Mitsubishi Lancer Sportback 1.8

Fahrbericht.
Mitsubishi Lancer Sportback 1.8 Intense
Große Klappe
Von Petra Grünendahl

Sportback als Bezeichnung für eine Karosserievariante tauchte erstmals bei Audi im Jahr 2007 auf. Der A3 Sportback ist die fünftürige Variante des A3, die Karosserieform geht in Richtung Kombi. Der Mitsubishi Lancer Sportback dagegen ist ein sportliches Fließheck, das die Kombi-Variante der siebten Generation ersetzt. In diese Richtung geht auch bei Audi der neue A5 Sportback, den die Ingolstädter auf der IAA 2009 präsentiert haben.

Die aktuelle Baureihe des Lancer ist bereits die achte Generation. In den Jahren 1999 – 2003 wurde der Lancer in Deutschland nicht offiziell verkauft, da er dem ähnlich großen Carisma zu viel Konkurrenz im eigenen Haus gemacht hätte. Seit 2004 war dann die siebte Generation als Nachfolger des etwas glücklosen Carisma doch wieder in Deutschland zu haben. Die achte Generation gibt es seit 2007, den Sportback seit Ende 2008. Das Modell mit der Heckklappe ist auf dem deutschen Markt deutlich begehrter als das klassische Stufenheck. Einen ersten Eindruck verschaffte eine kurze Ausfahrt mit einem 1.8-Liter-Ottomotor in der Ausstattungslinie Intense.

 

Markant ist die Front mit ihren groß dimensionierte Lufteinlässen, stämmig wirkt er mit einer Breite von 1,76 m. In der Seitenansicht ist er sportlich-dynamisch, fast schon elegant. Seine 4,58 m Karosserielänge sieht man ihm nicht an. Das Dach fällt recht früh ab, der Dachspoiler verlängert optisch die Dachlinie. Guten Zugang zum Innenraum bieten fünf Türen. Die Übersicht ist dank der ansteigenden Gürtellinie gerade nach hinten nicht besonders gut. Aber dafür hat Mitsubishi ab der Ausstattung Intense eine Einparkhilfe hinten eingebaut. Das Platzangebot ist in beiden Reihen recht großzügig ausgelegt. Hinten sollten aber besser nur Japaner oder Italiener Platz nehmen. Größer gewachsene Insassen stoßen am niedrigen Dachhimmel schnell an ihre Grenzen. Die niedrige Ladekante erleichtert das Verstauen schweren Gepäcks. Der Laderaum fasst zwar nur 288 Liter unter der Abdeckung. Er lässt sich aber durch Umklappen der serienmäßig asymmetrisch geteilt umlegbaren Rücksitzlehne auf bis zu 1.349 Liter erweitern. Unter dem Laderaumboden lässt ein weiteres flaches Fach Gegenstände auch aus dem Blickfeld von neugierigen Beobachtern verschwinden.

Ordentlich sind die Materialqualität und Verarbeitung im Innenraum. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet und gibt keine Rätsel auf. Vier Ausstattungsvarianten stehen zur Wahl. Schon ab der Basisausstattung Inform hat der Lancer Sportback u. a. eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, CD-Radio und eine Klimaanlage mit an Bord. Die zweite Ausstattungslinie Invite kommt darüber hinaus mit Klimaautomatik (mit kühl- und beheizbarem Handschuhfach), Multifunktions-Lederlenkrad, Tempomat, Bluetooth-Fernsprecheinrichtung und 16-Zoll-Leichtmetallrädern. Die Außenspiegel sind beheizbar. Ab der Instense-Variante umfasst die Serienausstattung zusätzlich Nebelscheinwerfer, Parksensoren hinten, Licht- und Regensensor, ein höherwertiges Audio-System mit CD-Wechsler sowie 18-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Und als Top-Ausstattung hat Instyle noch Features wie ein Kommunikationssystem mit Festplatten-Navigation, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Lederausstattung mit Sitzheizung vorne sowie das schlüssellose Zugangssystem Smart Key zu bieten.

 

Zwei Motor stehen für den Lancer zur Wahl: ein Ottomotor mit 1,8 Litern Hubraum und 143 PS sowie ein TDI aus dem Konzernregal von Volkswagen mit 140 PS und Pumpe-Düse-Einspritzung. Der Benzinmotor hängt gut am Gas und dreht freudig und vibrationsarm hoch. Für guten Durchzug und eine ausreichende Leistungsentfaltung braucht er aber auch ordentlich Drehzahl. Sein Drehmomentmaximum von 178 Nm liegt erst bei 4.250 U/min. an. Und ordentlich Drehzahl bedeutet ein tiefes Knurren, das nicht unangenehm ist.

