Opel Vectra GTS 3.2 V6

Testbericht.
Opel Vectra GTS
Sportlich-dynamisch und praktisch
Von Petra Grünendahl

 

In den ersten beiden Generationen fristete die Steilheck-Version des Opel Vectra noch eher ein Schattendasein. Mit dem Vectra C (dritte Generation) bekommt der Fünftürer sein eigenes Profil: Als Vectra GTS soll er sportlich ambitionierte Fahrer ansprechen.

Von der sportlichen Eleganz eines Calibra ist der Vectra GTS ungefähr so weit entfernt wie der neue 7er-BMW vom zeitlos-eleganten Stil des alten 7ers. Unverwechselbare Kantigkeit bestimmt das Bild der neuen Rüsselsheimer Mittelklasse, welche im coupéhaften GTS mit ausgeprägter Sportlichkeit und Fahrdynamik ohne Einbußen an Funktionalität und praktischem Nutzwert eine jüngere Käuferschicht anziehen will. Mit Sechszylinder-Motor unter der Motorhaube in Saphirschwarz Mineraleffekt erkundeten wir, inwieweit der Vectra GTS diesen Ansprüchen gerecht werden kann.

 

Erst mit dem Doppelklick gibt die Zentralverrieglung alle vier Türen und den Kofferraum zum Öffnen frei. Vier Türen erleichtern den Einstieg, das Platzangebot ist für vier Passagiere großzügig bemessen. Mit drei Leuten wird es auf der Rückbank zwar nicht richtig eng, aber gut sitzt der in der Mitte trotzdem nicht. Die Außenplätze sind gut konturiert und verfügen serienmäßig über Isofix-Kindersitzbefestigungen. Knieraum gibt es reichlich, auch wenn vorne Leute mit langen Beinen sitzen.

Obwohl sportlicher ist der GTS im Vergleich zum Stufenheck definitiv das praktischere Auto: Der Laderaum fasst 500 Liter auf 4,60 m Karosserielänge (wie beim Stufenheck), er lässt sich aber dank der asymmetrisch geteilt umklappbaren Rückbanklehne auf bis zu 1.360 Liter (Stufenheck 1.050 Liter) vergrößern und durch die weit öffnende Heckklappe viel einfacher beladen. Auch an maximaler Zuladung hat der GTS mit 497 kg mehr zu bieten als die Stufenheck-Limousine (475 kg).

Das Cockpit ist aufgeräumt und alle Schalter und Anzeigen befinden sich am richtigen Ort. Die Blinker mit Komfort-Tipp-Funktion sind gewöhnungsbedürftig: Sie gehen automatisch nach dem Betätigen des Schalters in die Ausgangsposition zurück; kein Klick verrät, ob der Hebel nur kurz (für drei Blinkintervalle) oder richtig (für Dauerblinken) gedrückt wurde. Die Türinnengriffe sind vorne zu niedrig und zu weit hinten angebracht, zumindest für Leute, die nicht wegen ihrer langen Beine die Sitze weit nach hinten schieben. Die Ablagefächer in den vorderen Türen sind sehr klein, hinten gibt es gar keine. Ansonsten gibt es zumindest für die Frontpassagiere reichlich Staufächer: ein geräumiges Handschuhfach, ein Brillenfach über Kopf im Dachhimmel, ein kleines Fach seitlich vom Lenkrad, zwei Fächer in der Armlehne sowie ein Fach für Getränkedosen. Die Fondpassagiere müssen sich mit Taschen an den Rückseiten der Vordersitze sowie einem flachen Fach in der Mittelarmlehne begnügen. Immerhin stehen ihnen Halter für Becher oder Getränkedosen zur Verfügung. Im GTS sind alle drei Kopfstützen auf der Rückbank versenkbar. Das nützt dem Blick nach hinten, verbessert aber die Übersicht über die Karosserie auch nicht großartig. Der optionale Parkpilot hilft vorne und hinten beim Einparken.

Chromumrandungen um die Anzeigen und Aludekor an Armaturenbrett, Türverkleidungen und Lenkrad setzen sportliche Akzente im Innenraum. Der Innenraum ist in Anthrazit gehalten und als Sonderausstattung mit Ledersitzen versehen (Serie sind Velours-Polster). Die ganze Innenraumausstattung macht sowohl von der Materialauswahl wie auch von der Verarbeitung qualitativ einen guten Eindruck.

