MG F 1.8

Testbericht.
Rover MGF 1.8i
Pures Roadster-Vergnügen unter lachender Sonne
Von Petra Grünendahl

mgf-1Klack, klack, wusch – drei einfache Handgriffe und er steht oben ohne da. Wusch, klack, klack – nicht mehr Aufwand und er ist wieder zu. Das Wichtigste, was ein Roadster können muss, beherrscht der MG-F perfekt. Auch die Persenning ist schnell und einfach zu handhaben. Klasse, vorne zwei Knöpfe in der Tür, zwei hinter dem Windschott, die Lasche wird im Kofferraum eingeschlossen – und schon fährt es sich vernügt unter freiem Himmel und hoffentlich strahlender Sonne. Von vorne ist er schön anzuschauen mit breiter Front, dem großen Lufteinlass unter dem Nummerschild und den Scheinwerferovalen. Mit 3,91 m ist die Karosserie sportlich kurz und knackig, mit kurzen Überhängen Nicht so richtig spannend ist das Heck mit der leichten Wölbung oben und der breiten Schürze unten, aus der – ein Lichtblick – zwei mächtige verchromte Auspuffrohre rechts und links herausschauen. Optische Highlights sind mit Sicherheit die Kühlerlufteinlässe vor der Hinterachse sowie der mit Bolzen verschraubte Alu-Tankdeckel. Wir fuhren dem MGF in Platinsilber metallic mit einem 1,8-Liter-Motor mit 120 PS.

mgf-2Platz haben zwei Personen, allerdings nicht auch noch mit Gepäck: Während der Passagierraum auch für etwas überdurchschnittlich große Leute ausreichend bemessen ist, reicht der Kofferraum gerade mal für das kleine Gepäck. Nicht nur das Verdeck, sondern auch der Mittelmotor kostet Platz unter der Kofferraumklappe. Ein Kunststofffach für Werkzeug und ähnliches unter der Fronthaube fasst zusätzlich wenigstens Rucksackgröße. Auf den ersten Blick wirkt das Interieur sehr edel: Schwarzes Cockpit, schwarze Ledersitze, Wurzelholz an der Mittelkonsole und am Schalthebel. Ab 2000er Modelljahr ist der Schaltknauf aus Aluminium, seine Lederummantelung an der Konsole eingefasst von einer Alublende, die dem Tankdeckel nachempfunden ist. Auf den zweiten Blick jedoch wirkt der schwarze Kunststoff am Armaturenbrett gar nicht mehr so hochwertig. Dennoch ist das Interieur stimmig gestaltet, man sitzt man hervorragend auf gut konturierten, straffen Sportsitzen. Sitze und Lenkrad sind mit Leder bezogen. Die serienmäßige Ausstattung wurde zum 2000er Modelljahr noch etwas aufgewertet: nun sind auch die Außenspiegel elektrisch einstellbar und beheizbar. Eine Klimaanlage ist vorhanden (gegen Aufpreis). Was fehlt, ist die Sitzheizung, die es auch als Sonderausstattung nicht gibt. Ablagefächer sind nicht so richtig reichlich gesät: ein „Handschuh“-Fach, ein Fach für Kleinstkram in der Mittelarmlehne und Getränkedosenhalter. Ein Fach für die Sonnenbrille sucht man in der Mittelkonsole vergebens

mgf-3Das Windschott sorgt für Ruhe vor dem Orkan, aber ganz windstill ist es trotzdem nicht. Bei über 140 km/h zieht es ja doch etwas mehr im Nacken und ab 160 km/h ist auch der Geräuschpegel alles andere als erbaulich, aber 160 km/h und mehr im offenen Roadster kann es ja auch nicht sein. Überhaupt ist die Haarbürste im Handschuhfach wärmstens zu empfehlen. Die Heckscheibe ist aus Kunststoff und mit einem Reisverschluss im Verdeck befestigt. Das Windschott lässt sich runterklappen, damit man auch bei geschlossenem Verdeck durch die Heckscheibe was sehen kann. Etwas klein geraten sind die Sonnenblenden – auch in ausgeklapptem Zustand. Oder bin ich bloß zu lichtempfindlich

