Toyota RAV4 III 2.2 D-CAT Executive

Fahrbericht.
Toyota RAV4 2.2 D-CAT Executive
Keiner fürs Grobe
Von Petra Grünendahl

Seit 1994 die erste Generation des RAV4 (steht für „Recreational Active Vehicle with Four Wheel Drive“) den Asphalt der Straße erblickte, hat er sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Er gehört in die Kategorie der kompakten SUV (Sport Utility Vehicles). Nun ist die dritte Generation des Japaners an den Start gerollt. Mit seiner größeren Karosserie bietet der den Passagieren mehr Komfort. Dank einer optimierten Aerodynamik bietet er mit einem Luftwiderstandsbeiwert cW von 0,31 den Spitzenwert seiner Klasse. Was der neue RAV4 sonst noch zu bieten hat, zeigte er auf einer ersten Ausfahrt.

 

Der neue RAV4 ist nur noch als Fünftürer zu haben und mit 4,40 m Länge um gute 13 cm gewachsen. Der Einstieg in die hohe Karosserie ist dank der Türen in beiden Reihen leicht zu bewerkstelligen. Die Übersicht über die Karosserie ist trotz der hohen Sitzposition nicht wirklich gut, die in der Executive-Ausstattung optionale Rückfahrkamera macht schon Sinn …

Die in alle Richtungen gewachsene Karosserie bietet im Vergleich zum Vorgänger ein noch großzügigeres Platzangebot für Passagiere und Gepäck. Die Vordersitze sind komfortabel, bieten aber allenfalls durchschnittlichen Seitenhalt. Der von 400 Liter auf 450 bis 586 Liter angewachsene Laderaum wird ergänzt durch ein Unterbodenstaufach mit 63 Litern. Das serienmäßige Easy-Flat-Sitzsystem ermöglicht nicht nur ein Verschieben der serienmäßig asymmetrisch geteilten Rücksitzbank sowie eine Neigungsverstellung der Rücksitze (daher die Kapazität von 450 – 586 Litern), sondern auch das komplette Umklappen, so dass ein völlig ebener Laderaum bis hinter die Vordersitze entsteht (Flat-Floor-Funktion).

Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialien ebenso wie die gesamte Anmutung des Innenraum sehr hochwertig. Die Instrumententafel ist aufwändig gestaltet und beinhaltet viele Funktionsschalter und Anzeigen. Wenn man aber erst einmal den Durchblick hat, ist die Handhabung problemlos.

Den RAV4 gibt es in drei Ausstattungsumfängen. Die gut ausgestattete Basisversion verfügt serienmäßig über eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, ein Multi-Info-Display, eine manuelle Klimaanlage, Wärmeschutzverglasung rundum sowie ein Audiosystem mit CD-Spieler und 16-Zoll-Stahlräder, aktiven Allradantrieb ATC 4WD, das Fahrdynamik-Management IADS, ein Elektronisches Stabilitätsprogramm und eine Antriebsschlupfregelung. Die Ausstattung Sol bietet darüber hinaus unter anderem elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Handschuhfach mit integrierter Kühlfunktion, Lederlenkrad mit integrierter Audiobedienung, ein Audiosystem mit CD-Wechsler, Geschwindigkeitsregelung, 17-Zoll-Leichtmetallräder und Nebelscheinwerfer. Die Linie Executive toppt das Ganze mit serienmäßigen Features wie  automatisch abblendenden Innenspiegeln, Lichtautomatik und Regensensor, Lederausstattung mit Sitzheizung vorne und dem schlüssellosen Zugangs-/Startsystem Smart Key sowie – nur für den D-CAT – 18-Zoll-Leichtmetallrädern mit pannensicheren Reifen und Reifenluftdruckkontrolle und einer verstärkten Tönung an den hinteren Seitenscheiben/Heckscheibe (Privacy Glass).

 

Der 2,2-Liter-D-CAT-Motor mit Common-Rail-Direkteinspritzung ist der Saubermann unter den Selbstzündern mit Katalysator, Russpartikelfilter und Stickoxid-Reduzierung. Er unterbietet selbst die EU4-Abgasnorm immer noch sehr deutlich, dass EU5, wenn es denn kommt, kein Problem sein wird. Das Aggregat ist bereits aus anderen Baureihen von Toyota bekannt (Avensis, Corolla). Auch mit dem schweren Allradler hat der Motor ein leichtes Spiel. Mehr als ausreichend ist das SUV in Antritt, Durchzug und Leistungsentfaltung Der Motor hängt gut am Gas und dreht innerhalb des enger gesteckten relevanten Drehzahlspektrums eines Dieselmotors ordentlich hoch. Seine maximales Drehmoment von 400 Nm liegt zwischen 2.000 und 2.600 U/min. an. Souverän bewegt er sich auch auf der Autobahn auf der linken Spur. Dabei läuft er insgesamt sehr ruhig und vibrationsarm, kann aber den Selbstzünder zumindest kalt nicht ganz verleugnen. Das Sechsgang-Schaltgetriebe schaltet sauber und präzise. Es ist aus Gründen der Kraftstoffökonomie lang ausgelegt, was aber dem kraftvollen Vortrieb keinen Abbruch tut. Ein Zweiliter-Benziner mit jetzt 152 PS (die Vorgängerversion hatte 150 PS) und der 2.2 D-4D mit 136 PS runden die Motorenpalette ab.