Zur Serienausstattung gehören im GTS elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, eine manuelle Klimaanlage, eine funkfernbediente Zentralverriegelung sowie das Drei-Speichen-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten und Sportsitze. Optional verfügt unser Testwagen über elektrisch anklappbare Außenspiegel (mit automatisch abblendendem Innenspiegel und Außenspiegel auf der Fahrerseite, automatischer Konsolenbeleuchtung und Regensensor), elektrische Fensterheber hinten, Bordcomputer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit Belüftung hinten, Sitzheizung vorne und hinten, Ledersitze, Geschwindigkeitsregler, Navigationssystem mit Radio und CD-Wechsler, Sonnenschutzrollos (manuell) für Heck- und hintere Seitenscheiben sowie Xenon-Scheinwerfer.

 

Der 3,2-Liter-V6-Motor ist bislang exklusiv dem GTS vorbehalten und für die Stufenheck-Version nicht verfügbar. Der schnellste Serien-Opel ist unser Testwagen nicht, denn er verfügt statt der serienmäßigen manuellen Fünfgang-Schaltung über eine neu entwickelte Fünfgang-Automatik mit ActiveSelect (manuelle Schaltoption). Das kostet ihn eine halbe Sekunde in der Beschleunigung von Null auf Tempo 100 (8 Sekunden) sowie 2 km/h an Höchstgeschwindigkeit: Mit einer Spitze von 246 km/h ist er damit der zweitschnellste Serien-Opel aller Zeiten – und das ist auch nicht von schlechten Eltern.

Zugegeben: Einen überzeugten Handschalter wird die Automatik nicht begeistern, denn subjektiv betrachtet bremst sie den 211 PS starken 3,2-Liter-Motor im Antritt ja doch ein, obwohl die Gänge der Automatik kürzer übersetzt sind als die der manuellen Schaltung. Rollt er aber erst einmal überzeugt auch die Automatik-Variante mit guten Durchzug und hervorragender Leistungsentfaltung. Und wer sich einen fixeren Antritt wünscht, kann das Schalten mit ActiveSelect auch selbst in die Hand nehmen. Allerdings brauchen die Gangwechsel auch von Hand geschaltet ihre Zeit.

Der V6-Motor ist ein Muster an Laufkultur: ruhig und vibrationsarm, einfach vom Feinsten. Auch an Durchzugskraft mangelt es ihm nicht: Schon ab 1.000 Touren liegen ständig mindestens 200 Nm an, sein Maximum von 300 Nm erreicht er bei stetigem Anstieg der Drehmomentkurve bei 4.000 U/min.

Vor allem in der Stadt ist der Automatik-V6-GTS durstig: 15,8 Liter Superbenzin je 100 km lassen eher auf andere Stärken schließen, zumal sie eine ökonomische Fahrweise voraussetzen. Der reelle Verbrauch von Otto-Normalautofahrer dürfte noch darüber liegen. „Außerorts“ liegt ihm eher – mit 7,6 Litern Verbrauch, die sich für sechs Zylinder durchaus sehen lassen können. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm erzielt er 10,7 Liter je 100 km (alles Herstellerangaben).

Komplettiert wird das Motoren-Programm für den GTS mit drei Vierzylinder-Motoren: Zwei Benzinern – 1,8 Liter Hubraum mit 122 PS sowie 2,2 Liter Hubraum mit 147 PS – und einem 2,2-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 125 PS.

 

Sportlich-agil fährt sich der Fronttriebler. Zum tadellosen Geradeauslauf gesellt sich die gut ansprechende, direkt ausgelegte Lenkung, die mit Leichtgängigkeit und präziser Linienführung vor allem in schnelleren Kurven für eine gehörige Portion Fahrspaß gut ist. Dabei vermittelt das hervorragend abgestimmte Fahrwerk genau den Schuss sportlicher Dynamik und Agilität, die man von einen sportlichen Fahrzeug erwartet.

Beim Fahrwerk hat Opel bewährte Technik mit neuesten Entwicklungen von Fahrwerksregelsystemen kombiniert. Mit seinem agilen und dynamischen Fahrwerk machte auch der Vectra B auf kurvigen Strecken eine gute Figur. Bewährt hatte sich hier die Vorderachs-Konstruktionen mit McPherson-Federbeinen, Dreiecksquerlenkern, Gasdruckstoßdämpfern und Stabilisator. Die Mehrlenkeraufhängung an der Hinterachse wurde etwas modifiziert und verfügt jetzt über drei Querlenker (vorher zwei) und einem Längslenker. Auch an der Hinterachse kommen Gasdruckstoßdämpfer und Stabilisator zum Einsatz. Auf dieser soliden Mechanik bauten die Entwickler die technischen Finessen des Interaktiven Dynamischen Fahrsystems (IDS) auf. Die Traktionskontrolle TC plus mit Motor- und Bremseingriff stabilisiert das Fahrzeug beim Beschleunigen, das ESP plus bremst bis zu drei Räder gleichzeitig ab, um das Fahrzeug in der Kurve in der Spur zu halten. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk macht aber vor allem Eingriffe des ESP nur selten nötig, der Grenzbereich liegt sehr hoch. Vor allem das ESP arbeitet sehr fein dosiert und unauffällig, dass der Fahrer die Eingriffe, wenn sie denn nötig sind, kaum mitbekommt.

