Volvo S60 D5

Testbericht
Volvo S60 D5 Premium
Sportlich-elegant und nobel
Von Petra Grünendahl

Langgezogen und zeitlos elegant gezeichnet wirkt der sportliche S60 fast schnittig im Design. Leicht coupéhaft erscheint die viertürige Stufenheck-Limousine mit ihrem sehr schräg nach hinten abfallendem Dach. Eher sportlich-souverän sind auch die verfügbaren Motoren mit Leistungen zwischen 130 und 250 PS. Zusätzlich zur Basisausstattung gibt es die Ausstattungslinien Comfort und Premium. Wir fuhren einen Silber-Metallic-farbenen Volvo S60 D5 in Premium-Ausstattung.

 

Die vorderen Türen bieten einen bequemen Einstieg, hinten ist der Zugang aber eher schmal. Die Übersicht über die Karosserie ist für den Fahrer nicht berauschend, hier täte die gegen Aufpreis verfügbare Einparkhilfe gut. Das Interieur macht einen angenehmen Eindruck: Hochwertige Materialien sind sauber verarbeitet, der Innenraum ist komfortabel eingerichtet. Der Innenraum ist aber nicht so groß, wie man angesichts seiner Außenmaße (4,58 m lang, 1,80 m breit und 1,43 m hoch) vermuten würde. Platz haben die Passagiere aber dennoch vorne wie hinten reichlich (oder hinten zumindest, wenn vorne keine Riesen sitzen). Zugegeben: Auch für drei Passagiere wird es auf der Rückbank etwas eng. Die Sportsitze vorne sowie hinten außen sind gut konturiert und bieten exzellenten Seitenhalt. Die Lederpolster sind straff, was aber nicht unkomfortabel ist. Die Vordersitze verfügen über Lendenwirbelstützen, insgesamt bietet der S60 zumindest für vier Passagiere hohen Langstreckenkomfort.

Das Armaturenbrett ist fast schon überladen mit Knöpfen, Schaltern und Anzeigen. Das wirkt auf den ersten Blick unübersichtlich und braucht seine Eingewöhnungszeit. Das Handschuhfach ist ja etwas klein geraten. Dafür gibt es aber weitere Ablagen, um den unvermeidlichen Kleinkram unterzubringen. Den Frontpassagieren stehen neben Fächern in den Türen auch Fächer in der Armlehne zur Verfügung, die Fondpassagiere müssen sich mit Taschen an den Rückseiten der Vordersitze begnügen. Die Ladekante ist Limousinen-üblich, der Laderaum wirkt sehr geräumig und ist fast quadratisch nutzbar. Seine 424 Liter Fassungsvermögen sind aber nicht umwerfend, dafür aber durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne auf bis zu 1.034 Liter erweiterbar. Auch die 414 kg maximale Zuladung sind ausreichend.

In puncto Passagierkomfort kann sich unser Testwagen wirklich sehen lassen. In der Basisausstattung verfügt der S60 über all die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens inklusive elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern vorne und hinten, Klimaanlage mit Umluftschaltung und Belüftungsdüsen hinten, 16-Zoll-Leichtmetallräder, Colorverglasung sowie beleuchteten Spiegeln in beiden Sonnenblenden. In der Comfort-Version kommen zusätzlich ein Audiosystem mit Radio und Cassetten-Spieler, Sportsitze vorne, ein Regensensor, Nebelscheinwerfer, Bodenleuchten in beiden Außenspiegeln, Textilfußmatten, Lenkrad, Bremshebel und Schaltknauf in Leder sowie Alu-Einlagen in Türen und Handschuhfach dazu. Die Premium-Ausstattung umfasst darüber hinaus über ein Audiosystem mit Radio, Cassetten- und CD-Spieler, einen elektrische einstellbaren Fahrersitz (mit Memoryfunktion), Leder-Polsterung mit Sportsitzen vorne, Sitzheizung für die Vordersitze, Multifunktionslenkrad und ein GSM-Telefon mit Freisprecheinrichtung. Die Außenspiegel sind elektrisch anklappbar und verfügen über integrierte Bodenleuchten. Aufpreispflichtig, aber seinen Preis wert ist das umfangreiche Luxuspaket mit Geschwindigkeitsregelanlage, Innenspiegel mit Abblendautomatik, Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie Kopfstützen hinten, die auf Knopfdruck umklappbar sind. Als Sonderausstattung verfügte unser Testwagen zudem über Bi-Xenon-Scheinwerfer und ein DVD-Navigationssystem sowie die 17-Zoll-Leichtmetallräder Tethys.

