Alfa Romeo 147 1.9 JTD

Fahrbericht.
Alfa 147 1.9 JTD
Charmanter Kompakter
Von Petra Grünendahl

Bereits zu seiner Präsentation im Jahr 2000 begeisterte der 147 mit seinem unkonventionellen, ausdrucksstarken Design. Seit dem Facelift zum Modelljahr 2005 wirkt er noch eine Spur glatter, gereifter, ohne seinen jugendlichen italienischen Charme verloren zu haben. Die neu gestaltete Front wird dominiert von einem im Vergleich zum Vorgänger größeren Kühlergrill – dem Scudetto –, der die seitliche Montage des Nummernschildes verlangt. Die Lufteinlässe sind ebenfalls größer geworden, was einen stämmigen, fast aggressiven Eindruck hinterlässt. Auch das Heck wurde leicht modifiziert. Ob der kompakte Italiener mehr kann, als nur gut aussehen, zeigte eine kurze Testfahrt. Zur Ausfahrt stand ein 147 mit 1,9-Liter-JTD-Motor und 115 PS in der Top-Ausstattung Distinctive für uns bereit.

Wir fuhren die fünftürige Variante, die natürlich einen besseren Zugang zum Innenraum bietet, als die ebenfalls verfügbare dreitürige Version. Das Platzangebot ist in beiden Sitzreihen des 4,22 m Kompakten ausreichend. Der Gepäckraum mit 292 Litern für einen Kompaktwagen ist nicht gerade üppig bemessen, durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne sind bis zu 1.042 Liter Fassungsvermögen drin. Die Karosserie gewinnt keinen Preis für Übersichtlichkeit, aber dafür ist für hinten zumindest optional eine Einparkhilfe zu haben. Das Interieur ist mit dem Facelift komplett neu gestaltet worden und wirkt jetzt hochwertiger und gut verarbeitet. Das Cockpit ist aufgeräumt und problemlos zu handhaben.

Unsere Motorisierung ist in allen drei Ausstattungslinien verfügbar. In der Basisausstattung Impression kommt er serienmäßig mit einer funkfernbedienten Zentralverriegelung, elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern vorne, Wärmeschutzverglasung rundum und 15-Zoll-Stahlrädern. Die mittlere Variante Progression verfügt unter anderem zusätzlich über eine Klimaanlage und ein Cassetten-Radio. Und die Top-Ausstattung Distinctive schließlich hat darüber hinaus solche Features wie elektrische Fensterheber hinten, Lederlenkrad und –Schaltknauf, ein CD-Radio sowie eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer und Leichtmetallräder. Als Ausstattungsoptionen finden zudem sich Dinge wie Tempomat, Alarmanlage mit Innenraumüberwachung, Xenon-Scheinwerfer, ein elektrisches Glasschiebedach, ein Einparkhilfe hinten, Sportfahrwerk, Lederausstattung  sowie verschiedene Ausstattungspakete in den Preislisten.

Fiat ist ein Pionier der Common-Rail-Dieseltechnik. Der 1,9-Liter-JTD steht in mehreren Leistungsstufen mit acht oder sechzehn Ventilen zur Wahl. Wir fuhren noch den auslaufenden 115-PS-Motor, die neue M-Jet-Version (Multijet) des Achtventiler-Triebwerks bringt es sogar auf 120 PS und löst sowohl die Varianten mit 100 sowie 115 PS ab, mit denen der facegeliftete 147 im Januar 2005 gestartet war. Top-Diesel ist ein 150 PS starker 16V-M-Jet. Die 115-PS-Version des ruhig und kultiviert laufenden Aggregats überzeugt durch guten Antritt, einen ordentlichen Durchzug über das ganze relevante Drehzahlband und eine angemessene Leistungsentfaltung. Dieseltypisch liegt sein maximales Drehmoment von 275 Nm schon früh, nämlich bei 2.000 U/min. an. Erfreulich leichtgängig, präzise und gut schaltbar ist das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe.

