Toyota Aygo

Fahrbericht.
Toyota Aygo
Pfiffiger flotter kleiner Stadtfloh
Von Petra Grünendahl

Der nur 3,41 m lange Kleinstwagen von Toyota wurde in Kooperation mit dem PSA-Konzern (Peugeot 107 und Citroen C1) entwickelt und wird in einem gemeinsamen Werk im tschechischen Kolin gebaut. Das Stadtfahrzeug ist Toyotas Einstieg in automobile Bedürfnisse, Zielgruppe sind kostenbewusste jüngere Menschen.

Pfiffig gestylt ist schon sein Äußeres. Markante Leuchteinheiten vorne und hinten setzen Akzente auf dem dynamischen Karosseriestyling. Die sind denn auch das primäre Unterscheidungsmerkmal zu den französischen Brüdern. Wie sich die japanisch-französische Gemeinschaftsentwicklung in der Stadt so macht, zeigte eine erste Ausfahrt mit dem Aygo.

Toyotas neuen Kleinstwagen gibt es als Drei- oder Fünftürer, und er ist ausgelegt für vier Passagiere. Guten Zugang zur Rückbank haben Passagiere auch im Dreitürer, verfügt das Fahrzeug doch ab der Basisausstattung über eine Einstiegshilfe auf der Fahrer- und der Beifahrerseite. Nicht wirklich gut ist allerdings die Übersicht vom Fahrersitz aus nach hinten.

Vorne sitzt man recht komfortabel auf nicht zu straffen Sitzen mit integrierten Kopfstützen, hinten ist aber nicht so üppig Platz, aber dafür sind die Kopfstützen höhenverstellbar. Der Kofferraum fasst bescheidene 130 Liter (Fünftürer 139 Liter), die sich durch Umlegen der (ab City auch geteilt) umklappbaren Rückbanklehne auf bis zu 782 Liter erweitern lässt, und ist (aus Gründen der Karosseriestabilität) nur über eine sehr hohe Ladekante allein durch die nach oben öffnende Heckscheibe zu erreichen. An maximaler Zuladung sind – je nach Ausstattungsumfang – bis zu 315 kg erlaubt.

Die Verarbeitung des wertig anmutenden Innenraumes ist nicht zu beanstanden. Das Cockpit wirkt verspielt, fast kindlich mit seinen Rundinstrumenten. Die Anzeigen sind gut einzusehen, die Bedienung der Schalter problemlos. Zum Verstauen von Kleinkram gibt es Ablagetaschen in allen Türen, ein Ablagefach auf dem Armaturenbrett, Fächer zentral unterhalb des Armaturenbrettes sowie im unteren Armaturenbrettbereich auf der Beifahrerseite (anstelle eines geschlossenen Handschuhfaches) und in der Mittelkonsole.

Das Aygo-Basismodell verfügt serienmäßig über eine Radiovorbereitung, ein höhenverstellbares Lenkrad, Servolenkung, abdeckbare Spiegel in beiden Sonnenblenden, 14-Zoll-Räder (Stahlfelgen mit Radabdeckung) sowie eine Wärmeschutzverglasung rundum. Die mittlere Ausstattungslinie City kommt ab Werk mit funkfernbedienter Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorne, Isofix-Kindersitzbefestigungen hinten sowie einem Audiosystem mit RDS-Radio und CD-Spieler. Die Top-Ausstattung Club ist noch etwas reichhaltiger ausgestattet mit 14-Zoll-Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfern und einem Drehzahlmesser. Eine Klimaanlage ist allerdings erst ab der City-Ausstattung gegen Aufpreis zu haben, ebenso das unheimlich praktische wie leicht zu bedienende TomTom-Navigationssystem, dass man auch mitnehmen und außerhalb des Autos nutzen kann.

Der 1-Liter-VVT-i-Motor mit Toyotas variabler Ventilsteuerung (VVT-i) und 68 PS aus drei Zylindern mit Vierventiltechnik wurde für den Aygo neu konzipiert. Ab Anfang 2006 wird ein 1,4-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Common-Rail-Einspritzung und 54 PS verfügbar sein. Vernehmbar und spürbar ist der Motor – wie bei einem Kleinwagen üblich – im Innenraum präsent, aber keineswegs störend. Der kleine Benziner ist im Stadtverkehr und über Land recht flott unterwegs, hat er doch mit der leichten Karosserie (865 kg Leergewicht als Dreitürer) ein ebensolches (nämlich: leichtes) Spiel. Natürlich reißt das Motörchen keine Bäume aus: Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 14,2 Sekunden wirkt gefühlt aber nicht ganz so lang, wie sie auf dem Papier ausschaut. Auf der Autobahn stößt er natürlich in punkto Elastizität etwas an seine Grenzen, schwimmt aber dann mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 157 km/h immer noch ganz gut mit.

