Nissan Primera 1.6 Comfort Stufenheck

Testbericht.
Nissan Primera 1.6 Comfort Stufenheck
Ein gelungener Wurf
Von Petra Grünendahl

 

Markanter ist das Gesicht des Primera geworden mit den jetzt mandelförmigen Scheinwerfern und der bekannten weit heruntergezogenen Motorhaube mit dem „Double Wing“-Kühlergrill. Allerdings kann man den Primera leicht mit dem neuen Renault Mégane verwechseln, seit Renault nach der Übernahme von Nissan den Kühlergrill für seinen Kompakten gleich mit übernommen hat: Dynamischer schaut der Primera nicht nur aus nach optischen Retuschen vorne und hinten, sondern so fährt er sich auch. Die Ingenieure im britischen Design- und Entwicklungszentrum haben den Primera für das neue Modelljahr überarbeitet rund 600 einzelnen Komponenten verbessert, was dem auch bislang hochwertigen, fahraktiven „japanischen“ Mittelklässler gut getan hat.

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Als viertürige Limousine, als Fünftürer mit Fließheck sowie als Kombi ist er wie bislang im Handel erhältlich. Neu sind Ausstattungslinien: außer der Basis-Ausstattung, die schon recht umfangreich ist, gibt es die Linien Sport, Comfort und Elegance. Als Motorisierungen stehen neben dem bekannten 1,6-Liter-Motor mit 100 PS der überarbeitete 2-Liter-Motor mit jetzt 140 PS sowie ein neu entwickeltes 1,8-Liter-Aggregat mit 114 PS zur Auswahl. Wir fuhren einen viertürigen 1,6-Liter-Primera in der Comfort-Ausstattung und der Mineraleffekt-Lackierung Aquamarinblau.

 

Ausreichend Platz haben die Passagiere in der bei gleichem Radstand nun neun Zentimeter längeren Limousine. Wenn vorne Riesen sitzen, kann hinten allerdings die Kniefreiheit etwas kurz kommen. Wie schon im Vorgänger steht für das Gepäck in großer, 490 Liter Ladung fassender Kofferraum zur Verfügung. Bis zur asymmetrisch geteilt umklappbaren Rücksitzlehne hin verjüngt sich die Durchladebreite wegen der großen Radkästen ein wenig, jedoch ist der Kofferraum in seinen Ausmaßen gut nutzbar. Die Ladekante von 64 cm Höhe fällt in die Kategorie „gerade noch akzeptabel“, dafür lassen sich über die großzügige Ladebreite auch sperrige Güter gut einladen.

Gewohnt bedienungsfreundlich ist auch im überarbeiteten Primera das Cockpit gestaltet: gut abzulesen sind die Anzeigen, handlich erreichbar alle Schalter und Hebel. Das ganze in unauffälligem, hochwertigem dunklen Kunststoff. Etwas Farbe bringt die Holzeffekt-Applikation an der Mittelkonsole ins Spiel. Straff, aber bequem gepolstert sind die Sitze, unempfindlich die Stoffbezüge. Sie bieten gute Seitenführung und dank einstellbarer Lendenwirbelstütze jedem Fahrer guten Sitzkomfort auch auf langen Strecken.

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In Europa entworfen und gebaut trifft er ganz den europäischen Geschmack. Guter Mittelklasse-Komfort und hochwertige Verarbeitungsqualität überzeugen. Schon in der Comfort-Ausstattung hat der Primera eine umfangreiche Ausstattung: serienmäßig gibt es u.a. Front- und Seiten-Airbags für Fahrer und Beifahrer, Isofix-Kindersitzvorrüstung, Höhenverstellung für Fahrersitz und Lenksäule, Klimaautomatik, Servolenkung und ABS mit elektronischem Bremskraftverteiler, Brems-Assistent, Zentralverriegelung und Wegfahrsperre, Innenlicht-Automatik und Kofferraumbeleuchtung sowie Radio-Vorbereitung inklusive Lautsprecher. Die Comfort-Ausstattung bietet überdies serienmäßig weitere Extras wie elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel sowie eine Fernbedienung für die Zentralverriegelung, die jetzt im Zündschlüssel integriert ist.

