Lexus IS F

Fahrbericht.
Lexus IS F
Hochleistungssportwagen auf bürgerlicher Plattform –
oder: Der Wolf im Schafspelz!
Von Petra Grünendahl

Der IS F ist die leistungsstarke Sportwagenversion des IS. Das „F“ im Namen weist auf den Fuji Speedway, Toyotas hauseigene Teststrecke, auf der der IS F seinen Feinschliff erhielt, sowie auf das Higashi Fuji Technical Centre am Fuße des berühmten Berges in Japan hin.

Das brave Kleid des IS erfuhr ein wenig dynamischen Feinschliff: Spoiler, größere Lufteinlässe – die Karosserie wuchs dadurch um knappe 8 cm auf 4,66 m. Eine Idee breiter ist er auch, dafür aber auch bisschen flacher. Nichts mehr herauskitzeln konnte man dadurch an der Aerodynamik, die war auch beim IS 250 bzw. IS 220d mit einem cW-Wert von 0,27 schon ganz hervorragend. Was der IS F sonst noch so kann, zeigte eine erste Ausfahrt.

Unter der immer noch recht braven Karosserie hat sich eine ganze Menge getan: Das wichtigste an einem Hochleistungssportwagen ist ein sportlicher Motor. Den kompakt gebauten Fünfliter-Achtzylinder-Motor mit kombinierter Direkt- und Saugrohreinspritzung (D-4S) haben die Lexus-Ingenieure für den IS F völlig neu entwickelt. Er musste aber auch in einen Motorraum integriert werden, in dem ansonsten gerade mal halb so große Aggregate ihren Dienst tun. Der Achtzylinder verfügt über die elektrisch gesteuerte variable Ventilsteuerung VVT-iE mit mechanisch betätigtem Einlass- und hydraulisch betätigten Auslassventilen, zwei strömungsoptimierte Einlasskanäle sowie einen höchst drehzahlfesten Ventiltrieb für hohe Drehzahlen und maximale Leistungsausbeute.

Das Aluminium-Triebwerk entwickelt beeindruckende 423 PS, hängt sehr gut am Gas und ist ein Muster an Laufkultur. Über jeden Zweifel erhaben sind Antritt und Durchzugsvermögen. Kraftvoll und dennoch geschmeidig wirkt der IS F in der Leistungsentfaltung über das ganze Drehzahlband, auch wenn er sein Drehzahlmaximum von gewaltigen 505 Nm erst bei 5.200 U/min. über die Antriebswellen herfallen lässt. Der Vergleich mit einer Raubkatze ist da gar nicht so weit hergeholt!

Der IS F verfügt über ein Achtstufen-Direktschaltgetriebe mit Wandlerüberbrückung im manuellen Modus und Schaltwippen am Lenkrad. Das Direktschaltgetriebe hat – im Unterschied zu den Achtstufen-Automatikgetrieben in LS 460 und GS 460 – eine zusätzliche Kupplung, ist aber nicht mit der Doppel-Kupplung beim Direktschaltgetriebe von VW vergleichbar. Der Drehmomentwandler kommt im manuellen Schaltmodus nur im ersten Gang zum Einsatz. Die zusätzliche Kupplung verbindet dann die Gänge zwei bis acht direkt, ohne Wandlerüberbrückung und vermittelt damit den Kraftschuss eines Handschalters. Schnell, kaum spürbar und passgenau wechselt das Getriebe im Automatik-Modus den Gang, da ist die manuelle Schaltoption fast schon überflüssig! Die Getriebeübersetzung reicht von einem sehr kurzen ersten Gang für kraftvollen Antritt bis hin zu einem extrem langen achten Gang, der dem Hochleistungssportler gesittete Trinkmanieren beibringen soll.

Aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet er in rennwagen-tauglichen 4,8 Sekunden, die 200 km/h-Marke passiert er nach 15 Sekunden. Der Motor ist nicht elektronisch abgeregelt, erst bei 270 km/h erreicht sein Vorwärtsdrang Grenzen. Dafür hält sich bei sensibel geführtem Gasfuß der Verbrauch in sehr ordentlichen Grenzen: Knappe 16,8 Liter Superbenzin sind es je 100 km innerorts, 8,3 Liter außerorts und 11,4 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4, der CO2-Ausstoß beträgt 270 g pro km.

Mit Frontmotor und Heckantrieb bot der IS die ideale Basis für einen Hochleistungssportwagen. Das Fahrwerk wurde für den IS F weiter verfeinert und auf die Bedürfnisse eines Sportwagens optimiert. Spontan und unmittelbar spricht die Lenkung an, präzise folgt das Fahrzeug den Anweisungen des Fahrers. Die Servolenkung Steer Tronic arbeitet geschwindigkeitsabhängig, die Lenkunterstützung nimmt mit zunehmender Geschwindigkeit ab. Dabei liegt der Sport-Lexus satt und solide auf dem Asphalt, tadellos ist der Geradeauslauf, hervorragend der Fahrbahnkontakt. Sportlich-straff ist die Feder-Dämpfer-Abstimmung, aber sie bietet auch ein ausreichendes Komfortgefühl, wie es sich für einen Lexus gehört.

