Lexus LS 430

Fahrbericht.
Lexus LS 430
Elegantes Flaggschiff
Von Petra Grünendahl

Im September 2003 stellte Toyota in Frankfurt auf der IAA die neueste Version seiner Premium-Limousine Lexus LS430 vor: 2 cm länger und in vielen Details verbessert Der Luxus-Lexus führt in Deutschland eher ein Schattendasein weit hinter den Platzhirschen aus München (7er BMW), Stuttgart (Mercedes S-Klasse) oder Ingolstadt (Audi A8). Zu Unrecht? Auf einer Probefahrt in einem LS430 in der Lackierung Bernstein Metallic sammelten wir erste Eindrücke.

 

Großzügig sind die Platzverhältnisse im Innenraum. Vier Türen bieten exzellenten Zugang für die Passagiere. Die Übersicht über die massive Karosserie (5,03 m lang, 1,83 m breit) ist naturgemäß nicht gerade berauschend, allerdings hilft ein Abstandswarnsystem (Park Assist) mit sechs Sensoren vorne und vier Sensoren hinten beim Einparken und Rangieren. Der Kofferraum ist mit 570 Litern üppig bemessen, die maximale Zuladung liegt je nach Umfang der Sonderausstattung zwischen mageren 335 und 435 Litern.

Materialqualität und Verarbeitung sind erstklassig, das Ambiente des Innenraums ist komfortabel-luxuriös mit Edelholz und Leder. Trotz üppiger Funktionsausstattung ist das Cockpit nicht überladen, der Fahrer behält noch ganz gut den Überblick über Schalter und Anzeigen, ohne zu sehr vom Geschehen auf der Straße abgelenkt zu werden.

Die serienmäßige Ausstattung ist reichhaltig und verheißt viel Komfort: Elektrisch einstellbare, beheizbare und abblendende Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, Funkfernbedienung für Zentralverriegelung, Seitenfenster und Kofferraumentriegelung, elektrische Sitzverstellung vorne (mit Memory für den Fahrersitz), Bordcomputer, Geschwindigkeitsregelung, eine beheizte Scheibenwischanlage mit Regensensor, Luftfederung mit adaptiver Stoßdämpfung und automatischer Niveauregulierung, das Sechsstufen-Automatikgetriebe TipMatic, Klimaautomatik, ein Parkassistenz-System, das schlüssellose Entriegelungssystem Smart-Key, das Schließsystem Soft Close für Seitentüren und Kofferraumdeckel, Wärmeschutzverglasung und ein elektrisches Sonnnenschutzrollo hinten sowie ein Audio-System mit Radio, Cassettenspieler und CD-Wechsler und 18-Zoll-Leichtmetallräder. Zusätzlichen Luxus bietet in unserem Testfahrzeug das President-Line-Paket: Navigationssystem und High-End-Audio-System Mark Levinson, elektrische einstellbare Fondsitze außen mit integrierte Massagefunktion in der Lehne sowie Memoryfunktion. Inklusive ist hier auch ein integriertes Kühlfach in der Rückenlehne hinten, eine Mittelarmlehne mit integrierte Bedieneinheit für Audio und separater Fond-Klimatisierungsautomatik sowie integrierte Sonnenrollos in den Seitenfenstern hinten. Ein elektrisches Glas-Schiebe-/-Hebedach ist als weitere Sonderausstattung ebenfalls dabei.

 

Der 4,3-Liter-Motor wurde für das Facelift des LS430 gründlich überarbeitet. Mit 8 Zylindern und 282 PS ist das Aggregat ein Muster an Laufkultur und Souveränität und braucht sich hinter den Wettbewerbern nicht verstecken. Der Motor arbeitet mit einer intelligenten, stufenlos variablen Ventilsteuerung, was eine optimierte Leistungsentfaltung bei unterschiedlichem Lastzustand in Abhängigkeit von der Drehzahl ermöglicht. Starker Antritt, souveräne Leistungsentfaltung und eine geschmeidige Kraftentwicklung kennzeichnen den Vortrieb des großen Premium-Japaners. Sein Drehmomentmaximum von 417 Nm bei nur 3.400 Touren spricht da Bände. Schon knapp überm Leerlauf zerren über 300 Nm an den Antriebswellen. Kraft satt, um auch mit den fast 2 t Lebendgewicht des Luxus-Japaners fast schon spielend fertig zu werden.

Die Motorkraft überträgt ein Sechsstufen-Automatikgetriebe auf die Hinterräder. Die TipMatic-Funktion ermöglicht auch eine manuelles sequentielles Schalten des gut abgestuften Getriebes, was allerdings angesichts der souveränen Motorkräfte auch für spontanen Antritt nicht unbedingt nötig ist. Der Tritt aufs Gaspedal reicht eigentlich aus: Er wird umgehend in mehr Vortrieb umgesetzt. Schaltvorgänge gestalten sich angenehm und kaum spürbar.

