Porsche Boxster

Testbericht.
Porsche Boxster
Der Porsche für Einsteiger
Von Petra Grünendahl

 

Seine Formen sind richtig sexy mit Rundungen und Kurven an den richtigen Stellen – wenn bloß die Farbe nicht wäre: hochmodisches Silbergrau Metallic (!), heißt bei Porsche Arktissilber, – dazu ein schwarzes Stoffverdeck. Das Interieur ist immerhin passend in Boxsterrot mit schwarzen Instrumenteneinsätzen gehalten. Geschmackvolle Kontraste müssen halt sein!

Porsches Kleinster ist der höchst erfolgreiche Einsteiger in die hohe Schule der Zuffenhausener Sportwagen. Mit 2,7-Liter-Boxermotor und 220 PS durften wir ihn testen.

 

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Der Einstieg ist angenehm: Gut zugängliche, angenehm straffe, konturierte Sitze, fast alles ist Leder im Fahrgastraum. Der Boden ist mit Teppich ausgelegt. Das ist so richtig zum Wohlfühlen, man möchte gar nicht mehr aussteigen. Hochwertige Materialien, tadellose Verarbeitung – hier ist fast alles vom Feinsten. Nun gut, die Heckscheibe ist aus Kunststoff, dafür verschwindet aber das Stoffverdeck samt Kunststofffenster auf Knopfdruck elektrisch innerhalb von knappen 13 Sekunden unter der Abdeckung in der Karosserie. Offen ist der 4,32 m lange, 1,78 m breite Roadster sogar übersichtlich. Geschlossen empfiehlt sich wegen des kleinen Heckfensters eine Einparkhilfe.

Vollelektrisch lassen sich die Sitze auf die ideale Sitzposition justieren. Eine Memory-Taste ermöglicht das Abspeichern der Einstellungen für drei verschiedene Fahrer. Die Bedienung von Schaltern und Tasten im Armaturenbrett und auf der Mittelkonsole sind gut handhabbar angeordnet, lediglich die Klimaautomatik sitzt vielleicht etwas tief, aber hier muss man ja nicht ständig nachregeln. Dank einer Abdeckung über den Anzeigen lassen sich diese auch bei Sonne gut ablesen.

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Ein Handschuhfach ist nicht vorhanden, dafür aber Fächer in den Türen, unter dem Windschott, Taschen auf den Rückseiten der Sitzlehnen sowie ein abschließbares Fach in der Mittelkonsole. Zwei Laderäume – einer hinten, hinter dem Motor, der andere vorne – fassen jeweils 130 Liter Gepäck.

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Das vordere Fach ist tiefer und bietet mit einer Ladehöhe von 52 cm Platz für sperrigere Güter wie Köfferchen, Reisetasche oder Einkaufskisten. Hinten ist das Ladefach zwischen 20 und 35 cm hoch und eher für flachere Gegenstände geeignet: Die Klappstühle für den Ausflug finden hier Platz, oder die unvermeidliche quergelegte Golftasche. Bei einem Leergewicht von 1.335 kg (inkl. Fahrer, 75 kg) liegt die maximale Zuladung bei 235 kg. Das ist nicht viel, sollte aber für den Beifahrer und das kleine Gepäck reichen.

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Ab Werk sind elektrische Fensterheber, elektrisch von innen einstellbare und beheizbare Außenspiegel sowie das elektrische Verdeck ab der Basisausstattung dabei. Die Heizung/Lüftung mit vierstufigem Gebläse gehört zur Serienausstattung, die Klimaautomatik gibt es gegen Aufpreis.

 

Der 2,7-Liter-Sechszylinder-Boxermotor, der zum Modelljahr 2000 den bis dahin verbauten 2,5-Liter-Motor ablöste, kann trotz seiner 220 PS nur als Einstieg in die Porsche-Welt verstanden werden. Gegen den erheblich bissiger beschleunigenden 3-Liter-Sechszylinder aus dem Z3 Coupé von BMW (231 PS) wirkt er im Antritt und in der Elastizität eher brav. Wer es rassiger mag, sollte sich dann für den Boxster S entscheiden, der aus 3,2 Litern Hubraum 250 PS – und mehr Sportsgeist – entwickelt.

In punkto Laufkultur ist der kleine Sechszylinder aber schlichtweg fabelhaft und braucht sich hinter seinen Münchener Pendants nicht zu verstecken. Sehr laufruhig, superkultiviert und vibrationsarm geht er zu Werke. Antritt und Durchzug sind gut, aber keineswegs rassig. Sein maximales Drehmoment von 260 Nm liegt erst bei 4.750 U/min. an. Und auf so viele Touren will der Motor erst mal gebracht werden …

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Von Null auf 100 km/h braucht der kleine Boxster 6,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Der Boxermotor verbraucht 9,9 Liter Super Plus auf 100 km im gemischten Fahrzyklus nach EU-Norm. In der Stadt sind es 14,3 Liter, außerstädtisch 7,4 Liter (alles Herstellerangaben).

