Audi A4 Cabrio 2.5 V6

Testbericht.
Audi A4 Cabrio 2.5 V6 TDI
Schicker Kreuzer
Von Petra Grünendahl

Elegant gezeichnet ist die Karosserie von Audis offener Mittelklasse. Etwas edler gestaltet, mit großen Lufteinlässen und in Wagenfarbe lackiert unterscheidet sich der Frontstoßfänger vom geschlossenen Audi A4. Das Heck mit in den Kofferraumdeckel integrierter dritter Bremsleuchte und Stoffverdeck spricht ebenfalls eine eigenständigere Sprache.

Auf Knopfdruck steht man innerhalb von 30 Sekunden im Freien. Das Verdeck verschwindet im Kofferraum unter einer Kunststoffabdeckung. Keine fummelige Persenning trübt das Vergnügen. So lässt sich die Sonne genießen. Was der offene A4 sonst noch zu bieten hat, erfuhren wir in einem Caribicblauen A4 Cabrio mit 2,5-Liter-Sechszylinder-TDI.

 

Das Cabrio ist ein Zweitürer. Die Frontpassagiere haben einen guten Zugang durch die weit öffnenden Türen. Der Einstieg nach hinten ist im offenen Cabrio natürlich besser, weil man den Kopf nicht so einziehen muss. Ansonsten fördert auch die Easy-Entry-Funktion der Vordersitze ein leichteres Einsteigen. Langbeinige Passagiere sitzen hinten aber nicht so gut. Ansonsten ist die Rückbank ähnlich straff wie die Vordersitze, die Ellenbogenfreiheit ist gut, aber hier sitzen ja auch nur zwei Leute. Die Vordersitze sind straff, gut konturiert und bieten ausreichend Platz sowie guten Seitenhalt auch auf kurviger Strecke. Eine elektrische Lendenwirbelstütze für die Vordersitze (horizontal und vertikal einstellbar) ist optional verfügbar und macht das Sitzen vor allem auf langen Strecken komfortabler.

Die Übersicht ist offen nach hinten ganz ok, aber eine Einparkhilfe ist trotzdem sinnvoll. Vorhanden ist hier nur eine für hinten, die für vorne und hinten wäre besser. Das Verdeck aus isoliertem dreilagigem Stoffgewebe schützt gut gegen übermäßige Windgeräusche von außen, auch wenn man natürlich auch bei geschlossenem Verdeck eine ganz andere Geräuschkulisse hat, als in einer geschlossenen Limousine. Das hellgraue Interieur mit Dekoreinlagen in Birkenmaserholz grau bieten eine guten Kontrast zur Außenfarbe. Die Materialien sind hochwertig und tadellos verarbeitet. Der Premium-Anspruch erfüllt sich in der luxuriösen Anmutung des Innenraumes. Die Sitze sowie Teile der Tür- und Seitenverkleidung sind – gegen Aufpreis versteht sich – in Perlnappaleder gehalten.

Offen sollte man den A4 aber eher als Zweisitzer nutzen, denn das optional erhältliche Windschott wird über der Rücksitzbank montiert. Ohne Windschott ist es mächtig windig auf der Landstraße. Und selbst mit Windschott spürt man auf Autobahnfahrten bei Tempo 140, 160 schon einen deutlichen Lufthauch. Man kann allerdings auch jenseits der 200-km/h-Marke fahren, ohne dass es zu zugig wird, jedoch werden die Windgeräusche etwas unangenehmer. Die Montage des Windschotts ist allerdings recht fummelig, man sollte es also besser nur bei Bedarf abbauen und ansonsten montiert lassen, wenn man den offenen Fahrspaß möglichst oft genießen will.

Den Frontpassagieren stehen jede Menge Ablagen und Fächer zum Verstauen von Kleinkram zur Verfügung: ein Handschuhfach (hier optional mit Kühlfach versehen), in den Türen, ein Brillenfach in der Mittelkonsole, ein kleines Schubladen-Fächlein darunter, unter und seitlich vom Lenkrad, auf dem Mitteltunnel sowie ein Fach mit zwei Getränkehaltern in der Armlehne vorne. Dazu kommen Schubladen unter beiden Vordersitzen. Die Fondpassagiere müssen sich mit Netzen an den Rückseiten der Vordersitzlehnen begnügen.

