Mercedes S 350

Testbericht.
Mercedes S 350
Komfortabel wie auf Wolken gebettet
Von Petra Grünendahl

Seit 1998 ist die aktuelle S-Klasse von Mercedes auf dem Markt, zum Modelljahr 2003 wurde sie noch einmal gründlich verbessert und aufgewertet, das Design von Front- und Heckpartie etwas verändert. Die zeitlos elegante Form ist aber in ihrer Grundform auch heute, nach sechs Jahren Laufzeit, noch nicht von gestern. Die schlanke Form bringt es auf einen Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) von hervorragenden 0,27.

Ein in Brillantsilber Metallic lackierter S-Klasse-Mercedes als Einstiegsbenziner (S 350) fuhr bei uns vor, um zu beweisen, dass er auch nach sechs Jahren Modell-Laufzeit dank steter Modellpflege mit der neueren Konkurrenz aus München, Ingolstadt und Wolfsburg mithalten kann.

Den Zugang zum Fahrzeug gibt die Fahrzeugelektrik frei, wenn der Fahrer mit dem (optional verfügbaren) schlüssellosen Zugangs- und Startsystem Keyless-Go in der Tasche ankommt. Vier Türen erleichtern den Einstieg auch für die Fondpassagiere. Die Türen ziehen sich dank Servoschließung auch dann richtig zu, wenn sie nicht richtig ins Schloss gefallen sind. Mit Tippstartautomatik startet der Fahrer den Wagen, ohne den Schlüssel aus der Tasche ziehen zu müssen. Die  Übersicht über die 5,04 m lange und 1,86 m breite Karosserie ist natürlich nicht berauschend, aber der Wagen verfügt als Ausstattungsoption über eine Parktronic, die dort schaut, wo das Auge des Fahrers nicht hinreicht.

Die Platzverhältnisse sind großzügig, das gilt vorne wie hinten. Die Frontsitze sind straff, gut konturiert und bieten ausgezeichneten Seitenhalt. Die Fondsitze sind weicher, außen auch gut konturiert, der Mittelsitz ist aber nicht wirklich bequem. Die Kopfstützen im Fond sind pneumatisch nach hinten umklappbar, was die Sicht durch die Heckscheibe deutlich verbessert. Der Kofferraum fasst – gut nutzbar – knappe 500 Liter – bei einer erlaubten maximalen Zuladung von 530 kg. Damit kommt die schon leer über 1,8 t schwere Limousine auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.340 kg. Per Knopfdruck am Schlüssel (oder vom Fahrersitz aus) öffnet sich der Kofferraumdeckel, die optionale Heckdeckelfernschließung wird vom Fahrersitz aus oder per Knopfdruck im Kofferraum betätigt. Die Ladekante geht für eine Limousine in Ordnung. Haken im Laderaum erleichtern das Sichern der Ladung.

Hochwertig sind die Materialien im Passagierraum – Leder, Holz und Kunststoff –, die Verarbeitung ist perfekt. Ein wohnliches Ambiente strahlt der großzügige Innenraum mit seinen Lederpolstern aus. Trotz reichhaltiger Ausstattung mit Funktionen, Schaltern und Anzeigen behält der Fahrer immer noch gut den Überblick. Die Bedienelemente sind ergonomisch angeordnet und problemlos handhabbar. Mit Ablagen, Staufächern ist der Wagen gut gestückt: ein Handschuhfach, Fächer in allen vier Türen, in der vorderen Armlehne und ein weiteres versteckt darunter, in der hinteren Armlehne und Taschen an den Rückseiten der Vordersitze sowie ein Fach als Getränkedosenhalter vorne auf dem Mitteltunnel hinterm Schalthebel und zwei Cupholder hinten.

