Toyota Corolla 1.6

Testbericht.
Toyota Corolla 1.6 linea sol
Flotter Kompakter für Fahrspaß
Von Petra Grünendahl

Keine lange Laufzeit war der achten Generation des Toyota Corolla beschieden. Zu kontrovers war das Design für den europäischen Markt. 1997 vorgestellt, ein Facelift kam 2000 – und schon 2001 auf der IAA 2001 wurde die neunte Generation vorgestellt. Seit Januar 2002 steht der neue Corolla bei den Händlern. Nichts erinnert im Design an den Vorgänger. Stämmiger ist die Karosserielinie geworden. Ein bisschen Ähnlichkeit hat er dabei mit dem parallel vorgestellten Fiat Stilo. Wir fuhren einen fünftürigen Corolla mit 1,6-Liter-Motor in der Ausstattungsvariante „linea sol“ lackiert in Platingrau Mica Metallic. „Linea sol“ ist die komfortable Top-Variante, „TS“ das sportliche Gegenstück.

 

Auf 11 cm weniger Karosserielänge als der Vorgänger (4,18 m) bietet der neue Corolla dank eines größeren Radstands (2,60 m) mehr Raum für die Insassen. In der fünftürigen Variante erlaubt er allen Passagieren einen bequemen Einstieg. Der Innenraum mutet sportlich an mit den Applikationen im Chrom-Design und den Sportsitzen vorne. Die Verarbeitung ist tadellos, der Qualitätseindruck ist insgesamt gut, auch wenn die unterschiedlichen Kunststoffe unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Die straffen Sportsitze vorne bieten guten Seitenhalt in den Kurven. Die Rückbank ist weicher gepolstert, auf den gut konturierten Außenplätzen fühlen sich Passagiere auch sehr wohl.

Das Cockpit stellt den Fahrer in keiner Weise vor Probleme. Übersichtlich und ergonomisch gestaltet lassen sich Schalter gut bedienen, Anzeigen gut ablesen. Ablagen gibt es reichlich in der Anzahl, allerdings primär für die Frontpassagiere. Den Fondinsassen stehen lediglich Taschen an den Rückseiten der Vordersitze zur Verfügung, während die Frontpassagiere kaum so viel Kleinkram mitbringen können, wie ihnen Fächer zur Verfügung stehen.

Auf der Rückbank ist nicht nur die Lehne asymmetrisch 60:40 (mit dem breiteren Teil rechts) geteilt umlegbar, auch die Sitzbank (60:40 geteilt) lässt sich komplett nach vorne hinter die Vordersitze klappen, was einen ebenen Laderaum das Fassungsvermögen von den eher bescheidenen 289 Litern unter der Laderaumabdeckung hinter den Rücksitzen auf gute 1.190 Liter erweitert. Im Vorgänger betrug die Ladekapazität zwischen 372 und 1.060 Liter. Die maximal erlaubte Zuladung von 450 kg geht für einen Kompakten schon in Ordnung.

Die Serienausstattung ist gut. Schon die Basisversion „Corolla C“ verfügt über das hochwertige Optitron-Display, ein RDS-Radio mit Cassetten-Spieler, ein höhenverstellbares Lenkrad und ein Multi-Info-Display für die Anzeigen des Bordcomputers. Interessant wird es ab der Ausstattungslinie „Corolla“ mit funkfernbedienter Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorn und elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln sowie – je nach Motorisierung – Traktionskontrolle, ESP und Bremsassistent. Die „linea sol“-Version wartet zusätzlich unter anderem auf mit einem RDS-Radio mit CD-Spieler, Nebelscheinwerfern, elektrischen Fensterhebern in allen Türen sowie einer Klimaautomatik. Aufpreis kostete in unserem Testwagen neben der Mica-Metallic-Lackierung nur das Audio-Navigationssystem.

 

Drei Benziner und zwei Diesel umfasst das Motorenprogramm für den Corolla. Die Benziner verfügen alle über eine Direktzündung (DIS) und die intelligente variable Ventilsteuerung VVT-i für weniger Schadstoffe und mehr Kraftstoffökonomie. Unser 1,6-Liter-Aggregat leistet 110 PS. Damit ist er insgesamt über die ganze Drehzahlspanne sehr flott unterwegs, auch wenn das Drehmomentmaximum von 150 Nm erst bei 4.800 U/min. anliegt. Laufruhig und kultiviert, aber auch antritts- und durchzugsstark glänzt der Motor mit seiner gleichmäßigen Leistungsentfaltung, die auf den Straßen wirklich Spaß macht.

Das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe zeichnet sich aus durch kurze Schaltwege und eine präzise Hebelführung durch die enge Schaltgasse. Die Durchzugskraft des Motors ermöglicht schaltfaules Fahren, was angesichts der tollen Schaltung fast schon bedauerlich ist.