Der Verdeckkasten ist variabel. Fährt man geschlossen, fasst der Laderaum 315 Liter in einem gut nutzbaren Gepäckabteil. Offen bleiben 246 Liter übrig, aber die sind gar nicht mehr so gut nutzbar: Das Verdeck nimmt viel Platz in oberen Teil des Kofferraumes weg, so dass im hinteren Teil eine magere Laderaumhöhe von knapp 20 cm zur Verfügung steht. Unter dem Laderaumboden ist jedoch steht ein weiteres Staufach zur Verfügung, da serienmäßig für Reifenpannen das Reparatursystem „Tire Mobility System“ beigelegt ist. Ein vollwertiges Reserverad gibt es gegen Aufpreis. Ein mit Netz abgetrenntes Fach auf der rechten Seite des Laderaums hilft Ordnung halten und nimmt den unvermeidlichen Kleinkram auf. Die Rückbanklehne ist natürlich nicht umklappbar, ein Skisack ermöglicht aber das Durchladen langer schmaler Gegenstände bis in den Passagierraum.

An Leergewicht bringt unser A4 Cabrio dankt umfangreicher Ausstattung 1.795 kg auf die Waage. Bei einer erlaubten Zuladung von 405 kg ergibt das ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.200 kg. Da machen sich die zusätzlichen Verstärkungen und Versteifungen der Karosseriestruktur gegenüber der Limousine bemerkbar, die es auf ein zulässiges Gesamtgewicht von „gerade mal“ 1.860 kg bringt.

Viele Funktionen hat das Cockpit zu bieten. Dennoch ist alles klar und übersichtlich gestaltet und stellt den Fahrer nicht vor Probleme, die Funktionen zu bedienen, ohne den Verkehr aus den Augen zu verlieren. Serienmäßig verfügt das Audi A4 Cabrio über all die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens wie ein vollautomatisches Stoffverdeck mit beheizbarer Glasheckscheibe, elektrische Fensterheber vorne und hinten, funkfernbedienter Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Wärmeschutzverglasung und eine Zwei-Zonen-Komfortklimaautomatik sowie Nebelscheinwerfer. Beide Sonnenblenden verfügen über beleuchtete Spiegeln. Die Ausführung mit TDI-Motor trägt ebenso wie der 3-Liter-Benziner die serienmäßigen 16-Zoll-Alu-Gussräder mit breiterer 215/55er Bereifung, unser Testwagen stand extra-breit bereift auf 17-Zoll-Alu-Gussräder im Fünf-Speichen-Stern-Design mit 235/45er Reifen.

Die Aufpreisliste für unseren Testwagen ist lang und reichlich: Windschott, Fahrerinformationssystem für die Anzeige von Bordcomputer und Check-Control, eine Einparkhilfe für hinten (für vorne und hinten ist auch verfügbar – und sinnvoll!), ein Audiosystem mit Radio, Cassettenspieler und CD-Wechsler, Navigationssystem, Sitzheizung, elektrische Einstellung und elektrische Lendenwirbelstütze für die Vordersitze, das Multifunktionslenkrad mit Schaltfunktion für die Multitronic, automatische Umluftregelung für die Klimaautomatik, elektrisch abblendende Innen- und Außenspiegel, elektrisch anklappbare Außenspiegel, Mittelarmlehne vorne (mit zwei Getränkehaltern), Einparkhilfe, Geschwindigkeitsregelung, Xenonlicht (mit dynamischer Leuchtweitenregulierung), servotronic (geschwindigkeitsabhängig geregelte Servolenkung anstelle einer einfachen Servolenkung) und die breit bereiften 17-Zoll-Räder.

