Volvo V70 2.5T

Testbericht.
Volvo V70 2.5T Premium
Geräumiges Schweden-Laster
Von Petra Grünendahl

Seit dem Jahr 2000 ist die zweite Generation des Volvo V70 auf dem Markt. Mit seinem leicht kantigen Heck erinnert er immer ein wenig noch an den Vorgänger, der 1991 als 850 auf den Markt kam und nach einer durchgreifenden Modellpflege 1996 in V70 umbenannt wurde. Was ihn allerdings nicht alt aussehen lässt. Eher markant und unverwechselbar ist die Heckgestaltung. Wie viel Laster in dem 4,71 m langen Schweden steckt, versuchten wir, mit einem schwarzen V70 mit turbogeladenem 2,5-Liter-Ottomotor zu erkunden.

 

Der Zugang über vier Türen ist gut, auch der Gepäckraum ist hinter einer leider nicht so richtig hoch öffnenden Heckklappe dennoch gut zu erreichen. Die Ladekante ist darüber hinaus sehr solide mit recht kratzunempfindlichem Kunststoff verkleidet. Die steile Heckscheibenführung ist nicht nur ein markanter Abschluss, sondern erleichtert auch die Übersicht nach hinten: Wo man nix mehr sieht, ist auch fast nichts mehr. Das Platzangebot ist eigentlich vorne wie hinten nicht zu bemängeln. Die Sportsitze vorne sind straff, gut konturiert und bieten trotz Lederbezügen exzellenten Seitenhalt. Auf der Rückbank sind auch die äußeren Sitze straff und für guten Seitenhalt ausreichend konturiert, der Mittelsitz ist aber eher weich, damit sich der dort sitzende Passagier nicht so aufgebockt vorkommt.

Hinter der Heckklappe verbergen sich 485 Liter Laderaum, fast quadratisch und über die niedrige Ladekante gut zu beladen. Durch Umklappen der Rückbanklehne lässt sich das Volumen auf bis zu 1.641 Liter erweitern. Die Rücksitzlehne ist asymmetrisch geteilt umklappbar, und im Neigungswinkel verstellbar, um je nach Erfordernis maximalen Sitzkomfort im Fond oder maximalen Laderaum trotz voller Besetzung zu gewährleisten. Der Beifahrersitz ist mit seiner Lehne ebenfalls umklappbar, wodurch bis zum Armaturenbrett über 3 m Ladelänge zur Verfügung gestellt werden können. Die Laderaumabdeckung gehört ebenso zur Serienausstattung wie das asymmetrisch (analog zur Rückbanklehne) geteilte Gepäcktrennnetz, zwei weitere Befestigungspunkte sind direkt hinter den Vordersitzen angebracht, damit es auch bei umgeklappten Rücksitzlehnen den jetzt verkleinerten Passagierraum schützt. Eine Kunststoff-Abdeckung unter dem Laderaumboden verhilft zu einem sauberen Transport von Feuchtigkeit abgebenden Gegenständen von Blumenkästen bis zu den feuchten Gummistiefeln. Verzurr-Ösen erleichtern das Sichern der Ladung.

Der Innenraum ist eher nüchtern und funktional gestaltet, aber hochwertig und gut verarbeitet. Das Armaturenbrett ist voll gepackt mit Funktionen und Bedienelementen, da verliert man schnell den Überblick. Die Handhabung ist sehr gewöhnungsbedürftig, es dauert seine Zeit, bis jeder Griff auch blind sicher in die richtige Richtung geht. Ablagen und Stauräume stehen den Frontpassagieren in ausreichender Anzahl zur Verfügung: im Handschuhfach, in den Türen, in der Mittelarmlehne und auf dem Mitteltunnel. Die Fondpassagiere müssen sich mit den Taschen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen begnügen.

Schon in der Basisversion ist der Volvo V70 ausgestattet mit allen kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie einer funkfernbedienten Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorne und hinten, elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, Klimaanlage, Belüftungsdüsen hinten, Bordcomputer, wärmedämmende Colorverglasung, Lendenwirbelstützen vorne, beleuchteten Spiegeln in den Sonnenblenden, Leseleuchten vorne und hinten sowie Innenraumbeleuchtung mit Zeitverzögerung und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die nächste Ausstattungsvariante Comfort bietet darüber hinaus Alu-Einlagen in Türen und Handschuhfach, eine Geschwindigkeitsregelung, Regensensor, Sportsitze vorne, Nebelscheinwerfer sowie Lenkrad, Bremshebel und Schaltknauf in Leder und ein Audiosystem mit Radio und Cassettenspieler.

