Lancia Delta II

Testbericht.
Lancia Delta 1.8 LS
Der Geheimtip in der Golf-Klasse
Von Petra Grünendahl

Geändert hat sich am für das Modelljahr 1998 überarbeiteten Lancia Delta nicht allzuviel. Dezentes Facelift von außen sowie eine aufgewertete Serienausstattung kennzeichnen das 98er Modell. Vier neue, frische Außenfarben stehen nun zur Auswahl. Die in Wagenfarbe lackierten Seitenschutzleisten, C-Säulen und Stoßfänger sorgen für frischen Wind beim kompakten Italiener.

Den Delta gibt es als Fünftürer jetzt in der gehobenen LS-Ausstattung – die bisherigen LE-, LX- und GT-Versionen fallen dafür aus dem Programm – und als Dreitürer in der sportlichen, aber nicht minder exklusiven HPE-Variante. Vier Motoren stehen zur Auswahl: der 1,9 Liter-Turbodiesel mit 90 PS sowie drei Benziner, der 1,6 Liter-Motor mit 103 PS, das 1,8 Liter-Aggregat mit 131 PS sowie – nur mit der HPE-Ausstattung – die Topmotorisierung des 2 Liter-Turbos mit 193 PS.

Die aktuelle Delta-Baureihe wurde 1993 als Fünftürer eingeführt.
Seine Wurzeln hat der Delta im Motorsport. Die sportliche Herkunft merkt man aber auch den fünftürigen Modellen an. Nicht nur die Topmotorisierung besticht durch ihren sportlichen Touch – auch das Fahrwerk ist auf ein etwas dynamischeres Handling ausgelegt.

Der Delta 1,8 LS ist ein richtiger Blickfang. Sportlichkeit und Dynamik zeichnen ihn aus. Über 14-Zoll-Leichtmetallfelgen verfügt der 1,8 LS serienmäßig. Die verchromte Kühlereinfassung des LS wirkt viel pfiffiger als die in Wagenfarbe lackierte Einfassung der HPE-Modelle.

Lenkrad und Fahrersitz sind höhenverstellbar. Die Recaro-Sportsitze in Alcantara-Leder – Aufpreis: 1.493 Mark – sehen nicht nur edel aus, sondern sind schön straff gepolstert, sehr bequem auch auf längeren Strecken und bieten guten Seitenhalt.

Lederlenkrad (Sonderausstattung für 253 Mark), Lederschaltknauf und die Ledersitze vermitteln ein Ambiente von Luxus, zu dem der nicht gerade hochwertige wirkende Kunststoff am Armaturenbrett mit der Holzimitateinfassung an der Mittelkonsole nicht so recht passen will.

Ansonsten ist das Armaturenbrett bedienungsfreundlich und übersichtlich gestaltet. Alle Uhren sind gut einzusehen, alle Schalter finden sich an der richtigen Stelle. Lediglich das Radio ist vielleicht etwas zu tief in der Mittelkonsole plaziert.

Die Heckscheibenwisch-/-waschanlage, zwei elektrisch einstellbare, beheizbare Außenspiegel (neu in der Serienausstattung), die Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorne bekommt man serienmäßig, Funkfernbedienung und elektrische Fensterheber hinten kosten 150 bzw. 510 Mark Aufpreis. Die Klimaautomatik mit Pollenfilter schlägt mit 2.885 Mark als Zusatzausstattung zu Buche.

 

Der Radstand ist für den 4,01 m langen Wagen mit 2,54 m großzügig bemessen. Der Kofferraum ist gut geschnitten, hat eine angenehme Landekante, eine weit öffnende Heckklappe und fällt recht geräumig aus, auch wenn das Fassungsvermögen für seine Klasse mit 335 Litern recht klein ist. Der Golf hat allerdings mit 330 Litern nicht mehr zu bieten. Die Rückbank ist asymetrisch geteilt und ermöglicht ein variables Durchladen. Bei komplett umgelegter Rückbank beträgt das Ladevolumen allerdings nur 975 Liter.

Antrieben wird der sportliche Italiener von einem Vierventil-Vierzylinder-Motor, der bei 6300/min. 131 PS (96 kW) entwickelt. Sportlich klingt der Motor, aber nicht zu laut.