 

Der 2,5-Liter-Sechszylinder-TDI-Motor mit 163 PS ist der einzige Diesel im A4 Cabrio. Als Benziner stehen darüber hinaus ein 163 PS starker Vierzylinder-Turbomotor, ein 2,4-Liter- (170 PS) sowie ein 3-Liter-Sechszylinder (220 PS) zur Wahl. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2.200 kg ist das A4 Cabrio gute 340 kg schwerer als sein geschlossener Bruder (1.860 kg). Das ist bei der Wahl der verfügbaren Motoren berücksichtigt. Insgesamt erwies sich der TDI hier als guter Begleiter, auch wenn die Multitronic-Automatik nicht jedermanns Geschmack ist – oder sein muss, schließlich gibt es ja auch eine manuelle Sechsgang-Schaltung.

Für die Übertragung der Motorleistung auf die Räder sorgt ein stufenloses Multitronic-Getriebe mit Dynamischem Regelprogramm DRP. Die manuelle Schaltoption verfügt über sechs Gänge, die dem Fahrer über den Schalthebel oder Tasten auf dem Lenkrad das manuelle Schalten und damit einen spontaneren Antritt ermöglichen. Im Automatik-Modus treffen sich beim Antritt Automatikgetriebe und Turboloch: Zwei Gedenksekunden nach dem Kickdown leiten den Sprint ein. Ein gefühlvoller Gasfuß ist gefragt, um optimale Beschleunigung zu erzielen. Insgesamt ist die Multitronic gut abgestimmt, schaltet unmerklich hoch und runter.

Der Sechszylinder-Motor überzeugt mit seiner Laufruhe und Kultiviertheit. Den Diesel hört man nicht. Und wenn er erst mal läuft, überzeugt er mit einer hervorragenden Leistungsentfaltung, solange man ihn nicht mit einen Kickdown herausfordert. Sein Drehmoment-Maximum von 310 Nm liegt bereits bei 1.400 U/min. an und steht bis 3.600 Touren über das ganz Drehzahlband zur Verfügung. Das gibt Durchzug satt, den man mit gefühlvollem Gasfuß abfordern sollte. Bei einem Zuviel an Gasfuß, das noch kein Automatik-Loch provoziert, drehen nämlich die breiten Reifen (trotz Antriebsschlupfregelung) schnell durch.

In 9,9 Sekunden beschleunigt das Cabrio aus dem Stand auf Tempo 100 (mit manuellem Getriebe geht es auch nicht schneller), bei 217 km/h erreicht die Multitronic-Version ihre Höchstgeschwindigkeit (manuelle Schaltung: 226 km/h). Im Verbrauch ist die Multitronic im Stadtverkehr im Vorteil, die manuelle Schaltung (Werte in Klammern) außerorts: 9,4 Liter Diesel (10,0 Liter) je 100 km verbraucht das Cabrio im Stadtverkehr, 6 Liter (5,7 Liter) außerorts, 7,2 Liter (7,2 Liter) sind es im gemischten Verbrauch nach EU-Norm – bei ökonomischer Fahrweise, versteht sich (alles Herstellerangaben). Auf einer – wenig ökonomisch gefahrenen – Reise in die Schweiz mit einer Reisegeschwindigkeit von 120 bis 140 km/h, auch schon mal 160 km/h, wenn es zügiger sein durfte, und größtenteils mit geöffnetem Verdeck war der Wagen mit 8,5 Litern je 100 km unterwegs. Der Sechszylinder-TDI erfüllt die Abgasnorm EU3.

 

Die Lenkung des Fronttrieblers ist sehr direkt ausgelegt. Als Sonderausstattung ist unser Testwagen mit servotronic, einer geschwindigkeitsabhängig geregelten Servolenkung anstelle einer einfachen Servolenkung ausgestattet. Gefühlvoll, präzise und ausreichend leichtgängig lässt er sich auch um enge Kurven dirigieren. Da vergisst man schnell, dass man in einem 1,8 t schweren Fahrzeug (Leergewicht) sitzt. Die Lenkung vermittelt in Verbindung mit dem straffen Fahrwerk und den breiten Reifen guten Fahrbahnkontakt.