Die Top-Ausstattung Premium verfügt zudem über elektrisch anklappbare Außenspiegel, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz mit Memory-Funktion, eine Sitzheizung für Fahrer- und Beifahrersitz, Lederpolster, ein Multifunktions-Lederlenkrad sowie ein Audiosystem mit Radio, Cassetten- und CD-Spieler und ein mobiles Autotelefon mit integrierter Freisprecheinrichtung. Und wem dieser Luxus nicht reicht, kann das auch beim Premium-Modell noch mit dem Luxus-Paket toppen, welches unserem Testwagen zusätzlich eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie Innenspiegel mit Abblendautomatik bescherte. Nur optional – also gegen Aufpreis! – gibt es beim schwedischen Kombi das Kombi-Paket mit Dachreling, Befestigungssystem für Tragetaschen in Gepäckraum, einer automatischen Niveauregulierung sowie einer 12-Volt-Steckdose im Gepäckraum. Aufpreis kosten in unserem Luxus-Laster das Adaptive Automatikgetriebe Geartronic, ein vollwertiges Reserverad (statt des serienmäßigen Notrads) und das DVD-Navigationssystem.

 

Der 2,5-Liter-Turbo-Fünfzylinder mit 210 PS ist unter dem T5 (2,3 Liter Hubraum und fünf Zylinder mit 250 PS) die zweitstärkste Motorisierung der V70-Baureihe, wobei er allerdings weder in der Praxis noch auf dem Papier (im Vergleich zum T5) als zweite Wahl anzusehen ist. Direkt über Leerlaufdrehzahl holt er erst einmal Atem, um dann mit Einsetzen den Turboladers so richtig abzuziehen. Der Motor hängt gut am Gas und zieht dann ganz locker vom Hocker weg. Sehr guter Antritt, klasse Durchzugsvermögen und eine gute Leistungsentfaltung über das ganze relevante Drehzahlband sind aber kein Wunder, liegt doch das maximale Drehmoment von 320 Nm zwischen 1.500 und 4.500 Touren an. Zumindest auf dem Papier steht der T5 auch nicht besser da: das maximale Drehmoment von 330 Nm liegt erst zwischen 2.400 und 5.200 U/min. an. Recht mustergütig ist die Laufkultur des Fünfzylinders: ruhig und vibrationsarm ist er im Leerlauf kaum zu spüren, erst wenn man anständig Gas gibt, macht er sich akustisch richtig bemerkbar.

Unser Testwagen kam mit dem Adaptiven Fünfgang-Automatikgetriebe Geartronic vorgefahren. Das adaptive Automatikgetriebe passt sich in seinem Schaltrhythmus (ob früher oder später hoch oder runter geschaltet wird) allmählich dem individuellen Fahrstil des Fahrers an. Die Geartronic ist nichts anderes als die Schaltgasse für die manuelle Schaltoption. Das Getriebe ist gut abgestuft und harmonisiert hervorragend mit dem durchzugskräftigen Motor. Auch als überzeugter Handschalter legt man da selten Hand an die Geartronic, zumal der Schaltvorgang als solches dadurch auch nicht beschleunigt wird.

Für die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 braucht der 2.5T mit Geartronic-Automatik 7,8 Sekunden (T5 Automatik 7,5 Sekunden), bei 225 km/h Spitze sind dem V70 hier natürliche Grenzen gesetzt (T5 240 km/h). Der Verbrauch ist angesichts der Leistung des Fünfzylinders aber mit dem Automatik-Getriebe nicht gerade moderat:  14,8 Liter Super Plus je 100 km genehmigt er sich im Stadtverkehr (T5 Automatik 15,3 Liter), knappe 7,9 Liter sind es außerorts (T5 8,2 Liter) und 10,3 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (T5 10,8 Liter) – bei ökonomischer Fahrweise versteht sich. Da fragt man sich nicht zu Unrecht, ob der Mehrverbrauch des T5 (bei Automatikgetriebe) die nur wenig stärkere Leistung rechtfertigt. Von Hand geschaltet, d. h. mit der manuellen Fünfgang-Schaltung, ist der V70 2.5T natürlich sparsamer zu fahren: Mit 12,8 / 7,2 / 9,3 Litern (Stadt / außerorts / gemischt) ist er dabei (alles Herstellerangaben). Der 2.7T-Motor verträgt auch Superbenzin und erfüllt Abgasnorm EU4 (der T5 übrigens nur EU3).