mgf-6Der 1,8-Liter-Motor überzeugt mit sportlichem Antritt, Durchzugskraft und Laufruhe. Seine 120 PS sowie ein max. Drehmoment von 165 Nm bei 3.000/min. sind für den nicht ganz 1,1 t schweren Roadster absolut ausreichend. Von Null auf Tempo 100 sprintet er in 9,2 Sekunden, seinem Vortrieb ist erst bei 193 km/h ein Ende gesetzt. Fahrleistungen, die auch beim Fahren mit geschlossenem Verdeck nicht Ziel des Gasgebens sein können. Wer Weg ist das Ziel: mehr oder weniger gelassen über die Straßen zu gleiten, denn nur so lässt sich das offen fahren genießen. Gemäßigt ist sein Durst: 7,4 Liter Superbenzin auf 100 Kilometern sind für den sportlichen Zweisitzer im Schnitt möglich. Fast schon zierlich mutet der Schaltknüppel an. Zack, zack flutscht er zielgenau über kurze Wege in den nächsten Gang. Die Lenkung setzt Anweisungen des Fahrers direkt und zielgenau um. Allerdings arbeitet sie in den unteren Drehzahlregionen etwas schwergängig, auch ist der Wendekreis sehr groß. Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) setzen dem Vortrieb sicher und gut dosierbar ein schnelles Ende.

mgf-5Die gute Achslastverteilung macht sich beim Fahren bemerkbar: Mit Mittelmotor und Heckantrieb lastet der größte Teil des Fahrzeuggewichtes auf der Hinterachse, die Vorderachse trägt entschieden weniger und vermag damit spontanen Lenkbefehlen sehr agil zu folgen. Besonders die engen Kurven haben es dem Hecktriebler angetan. Kaum aus der Ruhe zu bringen ist der Wagen auch bei höherem Tempo. Der Grenzbereich liegt sehr hoch, aber wenn der Fahrer in der Kurve zu leichtsinnig mit dem Gaspedal spielt und das Limit erreicht ist, dreht sich der MGF ganz locker um die eigene Achse. Auch abruptes Gaswegnehmen in der Kurve kann schon mal mit einer Pirouette belohnt werden. Der Fahrkomfort ist Sportwagen-typisch mehr an guter Straßenlage, denn an den Komfortbedürfnissen der Insassen orientiert. Tief geduckt schießt der Wagen über den Asphalt. Relativ hart und ungefiltert dringen Straßenunebenheiten über die tief liegenden Sitze in das Kreuz der Passagiere. Die serienmäßige Sicherheitsausstattung umfasst ABS und Servolenkung, Fahrer- und Beifahrerairbag, Flankenschutzleisten sowie zugfeste Versteifungsrohre im Windschutzscheibenrahmen, eine Verbundglas-Windschutzscheibe sowie Crashzonen in der Front- und Heckpartie. Zum Schutz vor Langfingern ist der Wagen mit Sicherheitsverriegelung und Wegfahrsperre geschützt, Sensoren überwachen den Innenraum und melden Eingriffe von außen über die Alarmanlage.

mgf-4Ab 41.900 Mark ist der MGF zu haben. Damit gehört er zu den günstigsten Angeboten seiner Klasse. Mit serienmäßiger Alarmanlage, ABS, Fahrer- und Beifahrerairbag, elektrischen betätigten Fensterhebern und Außenspiegeln, funkfernbedienter Zentralverriegelung, Sportsitzen und 15-Zoll-Leichtmetallfelgen fährt er vor. Die Metallic-Lackierung kostet 860 Mark extra, das Hardtop 2.980 Mark und die Klimaanlage 2.200 Mark. Das Holz-Paket für die Mittelkonsole schlägt mit 225 Mark zusätzlich zu Buche, das für die Türeinsätze mit 450 Mark und die Ledersitze mit 1.600 Mark. Wer statt der serienmäßigen 15-Zöller 16-Zoll-Leichtmetaller haben möchte, legt noch einmal 1.050 Mark hin. Alles in allem ist er damit immer noch ein Sonderangebot. Bei den Versicherungseinstufungen (H: 14 / VK: 27 / TK: 34) liegt er gut im Schnitt. Rover gewährt für den MGF ein Jahr Garantie auf den Neuwagen inklusive Mobilitätsgarantie ebenso wie eine einjährige Garantie auf alle vom Rover-Händler eingebauten Originalteile. und sieben Jahre Garantie auf die Karosserie (gegen Durchrostung).

Wenn Rover eine Zukunft hat, dann hat der MGF auch eine: Ein erschwinglicher Roadster, in dem sich die Freude am offen Fahren zu einem fairen Preis-Leistung-Verhältnis verwirklichen lässt. Er ist keinesfalls perfekt – muss er auch nicht, denn Perfektion kostet Geld –, aber dennoch sehr reizvoll und einfach Freude am Fahren pur.

© Mai 2000 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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