VW Touran 2.0 TDI

Testbericht.
Volkswagen Touran 2.0 TDI Highline
Flexibel und Sparsam
Von Petra Grünendahl

Mit seiner leicht kastigen Bauweise sieht er ganz nach dem kleine Bruder des T5 aus. Tatsächlich ist er aber mit 4,39 m Karosserielänge mehr ein großer Bruder des kompakten Golf (die fünfte Generation ist 4,20 m lang), auf dessen Basis der Van entwickelt wurde. In der Perleffekt-Lackierung Black Magic fuhr der Touran vor, in Highline-Ausstattung und mit 2-Liter-TDI-Motor bestückt, um im Test von seinen Qualitäten zu überzeugen.

 

Die Highline-Ausstattung erkennt man im Regelfall an der verchromten Kühlergrilleinfassung in Verbindung mit der eloxierten Dachreling, getönten Seitenscheiben hinten und an der Heckklappe sowie Leichtmetallrädern. Die Trendline-Ausstattung verfügt zwar auch über eine verchromte Kühlergrilleinfassung, dies aber in Verbindung mit einer serienmäßig schwarzen Dachreling (eloxiert ist hier aufpreispflichtig).

Guten Zugang ermöglichen die vier Türen zu unserem fünfsitzigen Gefährt. Die Übersicht ist bei der großen Karosserie nicht optimal, vor allem hinten wäre eine Einparkhilfe zu empfehlen. Die Sitzposition ist hoch, das Platzangebot in beiden Sitzreihen nicht zu beanstanden. Auch drei Leute finden in der zweiten Reihe ausreichend Ellenbogenfreiheit, dafür sorgt eine Wagenbreite von 1,79 m. Die Sitze sind allesamt straff und gut konturiert und bieten damit guten Seitenhalt.

Im täglichen Gebrauch glänzt der Touran mit seiner Flexibilität. In der zweiten Reihe verfügt er über drei Einzelsitze, die sich umklappen, längseinstellen, querversetzen und herausnehmen lasssen. Der mittlere Sitz lässt sich auch als Tisch umklappen. Eine dritte Sitzreihe mit versenkbaren Einzelsitzen ist optional gegen Aufpreis verfügbar. Der Laderaum des Fünfsitzers fasst 695 Liter, als Zweisitzer sind es sogar bis zu 1989 Liter. Die Ladekante ist ausgesprochen niedrig, was das Einladen schwerer Güter sehr erleichtert. Anstelle der dritten Sitzreihe hat unser Testwagen den – ebenfalls gegen Aufpreis verfügbaren – variablen Laderaumboden mit Ablagefächern.

Das Cockpit ist funktional gestaltet, Anzeigen, Schalter und Knöpfe für den Fahrer leicht zu bedienen. Materialien und Verarbeitung machen einen sehr guten Eindruck. Lenkrad, Schaltknauf/-manschette und Bremshebel in Leder sind in der Highline-Ausstattung Standard. Im Fußraum der zweiten Reihe ebenso wie hinten an der Mittelkonsole befinden sich eigene Gebläsedüsen, damit die Klimatisierung auch die Fondpassagiere erreicht. Ablagemöglichkeiten reichen vom Handschuhfach und Fächern in allen vier Türen über Fächer in der Mittelkonsole, seitlich unterm Lenkrad, auf dem Mitteltunnel (Getränkedosenhalter) und auf dem Armaturenbrett bis hin zu Taschen an den Rückseiten der vorderen Sitzlehnen. Im Fach unter der Mittelarmlehne befindet sich ein CD-Wechsler.

Unser Testwagen kam in der Top-Ausstattung Highline. Ab der Basisausstattung verfügt der Touran über die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, funkfernbediente Zentralverriegelung, Radio inkl. CD-Spieler und vier Lautsprecher, zwei Ausströmer für die Klimaanlage im Fond sowie Wärmeschutzverglasung rundum. Über der Basis-Version rangiert die Trendline-Ausstattung, Highline ist die Top-Version des Kompaktvans. Die Highline-Version kommt serienmäßig mit eloxierter Dachreling, Gepäckraumabdeckung, Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern hinten, acht Lautsprechern für die Hifi-Anlage, Sportsitzen (mit Lendenwirbelstütze) vorne, Fußmatten für alle Sitzreihen, Nebelscheinwerfer, 16-Zoll-Leichtmetallrädern und dem Technik-Paket mit Geschwindigkeitsregelanlage und Multifunktionsanzeige.

Gegen Aufpreis zu haben sind die abnehmbare Anhängevorrichtung, eine Netztrennwand, der variable Laderaumboden (oder alternativ zwei im Laderaumboden versenkbare Einzelsitze in der dritten Reihe), Lederausstattung, das Schiebe-/Ausstell-Glasdach, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamischer Leuchtweitenregulierung, die Klimaautomatik und der CD-Wechsler, abgedunkelten Scheiben an den Seiten hinten und am Heck sowie das Winter-Paket mit beheizbaren Waschdüsen vorne, Warnleuchten für den Waschwasserstand und beheizbaren Vordersitzen.