In guten 9,3 Sekunden beschleunigt der RAV4 mit einem Leergewicht von knappen 1,7 t aus dem Stand auf Tempo 100. Seine  Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 200 km/h. Der Verbrauch liegt bei 8,4 Litern Dieselkraftstoff auf 100 km in der Stadt, 6,1 Liter außerorts und 7 Litern im gemischten Verbrauch nach EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben).

 

Völlig neu entwickelt wurde für den Einsatz im neuen RAV4 der aktive Allradantrieb ACT 4WD (steht für „Active Torque Control Four Wheel Drive“). Das System wird von einem elektronischen Antriebsmanagement in Abhängigkeit der jeweiligen Fahrsituation gesteuert und erlaubt eine variable Kraftaufteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Die Elektronik verarbeitet zahlreiche Sensor-Informationen, um die jeweils optimale Antriebskraftverteilung in einem Bereich zwischen 100:0 (Frontantrieb) und 55:45 (Allradantrieb) sicherzustellen.

Der RAV4 bietet hohen Fahrkomfort mit deutlicher, aber nicht allzu großer Seitenneigung bei flotter Kurvenfahrt. Er ist aber weniger fürs Grobe ausgelegt, als vielmehr  ein komfortables Fortbewegungsmittel für längere Touren „on the road“. Tadellos ist sein Geradeauslauf, stabil liegt er auf dem Asphalt. Auch bei höheren Geschwindigkeiten wirkt er dank optimierter Aerodynamik sehr sicher. Die elektrische Servolenkung spricht vor allem in Fahrt sehr gut und eher direkt an, was dem RAV4 eine gewisse Agilität und Leichtfüßigkeit verleiht, die seine Dimensionen vergessen lässt. Bei langsamer Fahrt ist die Lenkung ausreichend leichtgängig, um problemlos und dank eines verhältnismäßig kleinen Wendekreises gut rangieren zu können.

Weitgehend problemlos und neutral ist das Fahrverhalten des RAV4. Sicher liegt er auf der Straße, in flotten Kurven deutet ein leicht beherrschbares Untersteuern das Nahen des Grenzbereichs an. Unser exklusiver RAV4 D-CAT Executive stand auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern mit 235/55er Reifen mit Notlaufeigenschaften (inkl. Ausstattung mit Reifendruckwarnsystem). Gute Traktion und Bodenhaftung werden dadurch kombiniert mit einer Unterstützung des Fahrkomforts, ohne Abstriche an die Sicherheit (wegen einer zu weichen Fahrwerksauslegung) machen zu müssen. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) verzögern im Notfall gut, schnell und sicher.

Die Insassen schützt eine selbsttragende Ganzstahl-Sicherheitskarosserie mit Aufprallenergie absorbierender Struktur, Sicherheitsfahrgastzelle (MICS) und Seitenaufprallschutz in allen Türen sowie Energie absorbierende Innenverkleidungen, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und Kopfstützen auf allen fünf Sitzplätzen, aktive Kopfstützen vorne (WIL-Schutzsystem), Front- und Seitenairbags vorne, Kopfairbags vorne und hinten und Knieairbags für den Fahrer sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den Außenplätzen hinten. Serienmäßig hat Toyota dem RAV4 die ganze Palette der heutzutage üblichen elektronischen Helfer eingepflanzt: ein Elektronisches Stabilitätsprogramm und eine Antriebsschlupfregelung, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD und Bremsassistent BA sowie eine elektronische Berganfahr-Kontrolle (HAC). Das Fahrdynamik-Management IADS (Integrated Active Drive System) verbindet diese Systeme unter Einbeziehung der elektrischen Servolenkung EPS und des Allradantriebes zu einem intelligenten Netzwerk, um ein Maximum an Fahrstabilität zu sichern.

Ab 25.700 Euro steht der neue RAV4 in den Preislisten der Händler. Die sind fällig für das Basismodell mit 2-Liter-Ottomotor und 152 PS. Der 2.2 D-CAT ist erst ab der Ausstattungslinie Sol zu Preisen ab 30.900 Euro zu haben. Das Top-Modell Executive schlägt mit Preisen ab 33.800 Euro zu Buche. Gegen Aufpreis angeboten werden Mica-, Metallic- oder Sonderlackierungen, verschiedene Audio-, Multivisions- und DVD-Navigationssysteme und ein elektrisches Glas-Schiebe-Hebedach. In Vorbereitung sind Einparksensoren sowie verschiedene Freisprech-Systeme.

Toyota gibt drei Jahre Garantie auf das Neufahrzeug (bis 100.000 km), drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Während der Neuwagen-Garantie-Zeit läuft auch der fast europaweite Mobil-Service (Toyota Eurocare). Zum Service muss der RAV4 alle 30.000 km (nach maximal zwei Jahren), ein Zwischencheck mit Ölwechsel ist nach 15.000 km (oder einmal im Jahr) fällig. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 19 / 24 / 20 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.

© Mai 2006
Petra Grünendahl
, Fotos: Toyota

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