Nissan Almera Tino 2.0

Testbericht.
Nissan Almera Tino 2.0 AT Comfort
Der variable Familienfreund
Von Petra Grünendahl

 

Mit seinen 4,26 m Länge, 1,75 m Breite und 1,61 m Höhe hat er kompakte Maße und ist als Van eine handliche Größe auch beim Rangieren und Einparken, bietet aber ausreichend Platz für eine Familie mit drei Kindern. An das Aussehen von Vans haben wir uns gewöhnt, der Nissan Almera Tino, auf der Basis des kompakten Almera entwickelt, hat ein ansprechendes Gesicht und die fast schon Nissan-typische Tugend der Unauffälligkeit.

Wir fuhren einen aquamarinblauen (Mineraleffekt-Lackierung) Almera Tino Comfort mit 2-Liter-Motor (136 PS) und stufenlosem Automatik-Getriebe. Ein 1,8-Liter-Ottomotor sowie ein 2,2-Liter-Turbodiesel (beide mit 114 PS) runden die Motorenpalette ab. Als Ausstattungsvarianten gibt es unter dem Comfort die Basis, als Top-Modell die Elegance-Ausstattung.

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Die Sitzposition trotz Bemühungen, den Sitz tief zu installieren, immer noch relative hoch und vermittelt ein Van-Gefühl. Mit 1,61 m ist die Höhe des Fahrzeug allerdings nicht allzu üppig bemessen, so dass sehr groß Gewachsene sich mit wenig Kopffreiheit bescheiden müssen. Vorne wie hinten sitzen die Passagiere auf gut konturierten Sitzpolstern. Angenehm straff, mit strapazierfähigen Stoffen bezogen sind die Sitze auch langstreckentauglich.

Das Cockpit ist in Kunststoff in verschiedenen Grautönen gehalten – das wirkt hochwertig –, etwas zerklüftet, die hellen Farben der Oberflächen spiegeln sich leider im Tageslicht in der flachen Frontscheibe. Ansonsten ist das Armaturenbrett ergonomisch und funktional gestaltet und gibt keinerlei Rätsel auf. Das Lenkrad ist höhenverstellbar.

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Praktische Ablagen überall machen den Tino zum Verpackungskünstler: von Ablagefächern und –netzen in den Vordertüren, einem Handschuhfach, einem Ablagefach mit Deckel auf dem Armaturenbrett und zwei kleine Fächer in Cockpit-Mittelteil über Fächer in den hinteren Türen und Ablagetaschen an den Rückseiten der Vordersitze bis hin zu Schubladen unter den Vordersitzen, (herausnehmbare) Körben vor den Rücksitzen sowie Staufächern darunter. Lediglich das Sonnenbrillenfach über den Innenspiegel taugt nur für Nicht-Brillenträger, da ein Wiederverstauen der zweiten Brille über Kopf und beim Fahren alles andere als ungefährlich ist. Brillenträger benutzen besser das Stiftfach vor den Getränkedosenhaltern auf der Mittelkonsole. Da liegt die Sonnenbrille viel handlicher.

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Der Laderaum lässt sich von 440 Litern durch Umklappen der Rücksitze und dachhohe Beladung auf 1.950 Liter erweitern. Grenzen setzt da lediglich die nicht gerade üppige 410 kg Zuladung. Insgesamt 10 Befestigungsösen im Kofferraum sind Serie, ab der Comfort-Ausstattung gibt es auch die Netze zum Sichern der Ladung dazu.

Das große Plus des kompakten Vans sind die 24 Verstellmöglichkeiten der hinteren Sitze: Vom dreigeteilten Umklappen der Lehne und den Ausbau des mittleren Sitzes über das Nach-vorne-klappen der äußeren Einzelsitze bis hin zum Komplettausbau lässt sich der Van für die vielseitigsten Transportaufgaben herrichten.

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Der 2-Liter-Ottomotor ist eine ordentliche Motorisierung für den 1,5 t schweren Kompakt-Van. Diese Motorisierung wird leider bislang nur mit einem stufenlosen CVT-Getriebe angeboten. Die Getriebeübersetzung ist auf sparsam ausgelegt und nicht unbedingt für einen spontanen Antritt gut. Das Gewicht des Wagens tut sein übriges, dass man diesem Wagen nicht gerade Temperament nachsagen kann.

Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h braucht der 136 PS starke Van 12,6 Sekunden und nimmt sich damit praktisch nichts mit den nominell 22 PS schwächeren 1.8 (12,7 Sek.) und 2.2 DI (12,5 Sek.). Im Verbrauch liegt er als stärkster Benziner mit Automatik-Getriebe natürlich an der Spitze seiner Baureihe: 9,3 Liter Superbenzin auf 100 km im gemischten Zyklus nach EU-Norm, 12,9 Liter innerorts, 7,2 Liter außerorts (alles Herstellerangaben) sind der Preis. Mit 180 km/h Spitzengeschwindigkeit schwimmt der Tino anständig im flotten Autobahnverkehr mit und ist für zügige Überholmanöver gut. Der Motor erfüllt bislang allerdings nur die Euro-3-Abgasnorm.

Die Schaltvorgänge sind beim stufenlosen CVT-Getriebe nicht zu spüren. Die Abstufung zielt mehr auf Sparsamkeit, als auf Durchzug, was nicht nur unter Volllast zu etwas zäher Beschleunigung führt. Schneller kommt der Tino dafür aber dank Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) und Bremsassistent wieder zum Stehen.

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Lenkbefehle setzt der Wagen präzise um, wirkt aber mit dank Größe und Gewicht seiner Karosserie etwas schwerfällig. Den Grenzbereich kündigt er durch Untersteuern an, was sich relativ problemlos durch Gas wegnehmen und gegenlenken korrigieren lässt. Bei plötzlichen Spurwechseln neigt er sich spürbar zur Seite, schaukelt sich beim Zurückschwenken in die alte Spur leicht in die andere Richtung, bleibt aber in Großen und Ganzen gutmütig und beherrschbar. Der Wendekreis fällt eher unter „gerade noch akzeptabel“.

Die Seitenneigung geht auf das Konto der hohen Karosserie in Verbindung mit einer recht komfortablen Federung. Kleine Unebenheiten schluckt der Wagen klaglos, größere dringen als leichte Stöße in den Innenraum durch, die Karosserie geht leicht in die Knie. Dennoch ist die Federung und die Dämpferabstimmung ausreichend straff, die Karosserie in sicherer Straßenlage zu halten.

Sicherheitsfahrgastzelle mit Seitenaufprallschutz, Servolenkung, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, aktive Kopfstützen vorn, Front- und Seitenairbag für die Frontpasssagiere sowie zwei Isofix-Kindersitzvorrüstungen hinten gibt es ab dem Basismodell, der dritten Drei-Punkt-Gurt und die dritte Kopfstütze hinten sind ab der Comfort-Ausstattung Serie.

Die Kindersicherung in den hinteren Türen ist ab dem Basismodell vorhanden, elektrische Fensterheber für hinten gibt es leider erst ab der Elegance-Ausstattung. Und das bei einem ausgesprochenen Familienauto! Wer viel mit den unberechnenbaren Kleinen unterwegs ist, sollte besser zur knapp 2.000 Mark teureren Elegance-Ausstattung greifen, die darüber hinaus eine Radio-/CD-Kombination (statt Radio-/Cassetten-Anlage im Comfort) mit Bedienung am Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen umfasst.

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Ab 32.300 Mark steht der Nissan Almera Tino in der Preisliste, mit 1,8-Liter-Motor und Basisausstattung. Der 2-Liter-Benziner ist nur mit CVT-Getriebe und ab Comfort-Ausstattung zu haben und kostet ab 38.900 Mark. Dafür ist der Tino Comfort serienmäßig ausgestattet mit Klimaanlage (oder wahlweise Glas-Hub-Schiebedach), Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrische Fensterheber vorn, elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln sowie ausklappbare Tische auf den Rückseiten der Vordersitze. Die umfangreichere Elegance-Ausstattung ist ab 40.900 Mark zu haben. Mehrpreis kostet einzig die Mineraleffekt-Lackierung, die mit 690 Mark zu Buche schlägt.

Drei Jahre Garantie bis zu einer Laufleistung von 100.000 km, drei Jahre auf den Lack und zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung gewährt Nissan seinen Kunden. Der Nissan Treue-Pass „Super Plus“ sowie der Nissan Pan Europe Service bieten umfassende Mobilitätsgarantien in Deutschland und Westeuropa bei Einhalten der Inspektionsintervalle. Der Ölwechsel wird alle 15.000 km fällig, die Inspektion alle 30.000 km (oder einmal im Jahr). Eingestuft ist der Almera Tino 2.0 in die Versicherungsklassen 16 / 18 / 29 (KH / VK / TK), der kleinere 1.8er sogar in 15 / 16 / 25.

© Dezember 2000 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM (5) / Nissan (1)

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