 

Der 136 PS starke 2-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Pumpe-Düse-Einspritzung ist eine ideale Motorisierung für dieses Gefährt. Mit den 1.561 kg Leergewicht hat er relativ leichtes Spiel. Der Motor läuft kultiviert, wenn auch etwas rau, vor allem, solange er noch nicht warm ist. Antritt und Durchzugsvermögen sind gut, auch mit der Leistungsentfaltung über das ganze relevante Drehzahlband kann man bei diesem Van zufrieden sein. Das manuelle Sechsgang-Getriebe schaltet sich sauber und präzise, die Abstufungen der Übersetzung sind auf Sparsamkeit ausgelegt, ohne dass der Motor jedoch an befriedigendem Durchzug vermissen ließe.

Natürlich ist der Kompaktvan kein Renner: Er braucht schon seine 10,6 Sekunden im Sprint auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h ist dafür aber mehr als ordentlich. Auf 100 km Fahrt verbraucht er innerorts 7,6 Liter Dieselkraftstoff, außerorts 5,2 Liter. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm begnügt er sich bei ökonomischer Fahrweise mit 6 Litern je 100 km (alles Herstellerangaben). Der 2-Liter-TDI erfüllt die Abgasnorm EU4.

 

Wie auch der Golf verfügt der Touran über Frontantrieb. Er glänzt mit gutem Geradeauslauf und einer gut ansprechenden, präzisen Lenkung. Im Handling ist der fast 1,6 t schwere Van etwas schwerfällig, das können andere Kompaktvans besser. Dafür liegt er aber problemlos und sicher auf der Straße. Sein Untersteuern in schnellen Kurven kündigt mehr als rechtzeitig das Nahen des Grenzbereichs an. Fast schon leichtfüßig – angesichts seiner Größe – weicht er bei plötzlichen Ausweichmanövern dem Elch. Allerdings tendiert er zu einer deutlichen Seitenneigung. An Fahrassistenz-Systemen hat ihm Volkswagen alles mitgegeben, was sich heutzutage auch in der Kompaktklasse zum Standard entwickelt. Xenonlicht kostet allerdings – auch in der Top-Version – immer noch Aufpreis.

Statt der Leichtmetallräder mit Reifen der Größe 205/55 R 16 stand unser Testwagen für den Winter bereift auf 15 Zoll-Stahlrädern mit 195/65er Reifen. Das verschlechtert natürlich die Seitenführung in schellen Kurven ein wenig, was ein früheres Untersteuern zur Folge hat. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) sprechen gut an, sind gut dosierbar und sehr wirkungsvoll. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist eher auf guten Fahrkomfort ausgelegt. Dafür lässt aber der Fahrbahnkontakt und die Rückmeldung von der Straße ein wenig zu wünschen übrig.

Passive Sicherheit bieten den Passagieren ein formstabiler Sicherheitsfahrgastraumn mit Versteifungsprofilen in Türen und Seitenkonstruktion, Verformungszonen vorne und hinten, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurten auf allen Sitzen, aktive Kopfstützen vorn, Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopfairbags für die ersten beiden Sitzreihen und Isofix-Kindersitzvorrüstungen in der zweiten Reihe außen. Für dieses Paket bekam der Touran im Crashtest nach dem Euro-NCAP fünf Sterne. Aktive Sicherheitsfeatures umfassen serienmäßig eine Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet), ABS, Elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent und Bremskraftverstärker sowie Antriebsschlupfregelung und ESP.

 

Ab 19.950 Euro ist der Touran zu haben. Die Diesel-Modelle stehen mit Preisen ab 21.800 Euro (100 PS) bzw. ab 24.350 Euro (136 PS) in der Liste. Die 136-PS-Highline-Version schlägt mit mindestens 26.700 Euro zu Buche. Aufpreis kosten die Metallic- oder Perleffekt-Lackierungen, Klimaautomatik (statt bei Highline manueller Klimaanlage), ein variabler Laderaumboden (oder eine dritte Sitzreihe) und Bi-Xenon-Scheinwerfer.

Der VW-Händler gibt zwei Jahre Gewährleistung auf das Fahrzeug, drei Jahre auf den Lack sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Eine lebenslange Mobilitätsgarantie (LongLife) erfordert das Einhalten der Wartungsintervalle. Die Wartungsintervalle richten sich nach individuellen Einsatzbedingungen und Fahrstil, werden vom Bordcomputer berechnet und über die Service-Intervall-Anzeige ausgegeben. Sie können bis zu 50.000 km oder zwei Jahre betragen. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 15 / 18 / 36 (KH / VK / TK – nach der neuen Struktur in der Fahrzeugversicherung) ein.

© Dezember 2003
Petra Grünendahl
, Fotos: grü / IN*TEAM

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