Jaguar X-Type 2.0 V6

Testbericht.
Jaguar X-Type 2.0 V6 Sport
Das Kätzchen aus Coventry
Von Petra Grünendahl

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Jaguars jüngster Spross, der X-Type, kann ja seine Kinderstube nicht verleugnen. Vier Rundscheinwerfer vorne, die Kühlergrillumrandung und die gewölbte Motorhaube sowie die gebogene Seitenlinie erinnern ja doch ein wenig an die große Limousine aus Coventry namens XJ. Dass diese Zutaten aber nicht nur an 5,02 m Karosserie gut aussehen, sondern auch auf „nur“ 4,67 m eine gute Figur machen, beweist der „kleine“ X-Type-Jaguar. Zeitlos elegant geschnitten kommt die Karosserielinie nie aus der Mode.

Motorisiert war unser kleiner Jaguar mit dem Basismotor, einem 2-Liter-Sechszylinder, der erst seit Anfang 2002 verfügbar ist. Aber auch den 2.0 V6 gibt es in der Ausstattungsvariante Sport. Lackiert war unser Testwagen in Adriatic-Blau Metallic.

 

Kühlergrillumrandung, Kofferraumzierleiste und Stoßfängerzierleisten in Wagenfarbe kennzeichnen die Ausstattungsvariante Sport, Basis und Executive-Modell zieren hier Chromteile. Die Übersicht über die Karosserie ist ganz okay, aber trotzdem leistet die Einparkhilfe (gegen Aufpreis) gute Dienste.

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Vier Türen bieten den Passagieren ausreichend Komfort beim Einstieg. Das Platzangebot ist gut. Hinten sitzen zwei Leute sehr kommod, bei dreien wird es etwas eng um die Ellenbogen. Optimale Sicherung mit Drei-Punkt-Gurten und Kopfstützen hat Jaguar aber für den Fall der Fälle für fünf Passagiere integriert. Die mittlere Kopfstütze ist versenkbar, was eine bessere Sicht nach hinten gewährleistet.

Die Sportsitze in der ersten Reihe sind nicht zu straff gepolstert, gut konturiert und bieten guten Seitenhalt. Die schwarzen Lederbezüge kosten Aufpreis, Serie ist eine Stoff-Leder-Kombination. Die vorderen Sitze sind elektrisch einstellbar, auch das kostet aber extra. Der Laderaum ist nur relativ flach zu beladen, fasst aber mit 452 Litern viel Gepäck. Nur gegen Aufpreis gibt es allerdings die asymmetrisch geteilt umklappbare Rücksitzlehne, mit deren Hilfe sich der Laderaum bis hinter die Vordersitze erweitern lässt. Unser X-Type hat ein Leergewicht von 1.465 kg. Das erlaubt eine maximale Zuladung von beachtlichen 560 kg.

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Trotz der Jaguar-typischen elegant geschwungenen Linienführung ist das Cockpit eigenständig gestaltet. Das Vogelhornahorn im Armaturenbrett in der Farbe Smoke Grey ist allerdings Geschmackssache, in der Classic-Ausführung (im Basismodell Serie, im Sport Option ohne Aufpreis) sieht es wenigstens nach Holz aus. Die Materialqualität ist gut, ebenso die Verarbeitung. Schnell findet man sich bei den Schaltern, Knöpfen und Anzeigen zurecht, handhaben lässt sich alles, ohne groß den Blick von der Straße zu nehmen. Das Navigationssystem ist sehr einfach über den Bildschirm zu bedienen. Das ist zwar schön einfach, aber hat auch seine Tücken: Der Bildschirm wird schnell fleckig!

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All die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens inklusive Klimaanlage sind ab dem Basismodell Serie. Die Sport-Ausstattung verfügt noch zusätzlich über ein paar sportliche Extras wie Sportfahrwerk und breitere Reifen. Aufpreis kosten solche Komfort-Features wie Klimaautomatik oder Navigationssystem.

 

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Das „2.0“ ist ja eine kleine Untertreibung, denn eigentlich hat der Sechszylinder-Motor fast 2,1 Liter Hubraum. Mit 156 PS ist der kleine Jaguar ja nicht schwächlich motorisiert, aber er braucht Drehzahl: Erst bei 4.000 U/min. liegt das maximale Drehmoment von 196 Nm an. Der Antritt ist dagegen eher was für gelassene Fahrer. Wenn der kleine X-Type erst mal auf Touren gekommen ist, läuft er ganz gut. Langstreckenkomfort und Reserven für zügige Überholmanöver auf der Autobahn bringt er jedenfalls mit. Der V6-Vollaluminium-Motor glänzt durch seine Laufkultur: ruhig und vibrationsarm ist er im Innenraum kaum wahrzunehmen. Die manuelle Fünfgang-Schaltung schaltet sich leicht, sportlich knackig und präzise.