Der IS F glänzt mit seiner hohen Fahrdynamik und Agilität, die 1,6 t Leergewicht spürt man gar nicht. Leichtfüßig und spurtreu zieht er auch durch flott gefahrene Kurven, plötzliche Ausweichmanöver und Spurwechsel bringen ihn nicht aus der Ruhe. Solide liegt er auf dem Asphalt, ohne dass die Elektronik ihn einbremsen muss. Das serienmäßige Integrierte Fahrdynamik-Management VDIM, welches das Zusammenspiel der aktiven Helfer regelt, verfügt bei diesem Fahrzeug zusätzlich über einen speziellen Sport-Modus, um den Ansprüchen sportlich ambitionierter Fahrer nach etwas weniger Regelung und mehr Freiraum Rechnung zu tragen.

Serienmäßig steht der IS F auf 19-Zoll-Leichtmetallrädern (die braven Brüder nur auf 17-Zöllern) mit Reifen im Format 225/40 vorne und 255/35 hinten. Sehr gut verzögern die großdimensionierten innenbelüfteten Scheibenbremsen rundum, die Hochleistungs-Bremsanlage mit Sechskolben-Bremszangen vorne und Doppelkolben-Sätteln hinten wurde zusammen mit dem Bremsenspezialisten Brembo entwickelt. Sie hält auch bei höchster Beanspruchung beispielsweise auf einer Rennstrecke stand und liefert konstant hohe Bremsleistungen ohne Fading.

Der Insassensicherheit dienen die Aufprallenergie absorbierende Karosseriestruktur, Seitenaufprallschutz, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Plätzen, aktive Kopfstützen (Schleudertrauma-Schutzsystem WIL) vorne, zweistufig auslösende Frontairbags vorne, Knie- und Seitenairbags vorne, Kopfairbags vorne und  hinten, Sicherheitslenksäule sowie Isofix-Kindersitzvorrüstungen. Der Beifahrerairbag kann deaktiviert werden, um Kindersitze gegen die Fahrtrichtung anbringen zu können. Im EuroNCAP erhielt der zivile IS 2006 die Höchstwertung von 5 Sternen für Insassensicherheit, vier Sterne für Kindersicherheit und drei Sterne für Fußgängerschutz. An aktiven Helfern unterstützen den Fahrer ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD und Bremsassistent BA, das Elektronisches Stabilitätsprogramm VSC (besser bekannt als ESP), die Antriebsschlupfregelung TRC sowie das Integrierte Fahrdynamik-Management VDIM.

Auch sportliche Autos dürfen vier Türen haben, sie erleichtern den Zugang zu beiden Sitzreihen deutlich. Das Platzangebot ist in beiden Reihen ausreichend großzügig, der Laderaum fasst wie bei den zivilen IS-Versionen 378 Liter. Die Sportsitze vorne sind straff, elektrisch einstellbar und bieten dank ihrer guten Konturen sehr guten Seitenhalt. Die Memory-Funktion speichert auf der Fahrerseite die Einstellungen von Sitz, Lenkrad und Außenspiegeln. Der Innenraum ist hochwertig, Materialqualität und Verarbeitung sind über jeden Zweifel erhaben, das erwartet man einfach von einem Premium-Fahrzeug. Das Cockpit ist aufgeräumt und ergonomisch gestaltet und gibt dem Fahrer keine Rätsel auf.

Der IS F steht für 69.600 Euro nahezu komplett ausgestattet beim Händler: Unter anderem mit Features wie dem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem Smart Key, elektrischen Fensterhebern, Bordcomputer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Sonnenschutzrollo für die Heckscheibe, elektrisch einstellbaren, beheizbaren Leder-Sportsitzen vorne mit Memory-Funktion, Geschwindigkeitsregelung Cruise Control, Regensensor, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamisch geregeltem Kurvenlicht AFS und Lichtautomatik, Nebelscheinwerfer, Park Assist für vorne und hinten, Heckkamera mit Einparkführung, Alarmanlage und DVD-Navigationssytem/Multimedia-Paket mit Multifunktionsdisplay. Die serienmäßigen 19-Zoll-Leichtmetallräder sind eine Gemeinschaftsentwicklung mit dem deutschen Felgen-Spezialisten BBS. Die Außenspiegel sind elektrisch einstell- und anklappbar, automatisch abblendend sowie beheizbar, der Innenspiegel blendet ebenfalls automatisch ab. Die Aufpreisliste ist kurz: Lediglich eine Mica-/Metallic-Lackierung, ein elektrisches Glas-Schiebe-/Hebedach sowie die Adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC mit Pre-Crash-Safety-System PCS kosten extra.

Auf den Lexus IS F gibt es eine dreijährige Neuwagengarantie (bis 100.000 km), drei Jahre auf den Lack sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die EURO-Assistance, eine 24-Stunden-Mobilitätsgarantie, gibt es für drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung. Zum Service muss der IS F alle 30.000 km oder alle zwei Jahre, nach 15.000 km oder 12 Monaten sind Ölwechsel und Sicherheitscheck fällig. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 19 / 31 / 30 (KH / VK / TK) ein.

© Juli 2008
Petra Grünendahl
, Fotos: grü / Lexus

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.