Opel Omega 2.2

Testbericht.
Opel Omega 2.2 16V Elegance
Solider Komfort zum günstigen Preis
Von Petra Grünendahl

omega-3Mit fast 4,90 m Länge ist er rein optisch eine Größe. Gradlinig und gestreckt zieht sich die Karosserie, vom Design her ist er dagegen eher zurückhaltend und unauffällig gestaltet. Seine Qualitäten offenbart er dafür auch erst bei näherer Betrachtung.

Der neue Kühlergrill weckt Erinnerungen an den guten alten Commodore C. Stärker konturiert zeigt jetzt die Motorhaube Profil. Technisch verbessert und optisch überarbeitet startete der Omega in das Modelljahr 2000. Neu im Programm ist der 2,2-Liter-Ecotec-Motor mit 144 PS, der den 2-Liter-Motor (136 PS) als Einstieg in die Reihe ablöst. Mit dieser Einstiegsmotorisierung fuhren wir den Omega in Elegance-Ausstattung mit beigen Ledersitzen und der Metallic-Lackierung Premiumblau.

omega-5Das Platzangebot ist vorne wie hinten für alle Mitfahrer mehr als befriedigend. Auch über den Sitzkomfort auf den straff gepolsterten Ledersitzen lässt sich nicht meckern: Sie sind langstreckentauglich, Lendenwirbelstützen entlasten den Rücken der Frontpassagiere, allerdings bieten die Sitze wenig Seitenhalt. Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen Sitzen, vier Airbags und aktive Kopfstützen vorne, serienmäßig drei Kopfstützen hinten bieten umfassende Sicherheit für die Passagiere. Leider lässt sich die mittlere Kopfstütze auf der Rückbank nicht versenken. Wer sie nicht braucht, muss sie ausbauen. Das kann Opel eigentlich besser, wie die versenkbaren Kopfstützen in Astra und Vectra beweisen.

omega-6Einfach und schnörkellos ist das Cockpit gestaltet. Und wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, dass der unterste der drei fahrerseitig auf der Mittelkonsole angebrachte Knöpfe der Schalter für die Hifi-Anlage ist, kann man den Wagen sogar nur mit Blick auf die Straße fahren: Alle Schalter und Anzeigen sind gut sichtbar und in Reichweite angeordnet. Ablagefächer in den Türen, links außen unter dem Armaturenbrett, im Handschuhfach und in der Mittelkonsole sind ausreichend vorhanden. Nur ein geeignetes und gut zugängliches Fach für die Sonnenbrille fehlt in der Mittelkonsole. Ebenso ein Scheibenwischer für die Heckscheibe. Ganz nett ist das elektrische Heckrollo bei praller Sonne für die Fondpassagiere.

Das Wurzelholzdekor sieht im Omega etwas matt aus, es gefällt im Astra bedeutend besser. Nicht wirklich hochwertig wirkt jedoch die dunkle Kunststofffront des Armaturenbrettes, aber an der Verarbeitungsqualität im Passagierraum gibt es nichts zu bemängeln. Insgesamt hinterlässt der Omega einen guten, soliden und komfortablen Eindruck.

omega-4Der Kofferraum ist – sehr vorteilhaft – nur separat zu öffnen: Per Knopfdruck auf dem Schlüssel oder an der Mittelkonsole. Mit 530 Litern Ladevolumen bietet er sehr ordentlich Platz, ist fast quadratisch nutzbar, die 475 kg maximale Zuladung sind hingegen etwas mager. Unpraktisch für schweres Gepäck ist die Ladekante von 75 cm und die folgende Stufe von 22 cm, aber mit der Einladebreite von fast einem Meter – trotz Reserverad links an der Kofferraumwand – kann man leben. Die geteilt umlegbare Rückbank ermöglicht eine Ladetiefe von fast zwei Metern, wenn sich die Frontpassagiere im Platzbedarf zurücknehmen. Bis unters Dach fasst die Limousine dann 1.460 Liter.

omega-2Schon der kleinste Benziner der Reihe, der 2,2-Liter-16-Ventiler macht einen guten Eindruck: laufruhig und kultiviert dreht er hoch. Sein maximales Drehmoment von 205 Newtonmetern bei 4.000/min., das gleichbleibend hohe Drehmoment über einen weiten Drehzahlbereich und 144 PS liefern einen zügigen Antritt und ausreichend Durchzug in Fahrt. Lediglich voll beladen wirkt der Motor etwas überfordert.

Die heckgetriebene Limousine sprintet von Null auf Hundert in 10,5 Sekunden, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h geht ihr dann die Luft aus. Ganz manierlich für den kleinen Motor bei einem knapp 1,6 Tonnen schweren Wagen. Durstig ist er vor allem in der Stadt mit einem Verbrauch von 13,2 Liter auf 100 km, 9,4 Liter sind es im gemischten Zyklus nach EU-Norm (Herstellerangabe).