In 10,2 Sekunden sprintet der Vierzylinder-Vierventiler von Null auf Tempo 100, bei 190 km/h erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit. Das ist auch für lange Touren angenehm für zügiges Vorankommen. Dabei gibt er sich bei ökonomischer Fahrweise sehr sparsam: Im Stadtverkehr verbraucht er 9 Liter Superbenzin je 100 km, außerorts sind es 5,9 Liter, gute 7 Liter schluckt er im gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben). Der Motor erfüllt die Abgasnorm EU4.

 

Der Fronttriebler gefällt mit gutem Geradeauslauf und seiner direkt ausgelegten servo-unterstützten Lenkung ungemein. Der lange Radstand unterstützt die präzise Spurführung, dabei ist der Wendekreis aber nicht zu groß. Die Fahrwerksabstimmung bietet einen guten Kompromiss zwischen straff und komfortabel, um guten Fahrkomfort bei stabiler Straßenlage zu garantieren. Dabei vermittelt der Corolla guten Fahrbahnkontakt.

Sportlich-agil bewegt er sich durch kurvige Passagen, hier offenbart er seine besonderen Stärken auch bei höherem Tempo. Problemlos und sicher lässt er sich auch um engste Biegungen zirkeln, erst bei höherem Tempo deutet nur eine leichte Tendenz zum Untersteuern den nahenden Grenzbereich an. Plötzliche Spurwechsel absolviert er fahrstabil auch bei höherer Geschwindigkeit, beim wieder Einscheren folgt er willig der vorgegebenen Spur, das serienmäßige ESP (heißt hier VSC) kommt kaum zum Einsatz, der hoch angesetzte Grenzbereich erfordert es selten.

An der Vorderachse kommen McPherson-Federbeine mit Gasdruckstoßdämpfern und Stabilisator zum Einsatz, hinten arbeitet eine weiterentwickelte Torsionslenkerachse ebenfalls mit Gasdruckstoßdämpfern und Stabilisator. Alle Corolla-Modelle verfügen ab Werk über ABS mit elektronisch gesteuerter Bremskraftverteilung. Der Corolla ist mit dem 1,6- sowie dem 1,8-Liter-Motor serienmäßig außerdem mit der elektronischen Stabilitätskontrolle VSC, der Traktionskontrolle TRC sowie einem Bremsassistenten ausgestattet.

Serienmäßig steht der Corolla in der „Corolla“- und der „linea sol“-Ausstattung auf 15-Zoll-Stahlfelgen mit Radabdeckung und 195/60er Bereifung. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) sind leistungsfähig, sprechen gut und gut dosierbar an und verzögern im Notfall schnell, spurtreu und sicher.

Eine extrem steife Karosseriestruktur durch aufwändig verstärkte Längs- und Querträger sowie Seitenaufprallschutz in den Türen und optimierte Zonen, die im Falle eines Unfalles die Aufprallenergie aufnehmen, schützen die Insassen. Fünf Drei-Punkt-Gurte und fünf Kopfstützen (die auf der Rückbank sind versenkbar)s, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere, Energie absorbierende Verkleidungen an A-, B- und C-Säule sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den Außenplätzen hinten mindern die Crashfolgen im Innenraum. Das WIL-System in den Vordersitzlehnen und -kopfstützen dämpft bei einem Heckaufprall den Rückschlag von Oberkörper und Kopf und verringert damit das Schleudertrauma-Risiko.

 

Ab 13.550 Euro steht der Corolla-Dreitürer beim Händler, der Fünftürer ab 14.200 Euro. Als Fünftürer in „linea sol“-Ausführung mit 1,6-Liter-Motor ist er ab 18.300 Euro zu haben. Die Serienausstattung ist umfangreich. Aufpreis kosten lediglich die Metallic-Lackierung sowie das Audio-Navigationssystem.

Die Versicherungs-Typklassen lauten 16 / 12 / 24 (KH / VK / TK). Die Service-Intervalle betragen 30.000 km (oder zwei Jahre), dazwischen ist nach 15.000 km (oder einem Jahr) ein Zwischen-Check mit Ölwechsel fällig. Toyota gewährt 3 Jahre Garantie (bis 100.000 km) auf den Wagen, ein bis drei Jahre auf alle vom Toyota-Partner eingebauten Originalersatzteile, drei Jahre auf den Lack und zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Ein europaweiter Mobil-Service für drei Jahre ab Erstzulassung rundet das Paket ab, der Mobil-Service ist gegen Aufpreis um weitere zwei Jahre verlängerbar.

© Mai 2003 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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