 

Wir fuhren die V70-Variante mit Frontantrieb, der 2.5T ist ebenso wie der  D5 (2,4-Liter-Common-Rail-Diesel mit 163 PS) auch mit Allradantrieb zu haben. Der Geradeauslauf ist in Ordnung, die Lenkung ist nicht gerade leichtgängig, dafür aber recht direkt um die Mittellage. Das Fahrwerk ist sehr dynamisch ausgelegt, der V70 ist sehr wendig, fast schon agil und spaßig zu handhaben in flotter Fahrt, was umso erstaunlicher ist, als der Wendekreis beim (langsameren) Rangieren dem eines Lkw gleicht.

Unser Testwagen stand auf 16-Zoll-Leichtmetallräder mit serienmäßigen 205/55er Reifen. Auch wenn der Wagen in sehr schnellen Kurven zu einem deutlichen Untersteuern neigt, so bieten die Reifen doch ausreichenden Seitenhalt für eine sichere Straßenlage und eine gute Traktion für einen Fronttriebler mit 210-PS-Motor. Das deutliche Untersteuern zeigt den Beginn des etwas breiteren Grenzbereichs an, aber das Fahrzeug liegt sicher und neutral auf der Straße. Sauber fährt er auch bei flotterer Fahrweise die Slalomstrecke, wechselt sicher auch bei abrupten Fahrmanövern die Spur und fädelt ebenso zielgenau wieder auf die alte Spur zurück. Die Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) sprechen sehr gut an und verzögern vorbildlich: Schnell und spurtreu kommt der V70 im Notfall zum Stehen.

Von der Feder-Dämpfer-Abstimmung her ist der V70 recht komfortabel ausgelegt, ohne jedoch unsicher zu sein. Von seinem deutlichen Untersteuern mal abgesehen liegt er doch sehr solide in der Kurve und folgt sicher der vorgegebenen Spur. Auch die Rückmeldung an den Fahrer über die Beschaffenheit der Fahrbahn ist ganz in Ordnung.

Sicherheit bieten den Insassen die verwindungssteife und solide Karosseriestruktur, Knautschzonen vorne und hinten, die Sicherheitsfahrgastzelle sowie das SIPS-Seitenaufprall-Schutzsystem. Im Passagierraum schützen die Sicherheitslenksäule, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und Kopfstützen auf allen fünf Sitzen, zweistufige Frontairbags für Fahrer und Beifahrer, Seitenairbags vorne, SIPS-Kopf-Schulter-Airbags für vorne und hinten sowie WHIPS-Schleudertrauma-Schutzsystem mit aktiven  Kopfstützen und kontrolliert nachgebenden Rückenlehnen vorne vor den Folgen eines Zusammenpralls. Eine Vorbereitung für Isofix ist auf den Außenplätzen hinten vorhanden, die Isofix-Kindersitzbefestigungen selber kosten Aufpreis. Die hinteren Kopfstützen sind manuell umklappbar für bessere Sicht nach hinten. Vorder- und Rücksitze verfügen über einen Durchtauchschutz, eine Kindersicherung gibt es in den hinteren Türen. An Fahrwerksassistenten verfügt der V70 serienmäßig über eine leistungsfähige Bremsanlage mit ABS, Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie die Fahrdynamikregelung DSTC (Dynamic and Stability Traction Control), die Antriebsschlupfregelung und ESP in einem System vereint. Serienmäßig sind Halogen-Scheinwerfer an Bord, Bi-Xenonleuchten gibt es nur gegen Aufpreis.

 

Ab 29.370 Euro steht der große Schwedenkombi in den Preislisten der Händler, in Basis-Ausstattung und mit 2,4-Liter-Motor. Der V70 2.5T beginnt in der Basis-Ausstattung bei 34.000 Euro, in der Premium-Ausstattung mit 38.600 Euro. Aufpreis kosten unter anderem das Luxus-Paket, das Kombi-Paket, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Automatikgetriebe und DVD-Navigationssystem.

Volvo gibt zwei Jahre Garantie auf das Neufahrzeug, zwei Jahre auf den Lack und acht Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die Mobilitätsgarantie Volvo Assistance gilt fast europaweit beim Einhalten der Inspektionsintervalle – ein Autoleben lang. Zum Service muss der V70 alle 20.000 km oder einmal im Jahr. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 17 / 21 / 32 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 19, TK 20) ein.

© Juni 2004
Petra Grünendahl
, Fotos: grü / IN*TEAM

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.