Die Serienausstattung orientiert sich bei Mercedes an der Motorvariante. Der S 350 ist da fast schon so etwas wie eine Basisversion. Der S 320 CDI ist zwar im Einstandspreis noch etwas günstiger (und das als Diesel!), aber in der Ausstattung ähnlich. Und die Ausstattung ist schon im Basismodell reichhaltig: eine funkfernbediente Zentralverriegelung, Leichtmetallfelgen, elektrische einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch einstellbare Frontsitze mit Lordosenstütze, Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit Belüftungsdüsen hinten, Fahrlichtautomatik und Regensensor, Reiserechner (ein abgespeckter Bordcomputer), das Bediensystem Comand mit integriertem Radio, Farbdisplay und DVD-Laufwerk (auch für CDs), ein Tempomat mit variabler Geschwindigkeitsbegrenzung Speedtronic sowie eine Autotelefon-Vorrüstung und die Luftfederung AIRmatic mit Adaptiver Dämpferregelung. Beleuchtete Spiegel gibt es nicht nur in beiden Sonnenblenden vorne, sondern auch im Fond. Ein manuelles Rollo schützt vor zu viel Sonneneinstrahlung an der Heckscheibe. Reichlich zusätzlicher Luxus kostet aber auch reichlich Aufpreis: Extra kosten im S 350 die 7-Speichen-Leichtmetallräder (16 Zoll), Comand APS (mit DVD-Navigationssystem), das Autotelefon, das Zugangssystem Keyless-Go, die Servoschließung der Türen, die Kofferraumdeckelfernschließung, das elektrische Glas-Schiebe-Hebe-Dach, Multikontursitze vorne, Komfortsitze mit Belüftung und Sitzheizung vorne und hinten, wärmedämmendes und Infrarot reflektierendes Verbundglas rundum und die Bi-Xenon-Scheinwerfer. Ebenfalls als Sonderausstattung verfügbar sind der Abstandsregeltempomat, Active Body Control (zum Modelljahr 2003 wurde das System zur Kompensation von Karosserie-Aufbaubewegungen weiter verfeinert) sowie eine Klimaanlage hinten.

 

Der S 350 wird angetrieben – hier stapelt die Typbezeichnung etwas tief – von einem 3,7-Liter-Sechszylinder-Benzinmotor mit 245 PS. Wahrlich nicht von schlechten Eltern ist dieser Sechszylinder-Dreiventiler-Motor: Er hängt gut am Gas, in Antritt, Durchzug und Leistungsentfaltung ist er schon weit mehr als eine Basismotorisierung, welche er als Benziner in der S-Klasse darstellt. Mehr als souverän ist nicht nur seine Kraftentfaltung, sondern auch seine Laufkultur. Ruhig und vibrationsarm ist er nur durch eine kräftige Erhöhung der Spritzufuhr aus der Ruhe zu bringen.

Die serienmäßige Fünfgang-Automatik setzt die Motorkraft adäquat in Vortrieb um. Die Automatik ist gut abgestuft und schaltet zügig hoch, ohne es an ausreichender Durchzugskraft mangeln zu lassen. Bei normaler Beschleunigung sind die Gangwechsel kaum spürbar, sondern erst beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal, wenn der Automat erst mal runter schaltet, um mehr Drehzahl zur Verfügung zu stellen.

In sportlichen 7,6 Sekunden sprintet der S 350 aus dem Stand auf Tempo 100, bei 246 km/h erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit. Mit sechs Brennräumen und über 1,8 t Leergewicht geizt er natürlich nicht mit dem teuren Kraftstoff, begnügt sich dafür aber immerhin mit Superbenzin. Gute 16,4 Liter Benzin fließen auf 100 km in der Stadt durch seine Kraftstoffleitungen, 8,1 Liter sind es außerorts und 11,9 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben). Dafür erfüllt der S 350 die Abgasnorm EU4.

 

Unser S 350 fuhr mit Heckantrieb vor, das Modell ist aber auch mit dem Allrad-Antrieb 4matic zu haben. Die breite Spur und ein Radstand von fast 2,97 m verhelfen der S-Klasse zu einem tadellosen Geradeauslauf. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise und vielleicht eher direkt ausgelegt. Der Fahrbahnkontakt lässt in der komfortablen Einstellung der Luftfederung eher zu wünschen übrig, ist dafür aber im anderen Extrem, der Sport-II-Einstellung, viel zu deutlich spürbar.

Serienmäßig fährt die S-Klasse mit dem Luftfeder-Fahrwerk AIRmatic mit einem Adaptiven Dämpfungssystem und einer Rundum-Niveauregulierung vor. Drei Komfortstufen stehen dem Fahrer zur Wahl: eine Komfort-Stufe und zwei Sport-Stufen mit unterschiedlich straffer Auslegung. Die Komfort-Auslegung ist einfach genial: Die schwere Limousine schwebt wie auf Wolken sogar über schlechte Straßen. Angenehm sportlich-straff, aber immer noch harmonisch abgestimmt ist die Variante Sport I: Sie ist nicht unkomfortabel und federt kleine Unebenheiten immer noch sauber weg, erfreut aber das Herz des eher sportlich ambitionierten Fahrers. Sport II ist dagegen etwas unausgewogen, jede Unebenheit wird von der Karosserie mit Aufbaubewegungen quittiert.