Die manuelle Fünfgang-Schaltung lässt sich sicher und präzise führen, allerdings sind die Schaltwege recht lang für einen Sportwagen. Die Hochleistungsbremsen – innenbelüftete Scheibenbremsen rundum mit großdimensionierten Bremsscheiben und Bremssätteln in Monobloc-Bauweise, die jeweils mit 4-Kolben-Alu-Festsätteln ausgestattet sind – sprechen gut an und verzögern auf Büffeltritt tadellos, umgehend und spurtreu.

 

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Die Lenkung ist direkt und präzise und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. Mittelmotor-Heckantrieb sorgen für eine unvergleichliche Straßenlage. Hervorragend ist sein Geradeauslauf, wie auf Schienen nimmt der Boxster auch die schnellen Kurven. Super-solide, spurtreu und sicher absolviert er plötzliche Spurwechsel ebenso wie das anschließende Wiedereinscheren. Der Grenzbereich ist sehr hoch angesiedelt, ihn auf trockener Straße zu erreichen ist schon schwierig.

Auch bei forcierter Fahrt kommt das elektronische Stabilitätsprogramm PSM kaum zum Einsatz. Die breiteren Reifen – 225/40 ZR 18 vorne, 265/35 ZR 18 hinten (Serie: 205/55 ZR 16 vorne, 225/50 ZR 16 hinten) – tun ihr Übriges, den Wagen jederzeit möglichst stabil auch in schnellen Kurven auf der Straße zu halten. Straff liegt der Boxster auf der Straße, kleine Unebenheiten steckt er aber locker weg.

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Passive Sicherheit bietet den Passagieren die hochfeste Karosseriestruktur mit definierten Deformationszonen, Seitenaufprallschutz in den Türen sowie Überrollschutz durch den stabilen Frontscheibenrahmen und Bügeln hinter den Sitzen, die über die integrierten Kopfstützen hinausreichen. Drei-Punkt-Gurte, Frontairbags sowie cabriotaugliche Seitenairbags, die nicht nur Brust und Becken, sondern auch den Kopf bei einem Aufprall selbst bei geöffnetem Verdeck wirkungsvoll schützen.

Für die aktive Sicherheit sorgen die ganz hervorragende Fahrwerksabstimmung sowie Hochleistungsbremsen mit ABS. Auf Wunsch gibt es das elektronisches Stabilitätsprogramm PSM (inklusive Antriebsschlupfregelung).

 

Ab 82.356 Mark ist der Porsche Boxster zu haben. Die Grundausstattung schließt die kleinen Annehmlichkeiten des Autofahrerlebens ein. Die Metallic-Lackierung schlägt zusätzlich mit 1.543 Mark zu Buche, das elektronische Stabilitätsprogramm PSM mit 1.928 Mark und die Geschwindigkeitsregelung Tempostat mit 828 Mark. Zur Serienausstattung gehören 16-Zoll-Leichtmetall-Räder, 18-Zöller wie an unserem Testwagen sind inklusive der entsprechenden Bereifung und Diebstahlsicherung ab 3.732 Mark zu haben.

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Die Aufpreisliste für Sonderwünsche im Interieur ist lang, die Optionen vielfältig, edel und teuer. Der Innenraum ist außer in Schwarz mit Leder und Folien bezogen in Leder, Holz, Carbon und Alu/Edelstahl/Chrom zu haben. Da ist für jede Geschmacksrichtung was dabei. Das Lederinterieur in Boxsterrot (Sonderfarbe) mit Vollleder-Sportsitzen, Lenkrad, Schalt- und Bremshebel, Armaturenträger und Türverkleidung kostet 5.797 Mark, die Leder-Mittelkonsoleverkleidung vorn und hinten machen noch einmal 2.157 Mark. Die weitere Sonderausstattung umfasst ein Drei-Speichen-Sportlenkrad (1.622 Mark), vollelektrische Sitze mit Memory-Funktion (2.859 Mark), ein Windschott mit Ablagebox (613 Mark), Bordcomputer (510 Mark), Klimaautomatik (3.675 Mark) und Sitzheizung (715 Mark). Sinnvoll sind auch ein Hardtop (4.050 Mark) und die Alarmanlage mit Innenraumüberwachung und Fernbedienung (930 Mark).

Porsche gewährt zwei Jahre Garantie auf den Wagen, drei auf den Lack sowie zehn Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Zwei Jahre Mobilitätsgarantie gibt Porsche dem Fahrzeug ebenfalls mit. Diese Mobilitätsgarantie kann gegen geringe Beiträge von Jahr zu Jahr verlängert werden.

Die Einstufung in der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung ist ein Sonderangebot: Typklasse 13. Die Einstufungen in der Kasko (VK 32 / TK 35) können dann aber wieder als klassenüblich gelten.

© Dezember 2001 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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