Sein Drehmomentmaximum von 164 Newtonmetern entwickelt er bei 4.000/min. Dank der elektronischen Multipoint-Einspritzung stehen dem Motor bereits bei 2.000/min. 90 Prozent des maximalen Drehmoments zur Verfügung, was sich beim Fahren bemerkbar macht. Dieser agile kleine Flitzer – er ist 14 cm kürzer als der Golf – glänzt mit sehr guten Fahrleistungen. Von 0 auf 100 schafft er in 9,4 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. Der Motor verbraucht 8,8 Liter Super-Benzin (Werksangabe) auf 100 km und erfüllt die „D3“-Norm.

Der durchzugsstarke 1,8-Liter-Motor hängt spontan am Gas. Die 131 PS ziehen flott durch. Vorbildlich in seiner Laufkultur, dynamisch und spritzig zieht der Vierzylinder seine Runden. Sportlich-straff gefedert steckt leichte Bodenunebenheiten locker weg.

Das Fünfgang-Getriebe läßt sich leichtgängig und ordentlich schalten. Die kurze Getriebeübersetzung ermöglicht ein recht schaltfaules Fahren. Die Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet) reagieren prompt und bringen den Wagen in angemessener Distanz zum Stehen. Mit einem Wendekreis von 10,3 m ist der Delta zudem sehr beweglich und handlich zu führen.

In der Fahrwerksabstimmung ist der Delta klar besser als der Golf: Sein neutrales und stabiles Fahrverhalten schützt vor unangenehmen Überraschungen. Man muß den Wagen schon mit sehr extremen Geschwindigkeiten in die Kurven jagen, bevor er – eine für Fronttriebler typische Neigung – leicht untersteuert. Der gute Geradeauslauf, die direkte Lenkung mit Servounterstützung und sein ansprechendes, sicheres Handling machen einfach Spaß!

In puncto Sicherheit liegt der Delta leider immer noch einen Schritt hinter der Konkurrenz. Den Fahrer-Airbag gibt es serienmäßig, aber in Zeiten, wo andere in seiner Klasse schon den Seitenairbag in der Serienausstattung anbieten, gibt es den Beifahrer-Airbag – auch nach der Überarbeitung – noch nicht einmal als Sonderausstattung.

Aber ansonsten heißt es auch bei Lancia „sicher ist sicher“: 4-Kanal-ABS, Gurtstraffer und höhenverstellbare Sicherheitsgurte vorne sind Serienausstattung. Dazu kommt Sicherheit für die Passagiere durch eine verwindungssteife Fahrgastzelle und Seitenaufprallschutz.

Die Preise liegen bei der LS-Serienausstattung zwischen 28.950 und 32.379 Mark. Mit Serienausstattung liegen die HPE-Modelle jeweils rund 1.000 Mark darunter. Das Top-Modell Delta HPE 2.0 HF allerdings kostet mit 43.122 Mark auch einen Top-Preis, wobei hier die Serienausstattung erheblich umfangreicher ist als bei den anderen Modellen.

Ein dem Delta 1.8 LS vergleichbar ausgestatteter Opel Astra 2.0 (136 PS) ist für etwa den gleichen Preis zu bekommen, für einen mehr oder weniger vergleichbaren Golf 1.8 Highline mit 125 PS legt man etwa 3.000 Mark mehr auf den Tisch.

In der Versicherungseinstufung liegt der Delta 1.8 LS mit 20 in der Haftpflicht in relativ normalem Rahmen. Mit der Einstufung in der Typklasse 28 in der Vollkasko und der Teilkasko mit Typklasse 31 wird die Versicherung aber leider etwas teuer.

Lancia gibt auf alle Modelle ein Jahr Gewährleistung ohne km-Begrenzung, drei Jahre auf den Lack und acht Jahre Garantie gegen Durchrostungsschäden.

Es fehlt ja nicht viel – vielleicht nur eine bessere Airbag-Ausstattung – und der kleine Italiener könnte dem Golf Konkurrenz machen. Bislang fährt hier ein ganz tolles, spritziges und agiles Auto eher als Geheimtip auf unseren Straßen!

© März 1998 Petra Grünendahl

, Fotos: grü (1), Lancia (1)

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