In 9,4 Sekunden beschleunigt der X-Type 2.0 aus dem Stand auf Tempo 100. Bei 210 km/h erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit. In der Stadt verbraucht der Wagen 12,7 Liter Superbenzin je 100 km, außerorts ist er weniger durstig und begnügt sich mit 7,1 Liter je 100 km – eine Reiselimousine halt. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm konsumiert er 9,2 Liter je 100 km (alles Herstellerangaben). Er erreicht die Abgasnorm EU3.

 

Das Getriebe überträgt die Motorkraft auf die Vorderräder, was bei Jaguar eine Premiere darstellt; mit den größeren Motoren (einem 2,5-Liter-V6 sowie einem 3-Liter-V6) verfügt der X-Type nämlich über Allrad-Antrieb. Die Lenkung ist direkt und sehr präzise ausgelegt und vermittelt guten Fahrbahnkontakt.

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Sehr sicher und neutral liegt der Fronttriebler auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten auf der Straße. Die serienmäßige Stabilitätskontrolle ESP (heißt hier DSC) kommt bei einem erst hoch angesiedelten Grenzbereich kaum zum Zuge. Agil und mit einer sportlichen Dynamik lässt er sich bewegen, dass es einfach Spaß macht. In zu schnellen Kurven deutet er durch ganz leichtes Untersteuern das Nähern der Haftungsgrenze an. Plötzliche Spurwechsel und Ausweichmanöver meistert er bravourös, solide und spurtreu.

Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) packen direkt, aber gut dosierbar zu. Erst bei einer Vollbremsung wirken sie vielleicht etwas schwammig, aber der Wagen kommt trotzdem sehr schnell zum Stand.

Trotz Sportfahrwerk und breiter Reifen – der X-Type Sport steht auf 17-Zoll-Rädern mit 225/45er Reifen – ist er eher komfortabel, aber nicht weich ausgelegt. Kleine Unebenheiten steckt er locker weg. Auch von größeren spüren die Insassen nicht viel, die Dämpfer unterdrücken wirksam größere Aufbaubewegungen der Karosserie.

Die Sicherheitsausstattung des X-Type umfasst serienmäßig Seitenaufprallschutz in den Türen, Energie absorbierende Kopfaufprallzonen, zweistufige Frontairbags und Seitenairbags vorne, Kopfairbags vorne und hinten sowie Drei-Punkt-Gurte und Kopfstützen auf allen Plätzen. Zur aktiven Sicherheitsausstattung gehören neben dem hervorragend abgestimmten Fahrwerk u. a. ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Traktionskontrolle und das elektronische Stabilitätsprogramm DSC.

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Die Fahrzeug-Entriegelung in zwei Stufen macht mittlerweile Schule: Auch im X-Type öffnet sich auf den ersten Klick der Fernbedienung nur die Fahrertür, auf den zweiten Klick alle anderen Türen. Der Kofferraum kann separat geöffnet werden. Außerdem verriegeln sich alle Türen beim Anfahren automatisch.

 

Ab 28.000 Euro kann man schon Jaguar fahren – im 2-Liter-Modell mit Basisausstattung. Der 2-Liter-X-Type in der Sport-Version steht ab 31.800 Euro in der Preisliste. Zur Basisausstattung zählen elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, beheizbare Scheibenwaschdüsen, Klimaanlage, Audiosystem mit Radio und Cassette sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung inkl. Alarmanlage. Die Sport-Ausstattung umfasst zusätzlich ein Sportfahrwerk, schicke 17-Zoll-Leichtmetallfelgen (statt der serienmäßigen 16-Zöller), Lederschaltknauf und Leder-Sportlenkrad, Stoff-Leder-Sportsitze sowie eine elektrische Sitzeinstellung vorne. Aufpreis kosten im X-Type Sport die Metallic-Lackierung, Klimaautomatik, Navigationssystem, das elektrische Glas-Hub-Schiebedach, Einparkhilfe, Leder-Sportsitze, Xenon-Scheinwerfer sowie das Sicht-Paket mit Regensensor, automatisch abblendendem Innenspiegel und sensorgesteuertem Fahrlicht.

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Jaguar gewährt drei Jahre Garantie auf den Wagen ohne Kilometerbegrenzung, ebenso drei Jahre auf Lack und Oberflächenkorrosion. Sechs Jahre gibt Jaguar auf die Karosserie gegen Durchrostung. Eine dreijährige Mobilitätsgarantie rundet das Paket ab. Die Versicherungen stufen den X-Type 2.0 in die Typklassen 17 / 24 / 32 (KH / VK / TK) ein.

 

© August 2002 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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