Opel Astra G Coupé 2.2

Testbericht.
Opel Coupé 2.2
Schick und sportlich
Von Petra Grünendahl

 

Das Opel Coupé steht in einer langen Tradition von Familiencoupés aus Rüsselsheim. Wer aber bei dem neuesten Spross an Mannis alten Manta denkt, ist schief gewickelt. Italienisches Design, eine langgestreckte Karosserie, hochwertige Materialien und tadellose Verarbeitung machen das auf dem Astra basierende Coupé zu einem feinen Gefährt(en), mit dem man sich auch auf den Prachtboulevards nicht zu verstecken braucht.

Opel Coupé

Die mittlere Motorisierung, ein 2,2-Liter-16V-Ottomotor mit 147 PS trieb unseren karbonschwarzen Testwagen an. Der auf 125 PS erstarkte 1.8 16V – er ist der aktuelle Topmotor im Astra – und der neue 2.0 16V Turbo mit 190 PS runden die Motorenpalette ab. Schwarz ist allerdings alles andere als eine ideale Lackierung, da die Fahrzeugfront damit ziemlich finster dreinschaut.

Opel Coupé

Mit seinen 4,27 ist er 15,5 cm länger als der Astra, 1,5 cm länger als das Astra Stufenheck und 2 cm kürzer als der Kombi. Lang gestreckt, 1,39 m flach – 3,5 cm flacher als die Limousinen – und mit 1,71 m genau so breit. Unter diesem Maßen versteckt sich ein schickes Blechkleid.

Alu-Einstiegsleiten mit Bertone-Schriftzug, schicke, straffe Sportsitze in Leder mit silbergrauem Alcantara, helle Alcantara-Verkleidung an den Türen und schwarzes Cockpit mit metallgrauer Mittelkonsole laden zum Einsteigen und Wohlfühlen. Die inneren Werte des sportlichen Viersitzers setzen sich fort im aufgeräumten Cockpit, in dem kein Schalter zuviel, aber dafür auch alles blind zu erreichen ist.

Die Ablagen sind im Cockpit allerdings nicht gerade reichlich gesäht. In der Mittelkonsole ist mit Navigationsradio und CD-Wechsler kein Platz mehr für ein einfaches Fach für die Sonnenbrille. Zwei Ablagefächer in den Türen, das Handschuhfach, ein Fächlein links unter dem Lenkrad sowie der Aschenbecher für den Kleinstkram des Nichtrauchers müssen den Frontpassagieren zum Verstauen reichen.

Opel Coupé

Auf den zwei Sitzen hinten können auch Erwachsene ganz gut sitzen, wenn die Frontpassagiere nicht zu viel Platz für ihre Beine brauchen. Die Easy-Entry-Funktion verhilft den Hinterbänklern zu einem komfortablen Einstieg. Familienqualitäten hat das Coupé aber nur bedingt. Wenn die Kinder größer werden, sollte man sich wohl doch besser nach einem Kombi umsehen. Der Kofferraum ist mit 460 Liter Volumen gut zu gebrauchen, die erlaubte Zuladung von nur 387 kg reicht aber nicht für das Familiengepäck auf Reisen.

Opel Coupé

Hinten ist das Coupé mit der elegant ansteigenden Dachlinie allerdings etwas unübersichtlich. Eine Park-Distance-Control täte ihm gut. Ein Original-Opel-Parkpilot kann nachträglich eingebaut werden und ist für 580,66 Mark zzgl. Einbaukosten zu haben.

 

Mit dem 2,2-Liter-Sechszehnventiler mit 147 PS ist das Coupé schon ausreichend motorisiert. Es ist nur wenig schwerer als der Astra, was dem Motor leichtes Spiel lässt mit der Karosserie. Das Sportgetriebe ist für sportlich doch recht lang abgestuft (die Astra-Sportgetriebe-Abstufung ist kürzer), was sich ab dem zweiten Gang beim Durchzug ein wenig bemerkbar macht. Auch ein sportliches Auto soll halt nicht so viel verbrauchen. Den Verbrauch im gemischten Zyklus nach EU-Norm gibt Opel mit 8,4 Litern Superbenzin auf 100 km an, 12 Liter sind es in der Stadt, 6,3 Liter außerstädtisch – und mit sportlichem Gasfuß ist doch etwas mehr.