Im Notfall greifen dem Fahrer Fahrwerksregelsysteme wie ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, eine Antriebsschlupfregelung und ESP unter die Arme. Fast schon agil gibt sich die Stuttgarter Oberklasse im Handling, was aber eher dem souveränen Motor als dem weniger leichtfüßigen Fahrwerk zuzuschreiben ist. In der Komfort-Abstimmung haben die Fahrwerksregelsysteme schon etwas mehr zu tun als im strafferen (aber sichereren) Modus. Bei plötzlichen Spurwechseln und dem folgenden wieder Einscheren wirkt der Wagen etwas schwammig, das ESP greift ein, wenn das Heck zu weit ausschwenkt. Die strafferen Fahrwerksabstimmungen bieten hier deutlich höhrere Sicherheitsreserven bei weniger Einsatz der Elektronik. Auch beim Slalom gilt: Je sportlicher die Abstimmung, desto sicherer die Spur. Dabei ist das Fahrverhalten im Großen und Ganzen recht problemlos – auch weil die elektronischen Helfer nicht weit sind. In zu schnellen Kurven verlegt sich die S-Klasse auf ein leicht beherrschbares Untersteuern, auch hier gilt: Je weicher die Federung, desto deutlicher die Tendenz zum Untersteuern.

Der S 350 steht auf Leichtmetallrädern mit Serienbereifung im Format 225/60 R 16 und verfügt über innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, die sehr gut ansprechen und wirksam verzögern. Im Notfall kommt der Wagen damit schnell, schmerzlos und auf kürzestem Weg zum Stand. Bei der Vollbremsung nacht sich das Insassenschutzsystem Pre-Safe bemerkbar, welches vorsorglich – es könnte ja zu einer Kollision kommen – die Sicherheitsgurte etwas straffer zieht. Eine Fußfeststellbremse ersetzt den Handbremshebel.

Insassenschutz bietet die im Vergleich zum Vorgänger leichtere, aber stabilere Karosserie mit gezielt verformbaren Knautschzonen vorne und hinten, zusätzlichen Trägerelementen und Seitenaufprallschutz im Dach, in den Türen und im Fahrzeugboden sowie Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Plätzen, Front- und Seitenairbags in allen Türen und Windowsbags von der A-Säule bis zur C-Säule. Seit dem Modelljahr 2003 verfügt die S-Klasse über das Insassenschutzsystem Pre-Safe, das Sensoren des Elektronischen Stabilitäts-Programms ESP® und des Brems-Assistenten nutzt, um einen kritischen Fahrzustand zu erkennen. Pre-Safe rückt im Notfall die Sitze senkrecht, zieht die Sicherheitsgurte an und schließt das Schiebedach, um den Schutz der Insassen im Falles eines Crashs zu optimieren. Der Beifahrer-Airbag wird – gesteuert von zwei Up-Front-Sensoren im Vorbau der Karosserie – je nach Unfallschwere in zwei Stufen ausgelöst. Die Kindersitzerkennung auf dem Beifahrersitz erkennt speziell von Mercedes freigegebene Kindersitze mit Transponder. Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf dem Außenplätzen im Fond sind allerdings nur gegen Aufpreis zu haben. Eine Bremsbelagverschleißanzeige ist Serie, die Reifendruckkontrolle optional verfügbar. An aktiven Hilfen für den Fahrer verfügt die S-Klasse serienmäßig über ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, Traktionskontrolle und ESP. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer kosten Aufpreis.

 

Ab 61.538 Euro steht die S-Klasse in der Preisliste, mit 3,2-Liter-Common-Rail-Dieselmotor (S 320 CDI). Der S 350 beginnt – mit gleicher Serienausstattung – bei 64.902 Euro. Aufpreis kosten unter anderem die Metallic-Lackierung, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Keyless-Go, Multikontur- und Komfortsitze, Comand mit DVD-Navigationssystem und das Autotelefon.

Der Mercedes-Händler gibt zwei Jahre gesetzliche Sachmängelhaftung auf das Fahrzeug, Mercedes selber eine 30-jährige Garantie gegen die Durchrostung von innen nach außen. Mit MobiloLife gewährt Mercedes eine ebenfalls 30-jährige Mobilitätsgarantie beim Einhalten der vorgeschriebenen Service-Intervalle. Die Service-Intervalle werden von der Wartungsintervall-Anzeige ASSYST in Abhängigkeit von Fahrzeugeinsatz und Fahrstil berechnet und im Display angegeben. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 21 / 36 / 40 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung: VK 31, TK 29) ein.

© Juni 2004
Petra Grünendahl
, Fotos: grü / IN*TEAM

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.