen sich aber wohl auch bei defensiver Fahrweise im Alltagsbetrieb erreichen, denn wo wenig Elektronik vorhanden ist, sind kaum Manipulationen möglich. Der Motor stammt aus einer Entwicklungskooperation mit Fiat und wurde als Motorblock 1993/1994 konzipiert. Natürlich wurde er weiterentwickelt und verfeinert, so dass er heute sogar die Abgasnorm Euro 6 erfüllt. Der CO2-Ausstoß beträgt allerdings dank des vergleichsweise hohen Verbrauchs stolze 216 g pro km. In der Relation von Größe/Gewicht zum Verbrauch reicht das nur für die Effizienzklasse G. Ein Hintergrundpapier zur Pkw-Verbrauchskennzeichnung finden Sie im Internet unter: Faktenpapier Effizienzlabel. Wie alle Lada-Modelle kann man auch den 4×4 in allen Modellvarianten mit Autogas-Antrieb (LPG) umgebaut bestellen: Der Umbau erfolgt durch den Importeur Lada Automobile GmbH in seinem Technikzentrum in Buxtehude.

Fahrwerk, Handling und Sicherheit

Der Lada 4x4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada 4×4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Die hydraulische Servolenkung spricht direkt an, ist leichtgängig und präzise. Mit einem Radstand von 2,20 Meter sehr wendig. Fahrwerk mit straffer Feder-Dämpfer-Kennlinie. Ein permanenter Allradantrieb verteilt den Vortrieb über alle vier Räder auf den Untergrund. Hinten kommt geländewagentypisch eine Starrachse zum Einsatz. Ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Geländereduktion und zuschaltbarer Differentialsperre sorgt für optimiertes Vorankommen jenseits befestigter Straßen und auf unwegsamem Gelände.

Lada 4x4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Lada 4×4 Urban. Foto: Petra Grünendahl.

Im Fahrverhalten ist er auf der Straße unproblematisch. Dank des eher geringen Gewichts, der direkten Lenkung und seines kurzen Radstandes wirkt er recht agil im Handling. Eine Elektronik, die regelnd eingreifen könnte, bevor man den Grenzbereich erreicht (ESP), ist nicht verfügbar. Allerdings ist es wohl weniger der Asphalt, wo man sich mit diesem Auto austoben möchte, sondern eher das Gelände, wo ESP nicht unbedingt weiter hilft. An serienmäßige Fahrwerksregelsysteme sind ABS mit Bremskraftverstärker und Bremsassistent mit an Bord. Der Lada 4×4 steht ab Werk auf 16-Zoll-Rädern mit 175/80er Reifen. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorne und selbstnachstellenden Trommelbremsen hinten verzögert ordentlich und spurtreu. Die serienmäßige passive Sicherheitsausstattung umfasst Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen vier Sitzplätzen, höhenverstellbare Kopfstützen vorne und Wegfahrsperre. Einem Crashtest nach EuroNCAP wurde bislang noch kein Lada unterzogen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Der Lada 4x4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Der Lada 4×4 Urban bei der Präsentation in Hilden. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 11.990 Euro steht der Lada 4×4 Urban in der Serienausstattung in den Preislisten. Damit kostet er 2.000 Euro mehr als der Lada 4×4 in Basisausstattung. Dafür bringt er ab Werk eine Zweischichtlackierung, Stoßfänger in Wagenfarbe, einen modifizierten Frontgrill, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, Sitzheizung vorne, ein Lenkrad in neuem Design sowie eine neu gestaltete Mittelkonsole mit Cupholder und Lesespots mit. Aufpreis kosten verschiedene Optionen aus dem Karosserie- und Lackschutzpaket sowie beispielsweise Dachgepäckträger, Laderaumtrenngitter, Gewehrhalter, Wildwanne oder Fußraumschalen, eine Radio-CD-Anlage sowie Zentralverriegelung (mit oder ohne Funkfernbedienung). Lada gibt eine zweijährige Garantie auf den Neuwagen. Die Inspektions- und Ölwechselintervalle liegen bei 15.000 Kilometern oder maximal einmal im Jahr. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 12 / 11 / 11 (KH / VK / TK) ein.

© März 2016 Petra Grünendahl, Auto-Redaktion ISSN 2198-5014 Impressum
Fotos: Petra Grünendahl (9), Lada Automobile (2)

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