Serienmäßig ist der Benziner ausgestattet mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe, welches sich leichtgängig und auf kurzen Wegen schaltet, wobei aber der Schalthebel mit etwas Gefühl geführt werden will. Dank der eher langen Getriebeübersetzung ist man vor allem innerorts kräftig am Schalten, wenn man zügig in wechselnden Geschwindigkeiten unterwegs sein will. Ab 2006 kann der Aygo auch mit dem Multi-Mode-Getriebe (MMT), welches wir im Yaris schon gefahren sind, bezogen werden.

Der Verbrauch ist bescheiden: Innerorts kommt der Aygo mit 5,1 Liter Superbenzin je 100 km aus, außerorts begnügt er sich mit 4,1 Liter und im gemischten Verbrauch nach EU-Norm sind es 4,6 Liter – bei ökonomische Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4 und fällt angesichts des niedrigen Verbrauchs in die Kategorie 5-Liter-Auto.

 

Der Fronttriebler glänzt mit einem recht guten Geradeauslauf. Dynamik vermittelt die eher direkt ausgelegte Lenkung. Das Fahrwerk ist recht sportlich, aber nicht zu straff abgestimmt, dennoch neigt sich der Aygo in den Kurven deutlich zur Seite. Serienmäßig steht der Aygo auf 14-Zoll-Rädern, was die Seitenführung auch in flotteren Kurven stabilisiert. Recht agil gibt er sich im Handling, ist der doch auf Dynamik und Fahrspaß hin ausgelegt. Er findet aber auch recht schnell seine Grenzen, da die Fahrwerkskonstruktion eher wenig Reserven bietet. Bei flotterer Kurvenhatz sollte man es deshalb besser nicht übertreiben. Eine Anti-Schleuder-Hilfe (ESP) gibt es leider nicht.

Die Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten verfügt über ABS und die Elektronische Bremskraftverteilung EBD. Damit kommt der Aygo leider nur auf die nicht berauschenden Bremswege eines typischen Kleinwagens. Bei der Notbremsung aus Tempo 50 oder 100 sind aber alle – ob groß oder klein – gleich und bei schlechten Bremswegen der Aufprall unvermeidbar.

Sicherheit für die Insassen bieten ab dem Basismodell eine Aufprallenergie absorbierende Sicherheitskarosserie mit einer besonders verformungsresistenten Fahrgastzelle und Seitenaufprallschutz, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Plätzen, Front- und Seitenairbags vorne sowie Kopfairbags vorne und hinten. Isofix-Kindersitzvorrüstungen für die Außenplätze hinten gibt es ab der City-Ausstattung. Den Fahrer unterstützt im Bedarfsfall das ABS mit Elektronischer  Bremskraftverteilung. Ein Bremsassistent oder ESP ist auch in den gehobenen Ausstattungslinien nicht verfügbar.

 

Ab 8.950 Euro gibt es den Aygo in der Basisausstattung. Wer mindestens eine optional verfügbare Klimaanlage haben will, legt ab 9.950 Euro für die City-Ausstattung auf den Tisch des Händlers. Die Top-Ausstattung Club beginnt mit 10.650 Euro. Der Fünftürer kostet gegenüber dem Dreitürer jeweils 350 Euro mehr. Die Aufpreisliste ist kurz: Sie umfasst Mica-/Metalliclackierungen, eine Klimaanlage sowie das Navigationssystem TomTom Aygo und – für die Basisausstattung – RDS-Radio mit CD-Spieler.

Toyota gibt drei Jahre Garantie auf das Neufahrzeug (bis 100.000 km), drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Während der Neuwagen-Garantie-Zeit läuft auch der fast europaweite Mobil-Service (Toyota Eurocare). Die Fahrzeug-Garantie und der Mobil-Service können gegen Aufpreis um weitere zwei Jahre verlängert werden. Zum Service muss der Aygo alle 30.000 km (nach maximal zwei Jahren), ein so genannter „Fitness-Check“ ist nach 15.000 km (oder einmal im Jahr) fällig. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 13 / 11 / 16 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.

© Juli 2005
Petra Grünendahl
, Fotos: Toyota

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