Der Rüsselsheimer schreit förmlich nach schnellen Kurvenfahrten. Dabei fällt seine massive Karosserie kaum ins Gewicht. Handlich zirkelt er um die Biegungen und Kurven, da kommt Freude auf. Nur leicht angedeutet kündigt ein Untersteuern bei hohem Tempo den nahenden Grenzbereich an. Sicher und problemlos meistert er auch plötzliche Spurwechsel und das anschließende wieder Einscheren.

Serienmäßig sind alle Vectra GTS mit 16-Zoll-Stahlrädern (inkl. Radabdeckung) ausgestattet, das gilt auch für die V6-Topmotorisierung. Unser Testwagen stand auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern mit 215/55er Bereifung. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum (trotz 211 PS nur vorne innenbelüftet!) zeigt sich in Ansprechen, Dosierbarkeit und Wirkung den Ansprüchen der starken Motorisierung aber gewachsen und verzögert im Notfall schnell und sicher.

Gute 20 mm tiefer liegt der GTS auf der Straße, straffer als die komfortable Stufenheck-Limousine ist er in seiner Feder-Dämpfer-Abstimmung ausgelegt. Dabei ist er aber mit den 16-Zoll-Reifen immer noch recht komfortabel, zumal für die ganz Sportlichen ja auch noch 17-Zoll-Räder mit 225/45er Reifen optional verfügbar sind.

Genau wie beim Stufenheck ist die Sicherheitsausstattung schon ab Werk vorbildlich: Eine Sicherheitskarosserie mit computerberechneten Verformungszonen, Rammschutzträger und hochfeste Profile in den Türen, verstärkte Dachquerträger, Säulen und Schweller aus hochfestem Stahl sowie eine verwindungssteife Fahrgastzelle hat Opel dem Vectra zum passiven Schutz der Passagiere mitgegeben. Auskuppelnde Pedale, Sicherheitslenksäule, Kopfstützen und Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Sitzen, Front- und Seitenairbags für die Frontpassagiere sowie Kopfairbags für vorne und hinten, aktive Kopfstützen mit Lehnenunterstützung vorne und Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den äußeren Plätzen hinten runden den Schutz im Falle eines Unfalles ab. Auch die aktiven Hilfen für den Fahrer sind neuester Stand der Technik: das Interaktive Dynamische Fahrsystem (IDS) umfasst die Traktionskontrolle TC Plus, ein ESP der neuesten Generation (ESP plus) sowie ABS mit Kurvenbremskontrolle CBC, Bremsassistent und elektronischer Bremskraftverteilung. Die Bremsbelagverschleißanzeige ist Serie, die Einparkhilfe optional verfügbar, ebenso eine Reifendruckkontrolle.

 

Zu Preisen ab 22.750 Euro ist der Vectra GTS mit 1,8-Liter-Ecotec-Motor zu haben. Für die Sechszylinder-Topmotorisierung muss man ab 27.450 Euro hinblättern. Aufpreis kosten die Mineraleffekt-Lackierung, elektrisch anklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber hinten, Bordcomputer, Klimaautomatik, Sitzheizung, Ledersitze, Geschwindigkeitsregler, Navigations-Audio-System, Sonnenschutzrollos sowie Xenon-Scheinwerfer.

Opel gibt zwei Jahre Gewährleistung für den Wagen und alle beim Opel-Partner eingebauten Ersatzteile sowie zwölf Jahre auf die Karosserie. Die Service-Intervalle hängen vom persönlichen Fahrstil und den Einsatzbedingungen ab und werden über die Service-Intervall-Anzeige angezeigt. Sie können bis zu 30.000 km betragen, aber maximal zwei Jahre. Die Versicherungen stufen den stärksten Vectra GTS in die Typklassen 19 / 21 / 35 (KH / VK / TK).

© April 2003 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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