Opel Coupé

Wenn man in unteren Gängen zur kraftvollen Beschleunigung kräftig aufs Gas tritt und höhere Drehzahlregionen erklimmt, macht sich der Sechszehnventiler mit einem sportlichen Brummen bemerkbar. In höheren Gängen ist er auch bei höheren Drehzahlen ruhig, ein Muster an kultivierter Laufruhe, keine Vibrationen, nur ein leises Säuseln, welches mit den relativ geringen Windgeräuschen kaum in den Innenraum dringt. Antritt und Durchzugsvermögen sind dem Coupé angemessen. Wer den großen Sportler raushängen lassen will, sollte zum 2-Liter-Turbo greifen. Eine Beschleunigung von Null auf Tempo 100 in 8,8 Sekunden ist für den 2.2 ok, 218 km/h Spitze auch.

Serienmäßig verfügt das Coupé über 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 205/50er Bereifung. Für die kalte Jahreszeit stand er auf 15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 195/60er Winterreifen. Doch auch mit der schmaleren Bereifung packen die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) kräftig zu und haben leichtes Spiel, dem Vortrieb ein endgültiges und rasches Ende zu bescheren.

Opel Coupé

Sportlich direkt ist die Lenkung, präzise folgt der Wagen den Lenkbefehlen des Fahrers. In Punkto Kurvenverhalten und Handling zeigt der Abkömmling des Astra seine gute Kinderstube: leichtfüßig und zielsicher tänzelt er auch um flott gefahrene Kurven, dass es richtig Spaß macht. Lange bleibt sein Fahrverhalten neutral, bis er sich bei zu hohen Kurvengeschwindigkeiten mit leichtem Untersteuern bemerkbar macht.

Mit Hilfe eines Sportfahrwerks ist er im Vergleich zum Astra um 20 mm tiefer gelegt. In Verbindung mit der sportlich-straffen Federung verleiht ihm das eine bodenständige Straßenlage, die dem Kurventänzer bei allem Fahrspaß die nötigen Sicherheitsreserven garantiert. Klein und handlich erscheint der agile Rüsselsheimer dem Fahrer bei plötzlichen Spurwechseln oder Ausweichmanövern, so gar nicht nach fast 4,30 m.

Serienmäßig geschützt sind die Insassen durch eine Sicherheitskarosserie mit Rammschutzträgern in den Türen, verstärkte Säulen und Schweller, eine verwindungssteife Fahrgastzelle, vier Airbags und aktive Kopfstützen vorne, höhenverstellbare Kopfstützen hinten, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen vier Sitzen, ABS, die Traktionskontrolle TC Plus, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (ab 2.2 Serie) und das bewährte DSA-Sicherheitsfahrwerk.

Opel Coupé

Für Einsteiger gibt es das Opel Coupé mit 1,8-Liter-Sechzehnventiler für 38.380 Mark. Für den 2.2 16V legt man zwar mit 42.900 Mark etwas mehr auf den Tisch, bekommt aber dafür weit mehr als nur einen stärkeren Motor. Der Bordcomputer mit Check Control System und wahlweise CD-Radio bzw. Cassetten-Radio sind dabei ebenso Serie wie die Klimaanlage (inkl. Fußraumheizung hinten), ein Geschwindigkeitsregler und ESP. Als Serienausstattung hat Opel schon der Basismotorisierung einiges mitgegeben: umfangreiche Sicherheitsfeatures, Nebelscheinwerfer, Sportsitze vorne, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel (in Wagenfarbe lackiert), elektrische Fensterheber, asymmetrisch geteilt umklappbar Rücksitzlehne (wobei die rechte kurze „Hälfte“ nur für schmales Ladegut taugt), Seitenschutzleisten, Türgriffe und Seitenschutzleisten in Wagenfarbe, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und Wegfahrsperre. Extra kostete in unserem Testwagen lediglich die Leder-/Alcantara-Ausstattung (3.250 Mark – die Lederausstattung gibt es übrigens für den gleichen Preis sogar mit Sitzheizung!), das Winterpaket mit Scheinwerfer-Reinigungsanlage (515 Mark), das Navigationsradio mit CD-Wechsler (2.275 Mark) sowie das Schiebe-/Ausstelldach (1.480 Mark). Damit liegt der luxuriös ausgestattete Rüsselsheimer allerdings schon bei 50.420 Mark: ein stolzer Preis für ein nobles Auto, aber etwas weniger Luxus tut es auch …

Opel gewährt ein Jahr Garantie auf den Wagen und alle beim Opel-Partner eingebauten Originalteile, drei Jahre auf die Batterie und zwölf Jahre gegen Durchrostung und gibt eine Mobilitätsgarantie beim Einhalten der Wartungsintervalle. Alle 30.000 km (oder einmal im Jahr) muss das Coupé zum Service in die Werkstatt. Die Versicherungseinstufungen halten sich mit 18 / 20 / 34 (KH / VK/ TK) in einem für ein Coupé gerade noch akzeptablem Rahmen.

© Dezember 2000 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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