Für die Beschleunigung auf Tempo 100 braucht der LS430 knappe 6,3 Sekunden (0,4 Sekunden schneller als das Vorgänger-Modell), die Geschwindigkeit wird bei 250 km/h elektronisch begrenzt. Die ausgezeichnete Windschlüpfrigkeit der Karosserie (cW-Wert von 0,26) verbessert den nicht gerade bescheidenen Verbrauch, den ein Fahrzeug mit über 1,9 t Leergewicht und einer Verbrennung in acht Zylindern mit sich bringt: Dennoch fließen innerorts 17,5 Liter Kraftstoff je 100 km Strecke, außerorts 8,9 Liter und im gemischten Verbrauch nach EU-Norm 11,4 Liter (ca. 0,5 Liter weniger als beim Vorgänger) schon bei ökonomischer Fahrweise durch die Kraftstoffleitungen (alles Herstellerangaben). Der Motor „begnügt“ sich aber – als leistungsstarker Achtzylinder! – mit Superbenzin und er erfüllt die Abgasnorm EU4.

 

Das Flaggschiff der japanischen Premium-Marke verfügt über Heckantrieb. Er glänzt mit tadellosem Geradeauslauf. Die Lenkung mit geschwindigkeitsabhängig degressiver Servolenkung SteerTronic ist insgesamt eher direkt ausgelegt. Beim Rollen und Rangieren ist sie leichtgängig und beweglich zu handhaben, bei etwas Tempo spricht sie direkter und präziser an, um den Lenkbefehlen sicher Folge zu leisten.

Die Straßenlage bestimmt ein semi-aktives Fahrwerk mit elektronisch geregelte Luftfederung mit adaptiver Stoßdämpfung und automatischer Niveauregulierung. An Fahrwerksregelsystemen besitzt der Lexus LS430 alles, was in dieser Klasse heute Standard ist. Die 18-Zoll-Leichtmetallräder sind mit Niederquerschnitt-Reifen im Format 245/45 bestückt. Das schafft Platz für groß dimensionierte Scheibenbremsen (rundum innenbelüftet) mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremskraftverstärker, die den leistungsfähigen Motor im Notfall gut im Zaum halten.

Trotz seiner massiven Karosserie gibt sich die 5,03 m lange Limousine im Fahrverhalten recht agil. Sicher, neutral und dabei eher dynamisch im Handling kann der Japaner auch mit der sportlich orientierten deutschen Oberklasse mithalten. Und dabei ist er ungemein handlich: Mit nur 10,4 m verfügt er über einen ungewöhnlich kleinen Wendekreis für so eine große Limousine, immerhin ist der Radstand 2,93 m lang.

Die Luftfederung lässt dem Fahrer die Wahl zwischen dem normalen Modus und einer sportlicheren Federung. Wobei allerdings auch die sportlichere Variante noch sehr komfortabel ist. Dabei glänzt die Limousine aber durchaus durch die äußerst gelungene und harmonische Verbindung von Fahrkomfort und sicherer Straßenlage. Erste Fahrversuche zeigten ein neutrales, leicht beherrschbares Fahrverhalten ohne Tücken.

Der Lexus verfügt über eine Ganzstahl-Sicherheitskarosserie mit Aufprallenergie absorbierender Struktur und Seitenaufprallschutz in allen Türen. Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte sichern die Passagiere auf allen fünf Plätzen, die vorderen Kopfstützen verfügen über das Schleudertrauma-Schutzsystem WIL (aktive Kopfstützen). Die Außenplätze auf der Rückbank sind mit der Kindersitzvorrüstung Isofix bestückt. Die Airbag-Ausstattung reicht serienmäßig von zweistufig auslösenden adaptiven Frontairbags über Schulter-Thorax-Becken-Seitenairbags und Knieairbags vorne bis hin zu Kopfairbags (Curtain-Shield) vorne und hinten. Aktive Fahrassistenzsysteme umfassen alles, was in dieser Klasse Standard ist: ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, Reifendruckluft-Überwachung, die aktive Antriebsschlupfregelung TRC sowie das elektronische Stabilitätsprogramm VSC. Serienmäßig ist der LS430 jetzt bestückt mit Xenon-Scheinwerfern und dem neuen Adaptiven Frontlicht-System, das bei Kurvenfahrten in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Fahrtlinie folgt.

 

Der Lexus LS430 steht zu einem Preis von 72.000 Euro in der Preisliste. Aufpreis kosten die Metallic-Lackierung (900 Euro), das elektrische Glas-Schiebe-/-Hebedach (1.300 Euro) sowie das President-Line-Paket (8.300 Euro).

Toyota gibt drei Jahre Garantie auf das Fahrzeug (bis 100.000 km), drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Dazu kommt eine dreijährige Mobilitätsgarantie. Der Ölwechsel ist alle 15.000 km oder einmal im Jahr fällig, zur Service-Inspektion muss der Wagen alle 30.000 km oder alle zwei Jahre. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 33 / 23 / 40 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.

© März 2004
Petra Grünendahl
, Fotos: grü (4) / Toyota (5)

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