Die Fahrwerkskonstruktion ist identisch mit der der A4 Limousine: Vierlenker-Vorderachse mit Querlenkern oben und unten und einem Rohrstabilisator sowie einer Trapezlenker-Hinterachse mit Stabilisator. Das garantiert auch im Cabrio ein Maximum an Fahrspaß bei sicherer Straßenlage. Auch in sehr schnell gefahrenen Kurven garantieren die breiten Reifen eine gute Seitenführung, das Quietschen der Reifen kündigt das Untersteuern an, welches rechtzeitig vor dem nahenden Grenzbereich warnt. Auch auf schnellen Kurvenpisten kommt das ESP kaum zum Einsatz. Plötzliche Spurwechsel meistert er souverän, auch beim Wiedereinscheren folgt er neutral und problemlos in der vorgegebenen Spur. Auch beim Slalom zieht er sicher seine Linien.

Straff, aber nicht unkomfortabel liegt das Cabrio auch mit den breiten 235/45er Reifen auf 17-Zoll-Felgen auf der Straßen. Kleine Unebenheiten bügelt es locker glatt, ohne die Insassen zu behelligen. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) sind gut dosierbar und verzögern anständig, spurtreu und sicher.

Die hohe Karosseriesteifigkeit und Seitenaufprallschutz, Frontairbags sowie Kopf-Thorax-Seitenairbags für die Frontpassagiere, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern auf allen vier Plätzen sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf dem Beifahrersitz (inkl. Airbag-Deaktivierung) sowie beiden Plätzen hinten sorgen serienmäßig für die Sicherheit der Insassen. Aktiven Überrollschutz bieten die stabilen Frontscheibenrahmen in Verbindung mit dem automatisch auslösenden Schutzsystem hinter den Fondkopfstützen. Darüber hinaus war unser Testwagen als Sonderausstattung mit einer Diebstahlwarnanlage mit Innenraumüberwachung und Abschleppschutz-Überwachung ausgerüstet. Den Fahrer unterstützen zusätzlich zum hervorragend abgestimmten Fahrwerk alle heute in den gehobenen Klassen üblichen Assistenzsysteme wie ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und hydraulischem Bremsassistenten sowie ESP mit Antriebsschlupf-Regelung und elektronischer Differenzialsperre.

 

Ab 32.900 Euro ist das A4 Cabrio zu haben mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbomotor (163 PS). Der 2,5-Liter-Sechszylinder-TDI steht ab 35.800 Euro in der Preisliste, mit Multitronic-Getriebe ab 37.900 Euro. Die Serienausstattung ist umfangreich und umfasst so ziemlich alle Annehmlichkeiten. Die Liste der verfügbaren Extras ist dennoch lang und reichlich (siehe auch oben): Aufpreis kostet unter anderem das Windschott, die Perleffekt-Lackierung, das Lederinterieur, die 17-Zoll-Alu-Gussräder mit Breitreifen, Xenonlicht, Radio und Navigationssystem sowie die Alarmanlage.

Audi gibt zwei Jahre Gewährleistung auf das Neufahrzeug und Original-Ersatzteile, drei Jahre auf den Lack sowie 12 Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Der Mobil-Service gilt lebenslang europaweit (außer Osteuropa) beim Einhalten der Inspektionsintervalle. Diese werden von der Service-Intervall-Anzeige in Abhängigkeit von der Nutzung und dem Fahrstil des Fahrers berechnet und können bis zu 35.000 km (oder zwei Jahre) betragen. Die Versicherungen stufen das A4 Cabrio mit TDI-Motor in die Typklassen 17 / 24 / 28 (KH / VK / TK) ein.

© Juli 2003 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

Teilen ...

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Dieser Beitrag wurde unter Auto-Redaktion, Automobiltest, Autotest, Autotestbericht, Fahrbericht, Fahrtest, Fahrzeugtest, Testbericht abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.