 

Der 2,4-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Common-Rail-Technik ist ein Fünfzylinder-Vollaluminium-Aggregat – und die erste Diesel-Eigenentwicklung des schwedischen Herstellers, der bislang Diesel-Motoren der Wettbewerber für seine Baureihen dazukaufte.

Der Fünfzylinder-Diesel ist ein Muster an Laufkultur. Ruhig und vibrationsarm säuselt er vor sich hin, kein Brummen oder Nageln verrät den Selbstzünder. Mit seinen 163 PS und einem maximalen Drehmoment von 340 Nm zwischen 1.750 und 3.000 Touren ist er antritts- und durchzugsstark und bietet eine angenehm souveräne Leistungsentfaltung, die gerade auf langen Strecken viel Fahrkomfort bietet. Und das alles zu einem angenehmen Verbrauch. Bei ökonomischer Fahrweise verbraucht er 8,7 Liter Dieselkraftstoff je 100 km im Stadtverkehr (das ist nicht gerade sein Revier), 5,2 Liter außerorts und 6,5 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben) – bei einem Leergewicht von 1.616 kg! Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU3.

Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe ist einfach klasse: Knackig kurze Schaltwege und eine präzise Linienführung sind die wahre Freude! Allerdings ist der Motor mit den über 1,6 t Leergewicht des S60 nicht überfordert und erlaubt zügiges Vorankommen auch bei schaltfauler Fahrweise. In 9,5 Sekunden sprintet er von Null auf 100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 210 km/h. Locker setzt er den energischeren Tritt aufs Gas in schnellere Bewegung um und meistert auch flottere Überholmanöver auf der Autobahn sehr souverän. Dabei stellt er seine Qualitäten als Reiselimousine eindrucksvoll unter Beweis.

 

Seine direkte Lenkung macht aus dem Fronttriebler aber mehr als nur eine komfortable Reiselimousine. Dank der dynamischen Fahrwerkauslegung gibt er sich sehr wendig und fällt damit eher in die Kategorie sportliche Limousine. Tadelloser Geradeauslauf sowie die direkte und präzise Lenkung lassen ebenfalls ein dynamisches Feeling aufkommen. Dabei zieht er spurtreu und sicher auch um engere Kurven, untersteuert in sehr schnellen Kurven nur leicht und ist problemlos auch bei plötzlichen Spurwechseln zu handhaben. Neutral ist im Ganzen sein Fahrverhalten. Dabei ist die 4,58 m lange Karosserie auf kurviger Piste recht wendig und dynamisch. Fast schon agil wirkt er bei doppelten Spurwechseln beim Wiedereinscheren. Der Wendekreis ist allerdings – vor allem für 2,72 m Radstand – sehr groß.

Der Volvo S60 verfügt über die Fahrdynamikregelung DSTC, die die Antriebsschlupfkontrolle und ESP miteinander vereint, aber dank der gekonnten Abstimmung des Fahrwerks und den hoch angesiedelten Grenzbereich selten spurstabilisierend eingreifen muss. Das Fahrwerk ist dynamisch ausgelegt: ausreichend straff für eine sichere Straßenlage, aber dabei auch komfortabel – und das trotz einer breiten 17-Zoll-Bereifung im Format 225/45. Die Bremsanlage (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) arbeitet tadellos, spricht schnell und gut dosierbar an und verzögert wirkungsvoll, schnell und sicher.

Der Sicherheit der Insassen bei einem Crash dienen Knautschzonen vorne und hinten, die Sicherheits-Fahrgastzelle, energieabsorbierende Verkleidungen im Innenraum, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen Sitzen, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagieren sowie Kopf-Schulter-Airbags für vorne und hinten, das Schleudertrauma-Schutzsystem WHIPS in den Vordersitzen sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den Außenplätzen hinten. Dem Fahrer bietet Volvo im S60 ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBV) und Bremsassistent (EBA) sowie die Fahrdynamikregelung DSTC (umfasst die Antriebsschlupfregelung und ESP) als Hilfen zur Unfallvermeidung.

 

Ab 25.470 Euro steht der Volvo S60 in den Preislisten, der S60 D5 ist ab 28.540 Euro zu haben, in der Premium-Ausstattung muss man ab 33.140 Euro auf den Tisch legen. Aufpreis kosten über das Luxuspaket hinaus die Metallic-Lackierung, die Bi-Xenon-Scheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallräder und das DVD-Navigationssystem.

Volvo gibt zwei Jahre Werksgarantie auf den Neuwagen. Dazu kommt die lebenslange europaweite Mobilitätsgarantie Volvo Assistance bei ordnungsgemäßer Wartung des Fahrzeugs. Die Versicherungen stufen den S60 D5 in die Typklassen 20 / 25 / 34 (KH / VK / TK) ein.

© Juni 2003 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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