Das elektronisch gesteuerte stufenlose CVT-Getriebe ist bislang nur für den Benziner verfügbar. Für die manuelle Schaltoption (Sports Mode) verfügt es über sechs Gänge. Es harmoniert aber nicht wirklich gut mit dem hoch drehenden Motor. Der Lancer wirkt hier etwas träge und schwerfällig. Besser wird es auch mit Sports-Mode-Schaltung über die Schaltwippen am Lenkrad nicht, zumal diese sehr lang übersetzt ist für maximale Kraftstoffökonomie. Das manuelle Schaltgetriebe wäre hier eindeutig die bessere Wahl! Für die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 braucht der Lancer Sportback mit CVT-Getriebe in den höheren Ausstattungslinien (mit mehr Leergewicht) 12 Sekunden, mit manueller Schaltung reichen 10,6 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht unser Testfahrzeug bei 183 km/h (Schaltgetriebe 196 km/h). Als Verbrauch gibt Mitsubishi innerorts für 100 km 11,4 Liter an, für Fahrten außerorts 6,5 Liter und 8,3 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Für die handgeschaltete Variante sind es 10,5 / 6,4 / 7,9 Liter. Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4, der CO2-Ausstoß beträgt – je nach Karosseriegewicht – 191 bzw. 198 g pro km (mit manueller Schaltung 188 g/km).

 

Frontantrieb, guter Geradeauslauf und eine direkte Lenkung heißen die Zutaten, aus denen Mitsubishi ein Fahrzeug für jede Menge Fahrspaß entwickelt hat. Die Fahrwerksabstimmung ist eher sportlich straff, aber nicht unkomfortabel. Satt liegt der Lancer Sportback auf der Straße. Problemlos ist der Japaner im Handling, präzise folgt er den Anweisungen des Fahrers auch bei plötzlichen Spurwechseln und Ausweichmanövern. In flott gefahrenen Kurven deutet ein leichtes Untersteuern das Nahen des Grenzbereichs an. Dabei gibt die Lenkung gute Rückmeldung über die Fahrbahnbeschaffenheit.

Serienmäßig steht der Lancer in seiner Basisversion auf 16-Zoll-Rädern. In den beiden höchsten Ausstattungslinien kommen 18-Zoll-Leichtmetaller mit 215/45er Reifen zum Einsatz. Eine Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) garantiert im Notfall schnelle und sichere Verzögerung.

Die hochstabile Fahrgastzelle schützt die Insassen mit definierten Verformungszonen, Sicherheitslenksäule, Front- und Seitenairbags vorne, Knieairbag für den Fahrer sowie Kopfairbags für beide Sitzreihen, Drei-Punkt-Gurten und Kopfstützen auf allen Plätzen sowie zwei Isofix-Kindersitzhalterungen im Fond. Der Beifahrerairbag ist abschaltbar, so dass man hier Kindersitze gegen die Fahrrichtung montieren kann. Im EuroNCAP nach den neuen Bewertungsnormen erreichte der Lancer 2009 das Maximum von fünf Sternen für Sicherheit. Das neue System berücksichtigt neben Insassen- und Kindersicherheit sowie Fußgängerschutz auch die serienmäßige Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs. Zu den serienmäßigen aktiven Fahrassistenten zählen ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD, Bremsassistent, das Elektronische Stabilitätsprogramm MASC (heißt woanders ESP) sowie die Traktionskontrolle MATC.

 

Ab 19.250 Euro ist der Lancer Sportback zum gleichen Startpreis wie die Sportlimousine zu haben, mit Benzinmotor in der Basisausstattung Inform und der Lackierung Anden-Weiß. In der Intense-Ausstattung schlägt er mit Preisen ab 22.650 Euro zu Buche. Aufpreis kosten Metallic- oder Perleffekt-Lackierungen und das CVT-Getriebe. Wer mehr will, muss zur Top-Ausstattung Instyle greifen.

Mitsubishi gibt eine dreijährige Neuwagengarantien (bis max. 100.000 km), eine ebenso lange Mobilitätsgarantie, zwei Jahre auf Original-Ersatzteile und 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Bei Einhalten der Inspektionsintervalle verlängert sich die Mobilitätsgarantie. Die Fahrzeuggarantie kann gegen Aufpreis auf weitere zwei oder drei Jahre (bis max. 150.000 km) verlängert werden. Zur Inspektion muss der Lancer alle 20.000 km oder mindestens einmal im Jahr. Daran erinnert eine Serviceintervall-Anzeige. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 18 / 23 / 19 (KH / VK / TK) ein.

© Oktober 2009
Petra Grünendahl
, Fotos: Mitsubishi

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