Der Hecktriebler verfügt über ein sauber zu schaltendes Fünfganggetriebe. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und zielgenau. Der Wagen spricht direkt auf Lenkbewegungen an und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. Neutrales Fahrverhalten zeichnet ihn auch in schnellen Kurven aus, ein Lupfen des Gaspedal bleibt ohne Folgen. Erst wenn bei zu hohem Tempo ein kräftiger Tritt auf die Bremse nötig wird, dann drängt das Heck zum Kurvenaußenrand. Ansonsten ist der Wagen nicht aus der Ruhe zu bringen, auch plötzliche Spurwechsel nimmt er gelassen hin, lässt sich trotz seines Gewichte leicht dirigieren. Mit der Servolenkung und einem Wendekreis von 10,95 m gibt er sich erstaunlich wendig und lässt sich leicht wenden und rangieren.

omega-1Pluspunkte sammelt der Wagen auch beim Fahrkomfort. Komfortabel, aber nicht zu weich gefedert, bewegt er sich über die Straßen. Kleinere Unebenheiten bügelt er klaglos glatt, aber auch größere dringen nicht als grobe Stöße in den Innenraum vor.

Dank der großdimensionierten Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet) mit „Quick Power“-Bremskraftverstärker kommt der Omega auch aus höheren Geschwindigkeiten schnell und sicher zum Stand.

Die serienmäßige Sicherheitsausstattung ist fast schon Oberklasse: aktive Kopfstützen vorne, drei Kopfstützen hinten (alle höhen- und neigungsverstellbar), Drei-Punkt-Sicherheitsgurten mit Gurtstraffern auf allen fünf Plätzen sowie vier Airbags für Fahrer und Beifahrer. Das Opelfix-Kindersitzhaltesystem sowie passende Kindersitze für jedes Alter gibt es gegen Aufpreis. An Fahrwerksregelsystemen ist er ausgestattet mit ABS, TC Plus und dem neuen S-DSA-Sicherheitsfahrwerk, ESP gibt es bislang noch nicht, aber den Elch braucht der Omega wahrlich nicht zu fürchten.

Ab 50.150 Mark ist der Omega mit dem 2.2 16V-Motor in der Grundausstattung zu haben, in der nächsthöheren Ausstattung mit der Bezeichnung „Elegance“ kostet er 54.750 Mark. Aber schon in der Grundausstattung ist er umfassend ausgerüstet inklusive Radio oder Radio mit CD-Wechsler sowie einer Klimaautomatik mit getrennter Temperaturregelung für Fahrer und Beifahrer. Die Elegance-Ausstattung umfasst zusätzlich Features wie den Bordcomputer, elektrische Fensterheber mit Tippfunktion und Einklemmschutz hinten (vorne sind Serie), Nebelscheinwerfer sowie Xenon-Scheinwerfer mit dynamischer Leuchtweitenregulierung. Zusätzlich ausgestattet ist unser Testwagen mit den netten kleinen Annehmlichkeiten der Top-Ausstattungslinie „Executive“, die es als Komplettangebot für die beiden kleinsten Motoren der Reihe nicht gibt: Geschwindigkeitsregler (597 Mark), Navigationsradio Siemens NCDR 2011 mit Farbmonitor (2.747 Mark), Lederausstattung in Verbindung mit elektrischer 8-Wege-Sitzeinstellung und Sitzheizung für die Vordersitze (2.360 Mark) sowie das elektrische Sonnenschutz-Rollo für die Heckscheibe (555 Mark). Nur die Reifen sind nicht die 17-Zoll-Breitreifen der Executive-Ausstattung (gäbe es gegen 1.020 Mark Aufpreis), sondern die serienmäßigen 16-Zoll-Reifen auf 7-Speichen-Elegance-Leichtmetallfelgen. Die Metallic-Lackierung kostet 1.375 Mark extra, eine automatische Niveauregulierung 1.165 Mark; empfehlenswert ist auch der Parkpilot für 580,66 Mark, weil das hintere Ende der Karosserie nur schwer einzuschätzen ist.

In der Anschaffung ist er günstiger als vergleichbare deutsche Konkurrenten wie der A6, der Fünfer-BMW oder die E-Klasse. Mit den Versicherungsklassen 15 / 18 / 23 (H / V / T) liegt er im Mittelfeld der Wettbewerber. Die Garantieleistungen sind die für Fahrzeuge deutscher Marken üblichen zwölf Monate auf den Wagen ohne Kilometerbegrenzung und zehn Jahre gegen Durchrostung.

© März 2000 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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