Schmerzlich vermisst habe ich allerdings einen Heckwischer, den es serienmäßig zwar für Fließheck und Kombi, aber nicht einmal gegen Aufpreis für den Viertürer gibt. Gut ist die Zentralverrieglungselektrik vor allem für Leute, die viel allein fahren: Auf Knopfdruck öffnet sich nur die Fahrertür. Erst ein zweiter Knopfdruck – oder gleich ein klassischer Doppelklick wie am heimischen PC – gibt den Zugang über die anderen Türen frei (Anti-Hijack-System gegen Leute, die sich an stehenden Fahrzeugen vor roten Ampeln ungebetenen Zugang ins Auto verschaffen wollen).

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Der 1,6-Liter-Motor mit seinen 100 PS ist eher etwas für Freunde einer ruhigen Gangart. Wer sich in der Gangart weniger zurückhalten will, dem ist eher die Wahl eines größeren, leistungsstärkeren Motoren zu empfehlen. Mit einem Drehmomentmaximum von 136 Newtonmetern bei 4.000/min. ist der Motor nicht gerade ein Zugpferd.

Der Schalthebel lässt sich präzise, aber nicht gerade leichtgängig durch die fünf Gänge des frontgetriebenen Mittelklässlers schieben. Dennoch ist das Schalten keine Last, obwohl der Hebel rege geführt werden will, denn die Getriebeübersetzung ist, obwohl kürzer als beim Vorgängermodell, immer noch auf Sparsamkeit und nicht auf Spritzigkeit ausgelegt. Gute 7,2 Liter Superbenzin pro 100 km verbraucht die Limousine nach EU-Norm (Herstellerangabe). Der Motor erfüllt ebenso wie der 2-Liter-Motor nur die D3-Abgasnorm, deren Steuerbegünstigung zum Jahresende ausläuft. Lediglich der neukonstruierte 1,8-Liter-Motor erfüllt schon die D4-Norm.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 11,5 Sekunden geht angesichts des nicht gerade durchzugsstarken Motors und eines Leergewichtes von fast 1,3 Tonnen in Ordnung. Die Höchstgeschwindigkeit von 181 km/h ist gut für zügige Überholmanöver und längere Autobahntouren.

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Die drehzahlabhängig servounterstützte Lenkung arbeitet präzise und direkt und macht aus der immerhin 4,52 m langen Limousine ein ungemein handliches Automobil. Eher sportlich straff gefedert wird der Fahrer über die Beschaffenheit der Fahrbahn aufgeklärt, was aber kaum den Fahrkomfort beeinträchtigt. Kräftig und sicher verzögern die Bremsen (Scheibenbremsen, vorne innenbelüftet).

Ungleich sportlicher als der Motor ist das Fahrwerk ausgelegt. Agiles Handling, Spurtreue und kaum Untersteuerungstendenzen in zu schnell gefahrenen Kurven zeichnen sein Fahrwerk aus. Durch fast nichts lässt sich der Fronttriebler aus der Ruhe bringen. Tückische Lastwechsel sind ihm fremd. Dabei macht es Spaß, ihm über kurvenreiche Strecken zu jagen. Mit einem durchzugsstärkeren Motor würde der Primera BMW mit der „Freude am Fahren“ ernsthaft Konkurrenz machen.

 

Serienmäßige Sicherheitsfeatures umfassen neben dem sicheren Fahrwerk, ABS mit Bremskraftverteilung und Brems-Assistent auch verstärkte Karosserieelemente, computerberechnete Knautschzonen, höhenverstellbare Kopfstützen und Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen fünf Sitzen (vorne mit pyrotechnischen Gurtstraffern), Isofix-Kindersitzvorrüstung auf den Außenplätzen und eine hochentwickelte elektronische Wegfahrsperre.

 

Ab 33.390 Mark ist der Primera mit 1,6-Liter-Motor in der Basisausstattung zu haben. In der Comfort-Ausstattung legt man für den Viertürer ab 35.390 Mark auf den Tisch. Extras wie ein elektrisches Glas-Hub-Scheibedach (1.450 Mark) und die Metallic- oder Mineraleffekt-Lackierung (750 Mark) kosten extra.

Bei den Versicherungseinstufungen liegt er mit 17 / 18 / 22 (H, VK, TK) ein wenig über den Einstufungen deutscher Automobile. Die Japaner geben aber ein Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre bis 100.000 Kilometer und auf den Lack, sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung sowie ein Jahr auf alle vom Nissan-Partner eingebauten Originalteile und eine europaweite Mobilitätsgarantie.

© November 1999 Petra Grünendahl, Fotos: grü / IN*TEAM

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