Für die Beschleunigung von Null auf 100 km/h benötigt der Alfa 147 1.9 JTD mit 115 PS knappe 9,9 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 191 km/h. Er verbraucht 7,8 Liter Dieselkraftstoff je 100 km in der Stadt, 4,7 Liter außerorts und 5,8 Liter im gemischten verbrauch nach EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben). Die Verbrauchsdaten sind übrigens identisch mit denen des neuen 120 PS starken V8-M-Jet. Der „alte“ 1.9 JTD erfüllt bislang nur die Abgasnorm EU3, die neuen M-Jet-Versionen schaffen Euro 4.

 

Der Alfa 147 ist ein agiler sportlicher Fronttriebler, dessen direkte Lenkung eine gute Portion Fahrspaß garantiert. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eher straff ausgelegt, bügelt kurze Bodenwellen und Querfugen aber nicht sauber glatt. Abhilfe verspricht hier das neue Komfortfahrwerk (inkl. serienmäßiger Vehicle Dynamic Control), das aber nur für die Topmotoren 1.9 JTD 16V M-Jet und 2.0 T.Spark – dort aber ab Werk – angeboten wird.

Der Alfa 147 glänzt mit gutem Fahrbahnkontakt und einer sicheren Straßenlage. Leichtfüßig und präzise setzt der kompakte Italiener die Lenkbefehle des Fahrers um. Problemlos gibt er sich im Handling, spurtreu in schnell gefahrenen Kurven und solide bei plötzlichen Ausweichmanövern. Ein minimales Untersteuern deutet den hoch angesetzten Grenzbereich an, wenn es der Fahrer mit dem Gasfuß bei der flotten Kurvenhatz zu gut meint. Der Alfa 147 steht serienmäßig auf 15-Zoll-Rädern (in der Distinctive-Ausstattung Leichtmetaller) mit 195/60er Reifen. Die Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verzögern gut und standfest.

Der Insassensicherheit dient die Ganzstahlkarosserie mit verstärkter Fahrgastzelle, Seitenaufprallschutz in den Türen sowie Energie absorbierendem Front- und Heckteil. Im Innenraum schützen Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Sitzen, Kopfstützen auf den Außenplätzen (mittlere Kopfstütze ab Progression optional), Front- und Seitenairbags vorne sowie Kopfairbags für vorne und hinten. Isofix-Kindersitzvorrüstungen sind nicht verfügbar. Das reichte im Jahr 2001 nur für drei Sterne im EuroNCAP. Ab Werk ist ein Reifenreparatur-Kit an Bord, auf Wunsch gibt es ein Notrad. ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung sowie eine Traktionskontrolle (ASR) sind bei allen Modellen Serie. ESP (heißt bei Fiat VDC Vehicle Dynamic Control) gibt es nur für die Modelle mit 150 PS serienmäßig, ist aber für die Motoren darunter gegen Aufpreis zu haben.

Ab 15.950 Euro ist der Alfa 147 in der dreitürigen Form zu haben, der Fünftürer kostet ab 16.750 Euro. Der 120-PS-JTD-M-Jet, der den 115-PS-JTD mittlerweile abgelöst hat, steht mit Preisen ab19.450 Euro (Fünftürer) in der Preisliste, die Distinctive-Ausstattung beginnt mit 22.700 Euro. Einige 115-PS-Variante sind aber noch bei den Händlern verfügbar. Gegen Aufpreis gibt es eine reichhaltige Auswahl an Extras von der Metallic-Lackierung und Leichtmetallräder über Lederausstattung und verschiedene Audiosysteme bis hin zu Einparkhilfe, Sportfahrwerk und Tempomat, um hier nur ein paar Features zu nennen.

Alfa Romeo gibt zwei Jahre Garantie auf den Neuwagen, eine zweijährige Mobilitätsgarantie, drei Jahre auf den Lack sowie acht Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung von innen nach außen. Die Service-Intervalle betragen 20.000 km. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 17 / 26 / 34 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 23, TK 21) ein.

© Dezember 2005
Petra Grünendahl
, Fotos: Alfa Romeo

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.